Fossilien / Fossils / Fósiles > Schnecken, Muscheln, Kahn-, Grabfüßer / Bivalvia, Gastropoda, Scaphopoda
fossile Perlen
Jochen1Knochen:
Hallo!
Es gibt doch da eigentlich große fossile Austernbanken.Aber bei Fundstellen auf dem Land ist wohl die Zerfallnis größer,oder?
http://www.bild.de/news/ausland/meer/riesen-perle-in-auster-25342438,view=popupAutoOverflow.bild.html
Gruß Jens
smoeller:
Hallo,
Ich denke vor allem an das Problem der Erhaltungsfähigkeit. Perlen bestehen meines Wissens aus Aragonit und der ist nun einmal eigentlich bei Normalbedingungen instabil, sollte sich eigentlich in Calcit umwandeln. Immerhin reicht schon das Mörsern mancher Aragonite, um im Pulver per Röntgendiffraktometrie auch Calcit zu finden. 100 Mio. Jahre und mit steigender Sedimentbedeckung veränderliche Bedingungen sind allemal genug, einer trägen Kinetik auf die Sprünge zu helfen. Selbst, wenn die Versenkung und Diagenese ins Aragonit-Stabilitätsfeld führt, so würde das evtl. zur Umkristallisation der Perle führen. In den meisten Fällen werden fossile Muscheln vollständig in Calciterhaltung gefunden, fossiles Perlmutt ist mir jetzt nur von manchen Ammoniten bekannt.
Glück Auf!
Smoeller
triassammler:
Hallo Jens,
typisches Sommerlochgeschwurbel. Ein Aquarium ist kein paläontologisches Institut, und wahrscheinlich wurde deren Geschwafel vom Journalisten durch Unkenntnis der Sachverhalte noch weiter übertrieben.
Thesen des Artikels:
1. Große Austern ("10 mal so groß wie eine normale Auster") sind unheimlich selten.
2. Wenn eine so große Auster eine Perle enthält muss diese riesig sein.
3. Tomographisch wurde ein 10x8 cm großes Objekt im Innern der Auster entdeckt. Es könnte sich um eine Perle handeln.
Ad 1) Fossile Riesenaustern sind nicht selten. Bsp. Gattung Crassostrea (Tertiär-rezent), die Gattung die die größten bekannten Austern stellt. Exemplare über 40 cm Länge sind durchaus häufiger, als Riffbildner kommen sie gesteinsbildend vor. Man findet sie überall in Europa in tertiären Meeressedimenten. Auch in der Kreide gab es schon sehr große Austern.
Ad 2) Die Riesenaustern sind nicht primär deshalb so groß weil sie einen großen Weichkörper besaßen. Sie bestehen zu 80%-90% aus Schale, der Weichkörper - und der zugehörige Hohlraum dafür zwischen den Schalenklappen - ist im Verhältnis dazu sehr klein. Das erklärt sich zum einen aus ihrem Lebensraum - Brandungszone (dicke Schale als Panzerung gegen Beschädigungen und als Gewicht, um nicht losgerissen und herumgewirbelt zu werden) - und zum anderen aus einem "Rüstungswettlauf" gegen bohrende Organismen die seit der Kreide verstärkt auftraten. Wenn sich eine Bohrmuschel oder Bohrschwamm pro Jahr 5 bis 10 mm in eine Schale bohrt muss die Auster mindestens so viel Schale an der Innenseite zulegen, oder sie wird durchsiebt. Die Größe der Riesenaustern resultiert also nicht aus einer langen Lebensspanne des Individuums, sondern aus extrem schneller Schalenbildung.
In diesem Wettlauf hat die Auster wenig Interesse daran, viel Calciumkarbonat auf das Umhüllen eines in sie eingedrungenen Objekts zu verschwenden. Sie steckt stattdessen so viel wie möglich in die Schale. Es gibt keinen linearen Zusammenhang zwischen Schalen- und Perlengröße. Der verallgemeinerte Schluss "je größer die Auster desto größer die Perle" ist damit grundsätzlich falsch.
Ad 3) [Edit: Während ich das schrieb ist Smoeller schon auf die Aragonit-Problematik eingegangen]
Es könnte auch sonst alles mögliche sein, ggf. nur konkretionär mineralisiertes Sediment.
Austernschalen bestehen aus Calcit, Austernperlen aus Aragonit (dem Aufbau aus radialstrahligen Aragonitkristallen ist der besondere Perlenglanz zu verdanken). Calcit hat ein gutes fossiles Erhaltungspotenzial, Aragonit ein sehr schlechtes. Bis auf wenige Spezialfälle kommt höchstens eine primäre Umwandlung in/sekundärer Ersatz gegen Calcit vor. In den grobporigen Sedimenten der Austernriff-Fazies ist jedoch fast immer die ersatzlose Auflösung von Aragonit an der Tagesordnung. Die Chance, dass im Innern einer fossilen Auster eine Perle schlummert ist daher sehr, sehr, sehr gering (aber nicht völlig unmöglich, entsprechende fossile Belege sind bekannt, aber fast an einer Hand abzuzählen). Dass die Perle noch in Aragonitsubstanz mit der perlenüblichen Kristallisation vorliegt ist nahezu ausgeschlossen. Wenn überhaupt, wird der Paläontologe einen Calcitbatzen in der Hand halten, und der ist garantiert nicht "mehrere hunderttausend Euro wert", sondern höchstens von wissenschaftlichem Interesse.
Fazit: Man nehme ein Satellitenfoto von Sibirien, zeichne an beliebiger Stelle einen Kreis von maßstäblich 5 km Durchmesser hinein, erläutere "Es besteht eine statistische Wahrscheinlichkeit > 0 dass in diesem Bereich ein Mammutkadaver im Boden liegt", füge hinzu: "Aus Naturschutzgründen werden wir dort aber keine Suche oder Grabung unternehmen und können unsere Behauptung daher nicht beweisen" und füttere damit die Presse, die es unter der Überschrift "Satellit entdeckt Mammut!" veröffentlicht. Ähnlich gehaltvoll ist diese Pressemeldung mit der Auster ;)
Gruß,
Rainer
PS: @Jens:
--- Zitat ---Zerfallnis
--- Ende Zitat ---
Geniale Wortschöpfung ;D Was soll sie genau bedeuten?
Jochen1Knochen:
Hallo!
Danke für die qualifizierten Antworten!So in etwa habe ich mir das schon gedacht.Habe ich doch selber auch große 30cmAustern als Blumenbeetumrandung im Garten liegen.
Wenn da auch nur der Hauch einer Chance sein würde wäre da längst ein Abbau der Austernbänke vorangetrieben worden.
Den ersten Artikel,als das Teil gefunden wurde hatte ich auch ignoriert,aber über den jetzt nachgewiesenen Einschluß kam ich ins Grübeln,wieviel Prozent Wahrscheinlichkeit über einen reellen Perlenfund besteht und ob unter Wasser die Erhaltung von Perlen gegeben sein kann.
Tja-Rainer . Wie soll ich jetzt Zerfallnis erklären ::)
Höchstens ist das in der gleichen Deklination wie Sommerlochgeschwurbel zu suchen ;D
Gruß Jens
triassammler:
Hallo Jens,
--- Zitat von: Jochen1Knochen am 27 Jul 12, 21:47 ---Tja-Rainer . Wie soll ich jetzt Zerfallnis erklären ::)
Höchstens ist das in der gleichen Deklination wie Sommerlochgeschwurbel zu suchen ;D
--- Ende Zitat ---
Das ist Geschwurbel ;D
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschwurbel
Gruß,
Rainer
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