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Wachstumsphänomene an Kristallen
Josef 84,55:
Hallo Daniel,
der Unterschied ist, dass bei der Homoepitaxie eine zweite Generation aufgewachsen ist, aber nicht ganzflächig, sondern nur vereinzelt. Eine Schicht auf der ersten Generation hat ein kontinuierliches weiterwachsen verhindert und die zweite Generation musste, ähnlich wie bei der typischen Epitaxie, in dieser Schicht neue Keime bilden (heterogene Keimbildung).
Ansonsten sind beide Aggregate durch Strukturstörungen verzerrt (Wisker). Bei Kupfer, Silber, Gold usw. sind meistens Zwillingsgrenzen nach dem Spinelgesetz im Spiel, welche die verzerrenden Strukturstörungen erzeugen können.
Grüße Josef
smoeller:
Hallo,
Entscheidend bei der Epitaxie ist der gleiche oder ähnliche Gitterparameter. Das müsste man jetzt bei Topas und Bixyit mal nachschlagen. Das hatte ich mal bei den Mineralen Famatinit (Stiioluzonit) und Chalkopyrit gemacht, da passte es ziemlich genau, in der Tat treten an der Grube Clara orientierte Aufwachsungen von Famatinit auf Chalkopyrit-Kristallen auf. Besetzt sind meist nur die Flächen und Kanten, an denen die Beste Übereinstimmung besteht (wegen der günstigen Energie werden zuerst diese Bereiche besetzt).
Es spielt bei einer Homoepitaxie natürlich immer die Umgeung des Kristalls (Druck, Temperatur, Lösungsgenossen) eine Rolle, aber auch das Vorhandensein von Keimen zw. die nötige Keimbildungsarbeit. Nur unter bestimmten Bedingungen ist eine Keimbildung in der Weise möglich, dass sich neue Kristalle an den "richtigen" Stellen anlagern. Noch günstiger sind natürlich Wachstumsfehler zw. Baufehler des Wirtskristalls, an denen die neu gebildeten Keime energetisch günstige Stellen finden.
Zum Bariopharmakosiderit: Man vergisst leicht, dass das Mineral tetragonal kristallisiert, im Gegensatz zum kubischen Pharmakosiderit. Es handelt sich bei den Kristallen also in Wahrheit stets um tetragonale Prismen mit Basispinakoid, nicht um Würfel. Von daher überrascht es eher, dass es nicht viel mehr solcher langgestreckten Formen gibt. Letztlich wohl die Folge davon, dass der c-Gitterparameter nur wenig von a und b abweicht (pseudokubisch).
Glück Auf!
Smoeller
Josef 84,55:
Hallo Smoeller,
danke für den Hinweis, das Bariopharmakosiederit tetragonal ist, das wusste ich nicht.
die Gitterabstände passen zumindest in Richtung der c-Achse des Topaskristalles nicht zusammen:
[110] Bixbyit (diagonal auf der Würfelflähche) 13,31 Angstrom
[001] Topas (c-Achse) 8,39 Angstrom
Laut KLEBER gibt es Epitaxien mit bis zu 15% Abweichung. Ob es in andere Richtungen (Topas-Bixbyit) besser zusammen passt habe ich nicht überprüft, außerdem ist, so wie es aussieht, eine Störung am Topas, bei der die Gitterabstände zumindes punktuell abweichen könnten.
Ich glaube nicht, dass sich die Gesetzmäßigkeiten an diesen Stücken endgültig klären lassen, dennoch sind es eine interessante Bildungen.
Grüße Josef
PS. das Bild mit dem schönen gelben Topas ist von Manfred Früchtl, das mit dem Rotstich ist von mir. Ich muß dringend meinen Monitor kalibrieren. ::)
Manfred Früchtl:
Hallo
ich lese mit Staunen was es alles zu diesem Thema zu sagen gibt. Ich finde es hochinteressant, wenngleich ich vieles nur erahnen kann.
Umsomehr freut es mich, dass auch eine Stufe von mir im Thema Verwendung findet. Das Bild habe ich mit einer Digicam von dnt gemacht, manche Mineralien lassen sich gut andere weniger gut abbilden. Das Bild, Bixbyit auf Topas, ist eines meiner besten Bilder die ich damit machen konnte.
Gruß an alle
Manfred Früchtl
berthold:
Hallo Josef,
der reine Vergleich der Gitterparameter sagt nicht viel über mögliche Epitaxie aus. Es gilt aus dem makroskopischen Bild heraus festzustellen welche Achsen von Mineral A in welchem Winkel zu den Achsen von Mineral B stehen. Erst dann macht ein Vergleich der entsprechenden Gitterparameter (und ja, 30% Abweichung gehen noch) wirklich Sinn, sagt aber auch noch wenig über mögliche/unmögliche Epitaxie aus. Nächster Schritt ist dann der Vergleich (der Besetzung) der Netzebenen der Kontaktfächen, die müssen ja halbwegs zueinander passen.
Gruß
Berthold
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