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Niederösterreich: untermiozänes Kieselholz aus der Umgebung von Maissau
oliverOliver:
Fundsituation auf einem Feld mit Schotter und Sand/Silt der Laa-Fm (Umgebung Maissau) – „Vorfrühlingsfund“ Anfang März 2013 (Foto 1-3).
Das zweite – größere – Holz dieses Tages lag einige Weingärten weiter (Foto 4; 27 x 11 x 4,5 cm; leider hab ich von dem kein Fundsituations-Foto gemacht).
Sonst gab`s diesmal nichts – aber mit diesen beiden nicht so üblen Stücken war das hier schon ein sehr guter Tag – ich war 6 Stunden („netto“, also ohne Hin- und Rückfahrzeit) in den Weingärten und auf den Feldern unterwegs – nur damit man die Fundchancen in diesem Gebiet richtig einschätzen kann ! (ich war auch im Winter – nach dem oben vorgestellten November-Fund – an schneefreien Tagen gelegentlich in der Maissauer Gegend, aber mit nur sehr mäßigem Erfolg).
Das zweite Stück hat wieder eine teils sehr dicke Sinterkruste. Nach den problematischen Erfahrungen mit dem chemischen Entsintern (teils kalkige Fossilanteile, siehe oben) probiere ich bei diesem Holz mal eine mechanische (Vor-)Präparation – auf dem Foto (4) ist die Sinterkruste schon teilweise abgelöst.
Mittlerweile bin ich schon etwas weiter als am Foto – ganz ohne Essig wird’s aber wohl diesmal auch nicht gehen.
Interessant ist der mehrschichtige Aufbau der Auflagerungen. Direkt auf der verkieselten Oberfläche befinden sich schwarze Flecken – eventuell Manganoxid ? – und einige „Rostschlieren“, also Verfärbungen durch Eisenoxid. Teilweise darüber, teils direkt auf dem Kieselholz, folgt eine – partiell vorhandene – sehr harte und dichte Schicht in verschiedenen dunklen Brauntönen – eventuell ein eisenhältiges Karbonat ? mit Kieselanteil ? Dieses Sediment – teils etwas „wulstig“ oder „konkretionsartlg“ ausgebildet – wirkt auf mich, ohne das näher begründen zu können, wie verhärteter Schlamm. Erst darüber folgt der „übliche“ weißliche, meist nicht all zu harte reine Kalksinter. Dieser lässt sich, wo er direkt am Kieselholz (bzw. auf einem dünnen, „hautartigen“ harten Sinterüberzug) aufliegt, meist relativ gut ablösen, wo er aber mit der braunen Schicht verbunden ist, geht dies deutlich schwieriger.
oliverOliver:
Ausläufer des Fundgebiets (nordöstliches Schmidatal)
Die Ausläufer dieses Fundgebietes – großteils durch Erosion, zum kleineren Teil anscheinend auch durch Lössüberdeckung isoliert – reichen einerseits nach Norden bis in die unmittelbare Umgebung von Eggenburg, andererseits bis an die Ostseite des nördlichen Schmidatals, also etwas nordöstlich des oben beschriebenen Gebietes in der direkten Umgebung von Maissau. Dort ist der Schotteranteil in der Laa-Fm immer noch relativ hoch, aber schon deutlich geringer als (süd-) westlich davon.
Bei einem dieser „Ausläufer“ handelt es sich um ein mehr oder weniger isoliertes Vorkommen von Karpat-Schottern, allseitig durch tektonische Störungen begrenzt, in der Marktgemeinde Sitzendorf. Früher gab es dort viele kleine Sand- bzw. Schottergruben, in welchen (den Angaben eines älteren Heimatforschers zufolge) öfters verkieselte Hölzer gefunden wurden. Diese Gruben sind heute alle aufgelassen – unter anderem auch wegen des hohen Pelitanteils – und zugewachsen oder wieder verfüllt. Ich habe diese ehemaligen Aufschlüsse alle – teilweise mehrfach – abgesucht, und nichts gefunden. Selbst als unheilbarer Optimist muss man die Fundchancen hier leider als „völlig erloschen“ bezeichnen.
Fundmöglichkeiten bestehen also auch in diesem Gebiet nur noch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ich habe oben das Holzsuchen bei Maissau etwas ironisch als „sportliche Herausforderung“ bezeichnet. In Weiterführung dieses Gedankens müsste es hier im nordöstlichen Schmidatal schon als „Hochleistungssport“ eingestuft werden – da kommen schon sehr sehr sehr viele Kilometer auf ein einziges kleines Kieselholzstückchen ! Oder weniger poetisch gesagt: Es handelt sich hier um reine Zufallsfunde, eine gezielte Suche nach Kieselholz macht da überhaupt keinen Sinn.
Obwohl ich sehr viel in diesem Gebiet unterwegs war (zugegebenermaßen nicht immer vorrangig wegen Holz, aber Kieselhölzer in nennenswerter Größe wären mir trotzdem aufgefallen), hab ich dort bisher insgesamt erst fünf kleine Kieselhölzer gefunden. Das dürfte bestätigen, dass sie nach Osten hin seltener werden – was aufgrund der größeren Entfernung zur ehemaligen Küste auch logisch ist.
