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Autor Thema: Ist das Gneisglimmerschiefer? Brauche hilfe bei Bestimmung.  (Gelesen 6914 mal)

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Joschi

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Liebe Forums-Mitglieder,

ich muss für mein Studium ein Gestein bestimmen aber da ich kein Geologe bin brauche ich Hilfe dafür.
Ich hoffe, einer von euch kann mich fachkundig weiterhelfen.

Also das Handstück stammt von der Eulenkluft Wechselburg, diese befindet sich im inneren Schiefermantel des Granulitgebirges.
Nach geologischen Karten und Lehrbüchern gibt es dort Glimmer- und Gneisglimmerschiefer.
Ich habe aber auch Quellen gefunden, wo diese Stelle mit Garben- und Fruchtschiefern angegeben ist.

Ich sehe, dass es matt silbrig glänzt und eine klare Schieferstruktur hat. Dann sind überall so ganz kleine schwarze Minerale, könnte das Biotit sein?

Fotos sind im Anhang.

Wichtig ist mir vor allem, dass wenn es Gneisglimmerschiefer ist - inwiefern unterschiedet er sich von Glimmerschiefer? Also was macht das Gneis aus (sichtbar).

Vielen Dank für eure Hilfe!

Offline Alcest

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Hallo,

wo steht die Bezeichnung "Gneissglimmerschiefer"?
Meines Wissens nach zeichnet den Gneiss der erhebliche Anteil an Feldspat aus, den Glimmerschiefer die Abwesenheit dieses.

Schwarze Minerale in Glimmerschiefern sind meist Biotit, Amphibole oder auch Granat. Hier am ehesten Biotit.

Frucht- oder Garbenschiefer würde ich ausschließen wollen.


Ich hätte es einfach als Glimmerschiefer angesprochen.

Vielleicht hat dem ja jemand Etwas hinzuzufügen oder zu entfernen.

Offline Jochen1Knochen

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  • In meinem Brunnen ist ein Quarzgang
Hallo!
Hihi :D
Wollte ich doch grade auch so was ähnliches schreiben ;)
Gruß Jens

Offline Alcest

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Hier hätten wir einmal einen (Augen-)Gneis (mit einem s, blödes Englisch!) vom Vogeltoffelfelsen (bei Zöblitz/Erzgebirge).

Sicherlich sind die Feldspäte nicht immer so fett, aber ein paar sollten schon erkennbar sein.


Offline smoeller

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Hallo,

Das Gestein ist ein Phyllit (von griech. phyllon Blatt und lithos Stein). Das ist eine bestimmte Art von Glimmerschiefer, die unter niedriggradigen Metamorphosebedingungen (Grünschieferfazies) auftritt und durch das Vorliegen feinschuppigen hellen Glimmers, sog. Sericit (eine Varietät des Muskovits) gekennzeichnet ist. Daher auch der silbrige, helle Glanz. Der eigentliche Glimmerschiefer entsteht bei etwas höherer Metamorphose (Amphibolitfazies), woraus sich dann allmählich durch Wachstum von Feldspat der Gneis entwickelt. Gneise sind durch das Vorliegen nicht durchgehender Lagen gekennzeichnet, während Schiefer durchgehende Lagen aufweisen. Nur als Faustregel. 

Gneisglimmerschiefer ist mir als Begriff im Erzgebirge immer mal wieder zu Ohren gekommen.
Dabei sind es gerade im oberen Erzgebirge (Annaberg, Marienberg) Gneise, während weiter nördlich (Ehrenfriedersdorf) auch Glimmerschiefer vorkommen. Gneisglimmerschiefer als wissenschaftlichen Begriff gibt es nicht. Vielmehr werden es recht schiefrige (das heisst mit starker plattiger Einregelung der Glimmer), glimmerreiche Gneise sein. 

Phyllite sind im Erz- und Granulitgebirge verbreitete Gesteine. Bekannte Vorkommen befinden sich v.a. in der Umgebung von Chemnitz bis rauf nach Venusberg, wo der Phyllit in einem Steinbruch gewonnen wird.

Glück Auf!
Smoeller

Joschi

  • Gast
Also ich persönlich würde es als Glimmerschiefer ansprechen, einfach weil es auch die geologische Karte so sagt. Phyllite sind eigentlich eher im äußeren Schiefermantel zu finden, und die Eulenkluft gehört zum inneren Mantel. Aber klar ich richte mich nur nach der Literatur und Karten.

Das mit dem Gneisglimmerschiefer steht z.B. bei Pietzsch (Geologie von Sachsen 1963). Und einer vor Ort hat mir gesagt, dass die Eulenkluft aus Gneisglimmerschiefer besteht. Aber ich kann das ja nicht einfach übernehmen sondern es muss schon stimmen ;). Aber wenn ihr sagt eher nicht dann glaub ich das schon.

Kann mir einer von euch noch sagen, wie man Feldspat im Gestein erkennt? Der is ja eher hell oder?

Offline Alcest

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Feldspat an frischen Bruchflächen reicht von schneeweiß bis zu kräftigem rosa. In meinem Stück sind die Feldspäte diese ellipsenförmig verformten Kristalle. Also eher hell, ja.

Angewitterte Feldspäte sehen sehr "gammlig" aus und färben sich gern dunkel.

Feldspat ritzt Quarz nicht und ist im Gestein opak (nicht durchsichtig).

Anbei zwei Bilder vom Felsen aus dem mein Handstück stammt. Hier sieht man die angewitterten Feldspäte durch ihre augenförmige Verformung wunderbar.

Offline raritätenjäger

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Hallo,

da in dem Zeug aber mitunter braune Staurolithkristalle stecken, könnte man es schon als "Fruchtschiefer" bezeichnen. Hier mal ein Bild von so einem Stück von Waldenburg, ist ja nicht weit weg.

Gruß
Andreas

Offline smoeller

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  • Diplom-Mineraloge
Hallo,

Fruchtschiefer: nein. Fruchtschiefer ist ein kontaktmetamorphes Gestein, bei dem Tonschiefer direkt a Kontakt zu Graniten überprägt wurde, z.B. in Schneeberg am Gleesberggranit oder in Theuma im Vogtland.

Hier handelt es sich um regionalmetamorphe Gesteine.

Glimmerschiefer ist auch nicht falsch, Phyllit ist halt die genauere Bezeichnung. Die duklen Körner darin sind oft Chloritoid, Staurolith ist auch möglich, allerdings typischerweise eher in höher metamorphen Glimmerschiefern. Im Erzgebirge (Ehrenfriedersdorf und in der Umgebung von Markersbach bis runter nach Hammerunterwiesenthal zudem roter Granat.

Glück Auf!
Smoeller

marco aus grimme

  • Gast
Fruchtschiefer ist m.E. eine Sammelbezeichnung unter die Knötchen- und auch Garbenschiefer fallen
kuck mal hier, da ist der richtige Wechselburger Garbenschiefer abgebildet:
http://books.google.de/books?id=p8sF4aGmBjUC&pg=PA60&lpg=PA60&dq=wechselburg+fruchtschiefer&source=bl&ots=hwPsg4I5Ey&sig=wvNQiVjbETGY5aDmuZAtpeXV42I&hl=de&sa=X&ei=sRWaUObTFobj4QS-_YHABQ&ved=0CCcQ6AEwAQ#v=onepage&q&f=false