Fossilien / Fossils / Fósiles > Österreich / Austria
Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
oliverOliver:
Hab am vergangenen Wochenende bei 37 Grad oder mehr (im Schatten !) fast einen ganzen Nachmittag in der prallen Sonne auf einem gerade erst abgeernteten und frisch gegrubberten, staubtrockenen Feld verbracht – leicht geneigter Südhang, wo sich die Sonne so richtig reinlegt, und kein noch so kleines Wölkchen am Himmel – da wurden Erinnerungen wach an Südfrankreich, wo ich vor 30 Jahren in den „badlands“ der Provence bei ähnlichen Temperaturen Pyritammoniten gesammelt habe !
Hat sich aber ausgezahlt – endlich mal wieder ein vernünftiges Stück (L. ca. 20 cm) aus der HMF, mit einem Astloch, das diesen Namen ausnahmsweise auch verdient.
Der Rest waren aber leider lauter landwirtschaftlich zerhäckselte Mini-Stückchen ….
Geomaxx:
Hi Oliver,
das ist ja ein Lehrbuchstück! Kannst Du das Teil anhand der Holzstruktur im Querbruch ggf. einer Pflanzenfamilie zuordnen?
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX
oliverOliver:
Hallo Maxx,
nein, leider (noch) nicht – hab`s noch nicht unterm Mikro gehabt, es liegt derzeit in NÖ bei meiner Freundin (wieder mal das „Sammlung-wegen-Platzmangel-auf-mehrere-Standorte-verteilt-Problem“).
Sieht bezüglich Bestimmung auch nicht sehr vielversprechend aus – an einem Ende ist der alte Querbruch verwittert, in solchen Fällen sind sonst oft schon mit freiem Auge oder zumindest unter der Lupe deutliche Strukturen zu erkennen (siehe z.B. Foto 2 in AW #15), bei diesem Teil aber leider nicht. Das andere Ende ist ein frischer Querbruch, da seh ich mit der Lupe außer einer sehr homogenen Kieselmasse auch nichts. (Rein nach „Bauchgefühl“ kommt`s mir irgendwie „eichenartig“ vor – das heißt aber natürlich gar nix.)
Mal abwarten bis ich das Stück in Wien habe, vielleicht ist unterm Bino ja doch was zu erkennen …
oliverOliver:
„Rostholz“ aus der HMF – Teil 1
Neben den nur bereichsweise etwas häufiger anzutreffenden Kieselhölzern gibt es im gesamten Gebiet der HMF limonitisierte Holzreste in unterschiedlicher Erhaltung. Meist handelt es sich nur um Abdrücke in Limonitkrusten, es kommen aber auch limonitisierte Holzfasern (meist schlecht erhaltenes bröseliges Zeugs) und Kiesel-Limonit-Mischfossilisationen vor (siehe dazu auch schon oben).
Hier als erstes Beispiel einmal limonitisierte Holzreste aus einer aufgelassenen Schottergrube an der Ostseite des Schmidatals. Es handelt sich dabei um Abdrücke in Limonit bzw. Limonitkrusten von vergangenem Holz.
In der ehemaligen Abbauwand befinden sich unterschiedlich dimensionierte „Löcher“ bzw. Hohlformen, die mit Limonit „ausgekleidet“ sind – also Limonitkrusten um ehemalige Hölzer, die aber völlig vergangen sind. Manchmal ist dabei nur zu erahnen dass es sich ursprünglich um Holz handelte, manchmal sind aber die Abdrücke der Holzstruktur gut erkennbar. Teils sind in sehr geringen Resten auch Holzfasern erhalten, diese sind aber nicht fest und sehr fragil – beim Waschen bleibt meist nur die glatte „Schale“ übrig.
Diese Krusten gibt es auch in geringer Dimension, also von Zweigen, sie sind dann aber meist durch den Sedimentdruck gequetscht, so dass kaum noch ein Hohlraum vorhanden ist, und im Querschnitt flachoval.
Diese Art der Fossilisation scheint ziemlich häufig zu sein und dürfte in der HMF eher die übliche Erhaltungsform darstellen, während Verkieselung oder Mischformen anscheinend nur ausnahmsweise auftreten.
Meine Bergungsversuche waren ziemlich enttäuschend – auch die fest wirkenden „Schalen“ sind sehr fragil und zerbrechlich, teils sogar bröselig – beim Herauslösen bleiben nur kleine Fragmente übrig. Das müsste in einer größer angelegten Aktion angegangen werden, die Äste müssten dabei Schritt für Schritt freigelegt und vor Ort gehärtet werden, was in den vertikalen ehemaligen Abbauwänden aber nur schwer möglich ist - aber das lohnt wohl auch den Aufwand nicht.
Ein Foto mit dem Zustand der Funde nach dem Bergen möchte ich euch ersparen …. eigentlich könnte ich das Gebrösel auch wegschmeißen.
oliverOliver:
Rostholz aus der HMF Teil 2
Hier jetzt Beispiele aus einem anderen Teilgebiet der HMF dem nördlichen Hollabrunner Wald, wiederum Abdrücke.
Dort sind aber die Limonitkrusten mit den Abdrücken meist ziemlich stark und weitaus stabiler als die Beispiele im obigen Beitrag und auch die Abdrücke sind manchmal weitaus detailreicher, teils auch beinahe dreidimensional bzw. fast schon Ausgüsse, wenn sich die Krusten in größeren Spalten oder Hohlräumen des Holzes bildeten, bevor dieses endgültig vergangen ist. Ein solches Beispiel mein bisher bestes Fosssil in dieser Erhaltung zeigen die Fotos 1+2. Das Stück hat einen dreieckigen Querschnitt, wobei auf zwei Seiten deutliche Holzabdrücke zu erkennen sind (L = 13 cm).
Das zweite Beispiel (Fotos 3+4) stammt aus dem gleichen Fundgebiet, allerdings nicht aus den Schottern und Grobsanden, sondern aus dem Ton. Es gibt in der HMF immer wieder Einschaltungen von Peliten bzw. tonigen Sedimenten, welche in Stillwasserbereichen abgelagert wurden. Oft sind das nur schmale Bänder oder Linsen im Schotter, manchmal aber auch mächtige Schichtfolgen. Während also erstere in nur temporär ruhigeren Zonen des dynamischen Flusssystems abgelagert worden sein dürften, stammen zweitere offenbar von großen und tiefen Altarmen bzw. Totarmen/Verlandungszonen, oder überhaupt aus eher lakustrinen Millieus innerhalb des weitverzweigten Flusssystems.
Das gezeigte Stück stammt aus einer kleineren Tonlinse im Schotter, es handelt sich um Holzreste / Zweige in Limoniterhaltung. Wie auf den Fotos (hoffentlich) deutlich zu erkennen ist, liegen diese Reste als ziemlich bröseliges Zeug im durch die Austrocknung rissigen Ton vor ich habe das Stück daher nur fotografiert und nicht geborgen. Dazu wäre eine komplette Blockbergungs-Ausrüstung nötig, samt Härtung vor Ort es ist aber ein interessantes Beispiel für eine weitere Limonit-Erhaltungsform.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln