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Autor Thema: Ceratit gebrochen  (Gelesen 7476 mal)

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Offline kracher

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Ceratit gebrochen
« am: 10 Jan 05, 09:28 »
hallo Forum
mir ist gestern beim formatieren ein Ceratit in 2 Stücke gebrochen... mittendurch.
Meine Frage nun: Erst kleben und dann präparieren oder erst präparieren und dann zusammenkleben?

Und vor allem... mit was kleben? welchen Kleber benutzt ihr?

schönen Dank
Rainer
« Letzte Änderung: 11 Jan 05, 12:42 von kracher »

Offline ceratit

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #1 am: 10 Jan 05, 10:01 »
Hallo Rainer!

Prinzipiell (ohne das Stück gesehen zu haben) würde ich sagen erst kleben, dann präparien.
Dazu nehme ich in Akemi Marmorkitt. Einfach mal googeln, die Preisunterschiede sind enorm.

Gruss

Oliver

Offline Profipräp

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #2 am: 11 Jan 05, 12:38 »
Hallo Rainer,
immer erst kleben, dann präparieren, sonst verlierst du eistens kleine Bröckchen. vor dem Kleben Probepassung machen: wenn ein Spalt sichtbar ist, Klebeflächen säubern und eventuell angebrochene verkantete Teilchen entfernen, bis die Passung perfekt ist. Kleben mit Epoxidharz ist besser als Polyesterharz (schrumpft sehr). 5-Minuten-epoxi (Baumarkt) geht ganz gut, für beste Stabilität sind aber langsamer härtende Epoxidharze besser. Achtung: Mischungsverhältnis einhalten, mehr härter führt nicht zu schnelleren Härtung, sondern dazu, dass es gar nicht fest wird. Das liegt an den chemischen Unterschieden: Polyesterharze (Akemi Marmorkitt) haben eine katalytische Reaktion: egal wie viel oder wenig Härter (eigentlich ein Katalysator) zugegeben wird, das Zeug härtet aus. Bei Epoxidharz liegt eine additionsvernetzung vor: das bedeutet, dass quasi jedes Harzmolekül ein Härtermolekül braucht. Ist von einer Sorte zuviel/zuwenig da, finden die übrigen Teilchen keinen Partner zum reagieren und bleiben flüssig. Deshalb bei Epoxidharzen: Mischungsverhältnis genau einhalten und gut verrühren, bis keine Schlieren mehr da sind.
Gruß
Profiprep :P

Offline kracher

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #3 am: 11 Jan 05, 14:04 »
hallo profiprep
du machst deinen namen ja aller ehren  :D
scheinst dich ja wirklich perfekt mit klebstoffen auszukennen ::)
...blöd nachgefragt: machst du das womöglich berufsmässig?
jedenfalls lieben dank für deine sehr präzisen hinweise
ich werde sie mir zu herzen nehmen

auch dir oliver, vielen dank für die information  :)

dann werde ich also mal in richtung baumarkt gehen und mir entsprechende  epoxid-kleber besorgen
und erst kleben ... und dann präparieren

dankeschön
rainer

Offline as

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #4 am: 11 Jan 05, 14:10 »
Hallo kracher,

bzgl. der Frage, ob Profipräp das beruflich macht:
Schau einfach mal in die Fußzeile Ihrer Antworten.
Da steht eigentlich alles.

Gruß
as
« Letzte Änderung: 11 Jan 05, 14:41 von as »

Offline kracher

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fußzeile
« Antwort #5 am: 11 Jan 05, 14:18 »
hallo as
danke für den hinweis
super sache so eine fußzeile
die habe ich glatt übersehen ;)

man ist das ein scharfer beruf.... präparator... das wäre ein traum für mich
naja... mal sehn, vielleicht wird ja noch was daraus  ;D

im übrigen gabs gestern abend im TV einen kleinen bericht über präparatoren
das war ein thema bei... ich glaube "unkraut" ... hat das jemand gesehen?

lieben gruß
kracher

Offline Pleuroceras

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #6 am: 11 Jan 05, 21:12 »
Hallo, Kracher!

