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Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau

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oliverOliver:
Untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
Grundlagen: geologische Verhältnisse, Fundsituation
Eine Häufung von Kieselholz-Fundstellen in küstennahen marinen Ablagerungen (Schottern) aus dem späten Untermiozän (Laa-Formation: Karpatium, oberstes Burdigalium) gibt es in der Umgebung von Maissau, an der Grenze von Wein- und Waldviertel. Hier muss damals wohl ein kleiner Fluss oder größerer Bach, vom heutigen Waldviertel kommend, ins Meer (heutiges Weinviertel) gemündet haben.
Es handelt sich bei diesen Sedimenten meist um nur kleinflächig vorhandene Erosionsreste, weshalb die Fundchancen auch sehr eingeschränkt sind. Eine geschlossenere Verbreitung zeigt die Laa-Fm erst nach Nordosten und Südosten hin (gegen Osten wird sie von der Grund- und Gaindorf-Fm überdeckt), dort dürften aber – nach derzeitigem Kenntnisstand – die Hölzer fehlen, oder aber zumindest extrem selten sein.
     Die Laa-Fm besteht aus unterschiedlichen Sedimenten, nämlich im Westen aus Silten, Sanden und Kiesen, im südlichen Teil dabei überwiegend aus siltigen und tonigen Feinsedimenten (Peliten) mit Sandeinschaltungen, was dort eine – zumindest partielle – Ablagerung in größerer Wassertiefe anzeigt. Im Osten nehmen generell die tonigen Anteile zu.
Im angesprochenen Bereich – also im Westen – belegen die häufigen Einschaltungen von Kiesen und Sanden – ebenso wie die Gesamtverbreitung der Laa-Formation – die Küstennähe. Dazu passt, dass diese Kieseinschaltungen nach Osten und Südosten zu rasch weniger und geringmächtiger werden, was – im Einklang mit der Foraminiferenfauna – ein Tieferwerden des Meeres nach Osten hin anzeigt.
Die Laa-Fm ist lithologisch ziemlich abwechslungsreich, die Schotter-Anteile sind zudem sehr „bunt“. Die Schotter enthalten an weiteren Fossilien vor allem abgerollte/verrundete, also wohl synchron allochthone (umgelagerte, aber zeitgleiche) Fragmente von Austernschalen.
     Die fossilen Hölzer stammen offenbar überwiegend (nur?) aus den Schotter-Anteilen der Laa-Fm. Zu einem geringeren Teil kommen sie aber auch von Flächen, die auf der Geol. Karte als Zellerndorf-Fm (Pelite, oberstes Eggenburgium bis – und vor allem – Ottnangium) verzeichnet sind. Diese Stücke stammen jedoch aus jüngeren Schwemmfächern und Schuttdecken, welche auf der Zellerndorf-Fm liegen (Dank für diesbezügliche Informationen an Reinhard Roetzel). Zum Teil scheint es sich aber auch um Erosionsreste einer ehemaligen, heute nicht mehr vorhandenen Karpatschotter-Überdeckung zu handeln.
Aufgrund der beschriebenen Situation ist also davon auszugehen, dass höchstwahrscheinlich alle diese Hölzer ursprünglich aus Karpat-Schottern der Laa-Fm stammten.
     
Meine Eigenfunde aus der Laa-Fm sind bisher äußerst dürftig (sh. auch den Beitrag im Thema „Bescheidene Hölzer …, AW #61). Es gibt hier keine vernünftigen Aufschlüsse (mehr) – wie etwa Sandgruben etc. –, sondern es handelt sich ausschließlich um landwirtschaftlich genutzte Flächen. Schwere Pflüge, Scheibeneggen und die noch „übleren“ Weingartenfräsen lassen dabei leider nicht viel übrig von den Kieselhölzern. So musste ich das (ohnehin kleine) frisch zertrümmerte Stück auf dem zweiten Foto aus vier Fragmenten zusammenkleben – auch nicht gerade das, warum man Kieselholz sammelt !

Literatur:
• Roetzel  u. a. 1999: R. Roetzel, O. Mandic und F. F. Steininger, Lithostratigraphie und Chronostratigraphie der tertiären Sedimente im westlichen Weinviertel und angrenzenden Waldviertel. Arbeitstagung geol. BA 1999, Wien 1999, 38 ff.
• Roetzel  1996: R. Roetzel, Bericht 1994/1995 über geologische Aufnahmen im Tertiär und Quartär mit Bemerkungen zur Tektonik am Diendorfer Störungssystem auf Blatt 22 Hollabrunn. Jb. Geol. Bundesanst. 139/3, Wien 1996, 286 ff.

oliverOliver:
Noch ein Kieselhölzchen der Laa-Fm aus der Umgebung von Maissau – ist auch nicht viel besser als die hier schon vorgestellten Stücke. Hat zwar eine schöne Struktur und ist ca. ein Viertel eines Querschnittes mit glatter Außenfläche (Wurzelholz ? Ast ?) und kaum kompaktiert, aber leider sehr klein (nur 5,5 x 4 cm).
Noch ein Wort zu den Fundchancen in der Laa-Fm: es heißt manchmal, dass Kieselhölzer hier gar nicht so selten sind – das ist aber eine Frage der Definition !
Natürlich kann man was finden – wenn man sich mit Mini-Belegstückchen zufrieden gibt. Und „nicht so selten“ kann man auch so oder so sehen – die Chancen stehen ziemlich gut, tagelang durch die Weingärten zu laufen, ohne auch nur die Spur eines Kieselholzes zu Gesicht zu bekommen ! Wenn man hier „sammelt“ (wobei der Ausdruck an sich in der Laa-Fm schon irreführend ist), sollte man das Ganze eher als sportliche Herausforderung betrachten.