Das „schönste“ davon hab ich schon mal in einem anderen Thema hergezeigt:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg244194.html#msg244194
Zwei weitere zeigen die Fotos unten (Foto1: 8,5 x 7 x 3,5 cm; es sind zwar Jahresringe bzw. allgemeiner Zuwachsringe erkennbar, aber in der für die Laa-Fm typischen Verkieselung ohne sichtbare Zellstrukturen. – Foto 2: ca. 16 x 6 x 4,5 cm; mit etwas besserer Strukturerhaltung).
Lediglich die Austern sind hier an der Ostseite des Schmidatals deutlich häufiger und weitaus besser erhalten als im Westen – was aber für einen Holzsammler nur ein schwacher Trost ist ! (um nicht zu sagen, ein Ärgernis und irreführend: sie lenken den auf „organische Strukturen“ eingestellten Blick ab, sehen ungereinigt am Feld auf den ersten Blick Holzfragmenten oft täuschend ähnlich und verleiten zu vergeblichem Bücken).
Dass ich trotzdem gerne dort bin, hat andere Gründe: die Landschaft ist wunderbar, es gibt (noch !) einige Rest-Trockenrasen mit seltenen Pflanzen (Zwergiris, Diptam, Frühlingsadonis, Orchideen …) und Insekten, und auch einige Bio-Weinbauern bieten ihre ausgezeichneten Erzeugnisse an. Hier stehen also Genüsse anderer Art im Vordergrund, und nicht das Kieselholz. Wenn ich aber ab und zu mal eines finde – um so besser !
oliverOliver:
Schon länger hatte ich jetzt im Randgebiet Schmidatal Nordost nichts Neues gefunden.
Erst zu Pfingsten lag bei einem Spaziergang dieses kleine Stück am Rand eines Maisfeldes. Daraufhin bin ich natürlich die einzelnen Maiszeilen abgegangen (obwohl ich sonst nicht ohne Genehmigung in bestellte Felder steige), aber natürlich vergeblich es blieb, wie zu erwarten, bei diesem einen Stück.
Es ist zwar nur ein sehr kleines Trostholz (ca. 7,5 x 5,5 x 2 cm), hat aber zumindest eine gut strukturierte Oberfläche, und an einem Ende einen winzigen Zweigansatz sowie direkt daneben ein durchgehendes halbes Astloch (ebenso winzig) durch dieses geht jedoch ein alter Bruch, das andere Ende ist leider rezent gebrochen.
Nur wegen dieser etwas ungewöhnlichen Kombination von direkt nebeneinander liegendem Astloch und Astansatz hab ich mich entschlossen, das Hölzchen doch hier vorzustellen in der Hoffnung, dass heuer noch was Besseres nachkommt.
oliverOliver:
So, der Exkurs zu den Randgebieten ist vorbei – jetzt geht’s wieder um das „eigentliche“ Maissauer Fundgebiet.
Nach den schönen Vorfrühlingsfunden (sh. AW #10) war ich natürlich weiterhin fleißig in den Schottern der Laa-Fm unterwegs – allerdings, wie das hier eben so üblich ist, mit sehr bescheidenem Erfolg. Zwei schöne Stücke habe ich – neben den üblichen Schrott-Splittern – aber doch gefunden, eins im April und eins im Mai.
Das erste vom April war ein absoluter Glücksfund. Nachdem der letzte Schnee – erst sehr spät – endlich weg war, waren natürlich die Felder sofort frisch geeggt bzw. auch schon angesät (und daher nicht mehr begehbar), sowie die Weingärten frisch gegrubbert und noch nicht abgeregnet – es herrschten an diesem Tag also denkbar schlechte Bedingungen.
An der Grenze zwischen einem Weingarten und einem Acker war aber die Randfurche etwas tiefer gepflügt, dort lag – frisch herausgerissen – das Holzstück (ca. 18 x 11 x 8 cm). Leider hat es zwei frische Brüche, die fehlenden Teile hab ich trotz intensiver Suche nicht gefunden – trotzdem ist es eines der besten Stücke, die ich bisher aus der Laa-Fm habe.
Es scheint sich wieder mal um eine Art Verzweigungssituation zu handeln (oder um einen Teil vom Wurzelstock ?) – die Holzfasern laufen V- bis Y-förmig auseinander (Fotos 1+2). Eine der Bruchflächen zeigt einen ca. halben Querschnitt, der auf einer Seite seltsam flach-langgezogen ist – könnte das eventuell eine Stelle sein, wo ein abgehender Spross noch nicht ganz von der Hauptachse getrennt ist ? (Foto 4)
Die Form scheint mir weder durch die Fragmentierung noch durch eventuelle Kompaktierung (die, wenn überhaupt, ohnehin nur schwach gewesen sein dürfte) völlig erklärbar.
Zudem gibt es mindestens drei „seltsame“, im Bruch annähernd runde, mit eisenhältigem Material gefüllte Strukturen (auf Foto 4 nur 1 x gut erkennbar, besser auf der Schrägansicht im Nachtrag). Diese verlaufen nur in Längsrichtung der Holzfasern, orientieren sich anscheinend also an der Holzstruktur (oder gehören zu ihr). Ich schwanke hier zwischen „eventuell Leitbündel ?“ und „oder wahrscheinlicher Fäulnispilz ?“ (ähnliches war schon mal im Forum: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,6736.0.html – besonders das Foto in AW #15 erinnert mich sehr am das vorliegende Stück). Wie Teredinae-Spuren sieht`s mir jedenfalls eher nicht aus, ausschließen möchte ich hier aber gar nichts.
oliverOliver:
der Nachtrag:
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