Zum kleben:

Ich benutze für kleinere Teile handeslüblichen Sekundenkleber ( Cyanacrylat).
Der gelförmige braucht etwas länger um hart zu werden und ist leicht spaltenfüllend.
Bei großen Teilen nimmst du am besten Akemi Marmorkitt ( den transparenten).
Zu bekommen unter anderem bei www.frankenfossil.de.
Man kann das Zeug auch sehr gut zum Ausbessern von schadhaften Stellen benutzen.
Härtet relativ schnell aus und ist mechanisch gut zu bearbeiten.
Wenn man noch etwas original Gesteinsmehl zumischt, sieht's aus, wie original.

Ein Beispiel für einen mit Akemi ausgebesserten Ammoniten, siehst du auf www.steinkern.de, in der Rubrik Präparation,
"Ein riesiger Amaltheus...".

Grüße, Wolfgang


P.S. Freue mich schon auf Juli, wenn wir auf "Tour" gehen  ;)

Offline Nico

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Bochum
« Antwort #7 am: 11 Jan 05, 21:16 »
HI Ihr!

Ist zwar nicht bezüglich des Ceratiten, eher wegen Präparieren allgemein:

Profipräp, ich hab mir überlegt, evtl. nach meinen Abi ebenfalls in Bochum ne Lehre als Präparator zu machen.
Wie ist das dort so und lohnt sich das noch? Ich bin ein wenig hin und hergerissen, einerseits würde ich gerne baldmöglichst Geologie, Paläontologie studieren, andererseits sitze ich jetzt schon jedenen Tag in meiner "Werkstatt" und bin fleissig am Präparieren... mehr oder minder professionell   ;D eher minder...aber es wird  ;D Ist dennoch ein echtes Steckenpferd...
Wie ist das denn so mit den Berufschancen?

Danke schon im vorraus :-), lg, Nico

Offline Nico

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #8 am: 11 Jan 05, 21:20 »
Hi Nochmal!

Hab übrigens ne Platte aus meinen Letzten Sammelurlaub mit Knochenresten mitgebracht. werd ich nochmal reinstellen, vielleicht kannst du mir denn da ein wenig helfen, da ich mich an dem Stück nicht so sehr rantrau :-)
Ammoniten sind eine sache, Knochen schon ne andre :-D
Ein Bild gibts davon schon Online unter der Rubrik Fundorte/Reisebericht auf www.steinkern.de 

Gruß, Nico

ps.: sorry Kracher, dass ich nichts Konkretes zum Ceratiten sagen kann, ich musste das nur los werden :-)


Offline Profipräp

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #9 am: 12 Jan 05, 08:19 »
hallo ihr,
die Berufschancen als Präparator sind nicht gerade prall, vor allem wenn man Fossilien präparieren will, aber etwas besser als Studieren. Wenn man angestellt ist sind die Verdienstchancen auch nicht gerade klasse, aber es geht schon. Meine Hauptarbeit besteht zum Beispiel aus der Herstellung von Dünnschliffen von Sedimentgestein, aber Gott sei Dank bin ich in der Paläontologie und da kommt doch so einiges aus der ganzen Welt auch an fossilien auf meinen Tisch. Die meiste Fossilpräparation findet jedoch an Museen statt und dort sind die Stellen rar gesät. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen. Das kann sich sogar lohnen, wenn man während der Ausbildung oder überhaupt schon Präparationspraktika gemacht hat. Die Schule in Bochum dauert drei Jahre und beinhaltet die Fachhochschulreife, also mit Abi kein Problem (hab ich auch so gemacht). Das gute an der Bochumer Ausbildung ist die Vielseitigkeit, weil so ziemlich alle Aspekte des Berufs gemacht werden, auch wenn es trotzdem viel zu wenig Praxis ist und viel Schulisches Zeugs, aber das geht halt nicht anders. Schau doch mal auf die Seite präparation.de oder under Verband Deutscher Präparatoren.