In einem Punkt ist mir die Laa-Fm mit den "Hölzchen" allerdings sehr sympathisch:
hat den riesigen Vorteil, dass man - auch bei beengten räumlichen Verhältnissen - kein Platzproblem bekommt, wenn die Ausbeute eines ganzen Sommers in ein kleines Schachterl passt !

oliverOliver:
Auch stärker abgerollte Stücke kommen hier manchmal vor,
so wie dieses kleine (L. ca. 7 cm) und leider vom Pflug beschädigte Exemplar.

oliverOliver:
Oder das - hier ist die Holzstruktur nur noch bei genauer Betrachtung erkennbar. Noch dazu ist die Oberfläche nicht nur intensiv abgerollt, sondern auch noch stark verwittert bzw. patiniert - da muß man schon (zusätzlich zum geschulten Blick) großes Glück haben, um das im Gelände überhaupt als Holz zu erkennen.

oliverOliver:
Bei diesen extrem abgerollten Stücken (AW # 2+3) stellt sich mir immer die Frage:
Sind das wirklich alles Karpat-Hölzer, oder sind da nicht vielleicht auch ältere Hölzer dabei, die bereits als Fossilien mit dem Schotter ins Meer transportiert wurden ?
Die Kiese sind ja sehr „bunt“ zusammengesetzt (siehe oben).
Als Ursprungsgebiet für eventuell sekundär verlagerte Kieselhölzer kämen vor allem die Schotter der oligozänen St.Marein-Freischling-Formation in Betracht.
Dass hier irgendwo in der Gegend von Maissau ein Bach oder mehrere Bäche bzw. kleine Flüsse von Westen her nach Osten ins Meer entwässert haben müssen, scheint soweit klar (die Kieselholz führenden Schotter finden sich ungefähr von Ravelsbach im Süden bis Straning im Norden entlang des Manhartsberg-Ostabfalls bzw. der Diendorfer Störung, also in etwa entlang der anzunehmenden Karpat-Küstenlinie).
Die östlichsten Vorkommen von SMFF-Schottern sind von hier nicht sehr weit entfernt – solche gibt es etwa unmittelbar westlich des Manhartsberges im Unteren Kamptal oder etwas weiter nördlich in der Umgebung von Eggenburg noch östlich von Rodingersdorf/Sigmundsherberg bis etwa Kleinmeiseldorf und sogar noch darüber hinaus. So gibt es auch bei Kühnring ein kleinflächiges Vorkommen von oligozänen limnischen Sedimenten – ob diese noch zur SMFF im weitesten Sinn zu rechnen sind, und ob auch dort Kieselholz vorkommt, ist mir aber unbekannt (Vgl. die Karten-Abb. Auf Seite 167 in: F. F. Steininger und W. E. Piller (Hsg.), Eggenburg am Meer. Eintauchen in die Erdgeschichte, Kat. Krahuletz-Museum 12, Eggenburg 1991.).
Das Einzugsgebiet dieses Baches oder zumindest eines dieser untermiozänen Fließgewässer, die Schotter ins Karpat-Meer transportierten, muss relativ weit nach Westen gereicht haben. Denn die Kiese führen auch Gerölle der Jaspis-Chalzedon-Gruppe aus der sogenannten „Bunten Serie“ (Verwitterungsprodukte aus Serpentinit-Zügen). Diese stehen aber meines Wissens nur weiter westlich an als die östlichsten Vorkommen der SMFF, konkret also nur westlich des Nord-Süd verlaufenden unteren Kamptals, so etwa im Bereich des Kampknies bei Wanzenau und Altenburg (dort auch SMFF-Kieselholz) oder in der Umgebung von Brunn an der Wild (dort ebenfalls häufig SMFF-Hölzer).
Der miozäne „Schwemmholzlieferant“ muss also auch Gebiete durchquert haben, in denen oligozäne kieselholzführende Sedimente anstanden, weswegen ein Vorkommen von verlagerten älteren Kieselhölzern in den Karpat-Schottern der Laa-Fm theoretisch nicht auszuschließen ist. Ob aber auch wirklich ältere Hölzer in die Laa-Fm verlagert wurden, ist derzeit nicht schlüssig zu beantworten (Dank an Reinhard Roetzel für die Diskussion dieses Problems).
Es gäbe durchaus auch andere Erklärungsmöglichkeiten für das gemeinsame Vorkommen von abgerollten und nicht abgerollten Stücken. So könnten etwa anzunehmende Meeresspiegelschwankungen - innerhalb des Karpatiums ältere -Schotter samt dem enthaltenen, bereits verkieselten Holz aufgearbeitet und umgelagert haben.

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