Noch was zum Kleben: Bei Polyesterharz (Marmorkitt von Akemi) gibt es erhebliche gesundheitliche Bedenken: die Styroldämpfe sind ziemlich gesundheitsschädlich: bei manchen Menschen kommt es schon unter dem MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatzkonzentration) zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Bei täglichem Umgang können Blutbildveränderungen und Bewußtseinsstörungen auftreten. also wenn man das Zeug nimmt, nur bei offenem Fenster oder im Freien benutzen, auf keinen Fall in geschlossenen Räumen ohne Abluft. Ausserdem frißt Polyesterharz Polystyrolbecher durch. Weil ich empfindlich auf das Zeug bin, nehm ich nur noch Epoxidharze, die Dämpfe sind zwar auch nicht gesund, aber nicht ganz so krass. Damit man mit der Zeit nicht allergisch drauf wird (gilt auch für Polyesterharz) entweder Einmalhandschuhe oder Spezielschutzcreme wie z.B. Arretil der Firma Stockhausen (kann man über Apotheke bestellen) benutzen. Zu Cyanacrylat: für dicke Brocken wie Ceratiten, die noch weiterbearbeitet werden müssen, ist Epoxidharz besser. Ich nehm Cyanacrylat meistens für "Notklebungen" im Gelände und um ultrakleine Brösel wieder anzukleben. Cyanacrylate mögen es nämlich nicht, wenn man z.B. mit Wasser und Tensiden drangeht oder chemische Präparation vorhat, da längerer Wassereinfluss zu weißer Verfärbung führt und die Klebestelle dann wieder aufgeht.
Gruß
Profipräp

Offline Profipräp

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #10 am: 12 Jan 05, 08:27 »
Hi Nico,
zwecks Knochenpräparation: mechanisch Vorpräparieren bis knapp über Knochen. Dann entweder bei Kalkigem Gestein chemisch mit 5-10%iger Essigsäure (maximal 38-42 Stunden drinlassen mit Puffer von Calciumphosphat oder zermahlenem Knochenmaterial) anschließend 4x so lang wässern wie das Teil in der säure drin war. dann sieht man alle Feinheiten des Knochens. Am besten das Teil unter Beobachtung haben, weil angewittertes Material darf nicht zu lange drinbleiben. Freigelegte Teile nach dem Trocknen mit Lack abdecken (Polyvinylbutyral = Mowital oder Pioloform), dann weiterätzen. Bei Schiefer geht auch oft Strahlen mit Eisenpulver oder Stahlpulver.
Gruß
Profipräp

Offline Nico

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #11 am: 12 Jan 05, 17:07 »
Hi Profipräp!

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!!!  :)
Ja, das Stück ist schon anpräpariert, hat ein Bekannter von mir auf der Hamburger Messe gemacht. Gesandstrahlt mit Weichstahlpulver, wie du sagst. Problem nur, es kommt zwar alles ganz wunderpar raus und sieht auch ganz Klasse aus, allerdings geht, glaube ich, die feine Kochenstruktur verloren. Das sieht denn so ein wenig "Fettig" aus... ich würd es deshalb ungern mit dem Sandstrahler weiter bearbeiten, davon ab hab ich jetzt auch keine Möglichkeit mehr dazu... :-)

Aber ich denke, ich werde die Säurepräparation mal an einem Probestück aus dem selben Fundort probieren.
Die Knochen sind Schwarz, ich denke es handelt sich dabei um Gagat, liege ich da richtig? Wie reagiert das denn mit Essig- oder Ameisensäure?

Ich denke, ich werde das Stück hier auch nochmal Online stellen, denn kannst du dir das mal im jetzigen Zustand anschauen :-) 

Viele Grüße, Nico  :)

Offline Profipräp

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Re: Ceratit gebrochen
« Antwort #12 am: 13 Jan 05, 07:52 »
Hallo Nico
Fossiler Knochen ist Kalziumphosphat, hat mit Gagat nichts zu tun.  Bleibt Dein Knochen zu lang in der Säure, wird er angegriffen. Deshalb puffern und die Zeiten genau einhalten und freiliegende Teile isolieren.
Gruß
Profipräp

 

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