Nun, ich schließe mich Lausitz an, und beteilige mich ebenfalls mit einem Pflanzenfossil (das Stück hab ich schon kurz im Thema „bescheidene Hölzer“, AW # 65 vorgestellt).
Gefunden Anfang September 2012 im Horner Becken, Niederösterreich. Teil eines verkieselten Baumstamms mit Astabgang aus der oligozänen St.Marein-Freischling-Formation.
Kieselholz ist in der SMFF nicht selten, meist handelt es sich aber um eher unansehnliche Stücke, also um kleinere Bruchstücke ohne irgendwelche Besonderheiten. Größere Stücke (mit Längen um oder über 0,5 m) sind extrem rar, desgleichen Astabgänge oder Astansätze. Und auch bei den „normalen“ Stücken sind solche, die nicht nur eine gut erhaltene Zellstruktur, sondern allgemein eine „schöne“ Holzstruktur aufweisen, also optisch attraktiv sind, die Ausnahme – oft sind die Hölzer stark verquetscht bzw. kompaktiert. Bei diesem Holz treffen nun erstaunlicherweise alle „Ausnahmeerscheinungen“ zusammen – es ist groß (L = 55 cm, max. B = 40 cm), gut erhalten, die Außenseite zeigt eine schöne Schwemmholzstruktur, an der die Stammrundung noch erkennbar ist (inklusive kleiner Astlöcher), während an der Innenseite die Holzfasern bzw. Leitbündel Y-förmig auseinanderlaufen und am oberen Ende einem relativ großen Astabgang von ca. 10 cm Dm Platz machen, der noch dazu genau mittig am oberen Abschluss sitzt. Die Farbkontraste der gut und dicht verkieselten Substanz sind als optimal zu bezeichnen, und zu guter Letzt – sozusagen als „Tüpfelchen auf dem i“ – ist ein Hohlraum im Zentrum des Astansatzes mit Traubenchalzedon ausgekleidet ! (der Hohlraum ist nicht durchgängig, also kein Astloch, sondern zur Außenseite hin verkieselt, also mit dem Zentrum erhalten). Es ist nicht nur mein bester Fund von 2012, sondern es war auch die schwierigste und aufwändigste Bergung des Jahres.
Die Story dazu:
Die Bergung war aufgrund der Größe und des hohen Gewichts problematisch. Das Fossil lag in unwegsamem Gelände, ein gutes Stück von der nächsten, mit einem normalen PKW befahrbaren Straße entfernt, und für meinen Rucksack war es - knapp aber doch - zu groß. Über zwei kleinere Böschungen konnte ich den Stein noch schleppen, dann stand ich keuchend kurz vor einem Kreislaufzusammenbruch und sah ein, dass es so nicht ging. Der Rückweg zum Auto erschien schier endlos. Also rief ich einen in der Nähe wohnenden Bekannten an, der ein geländegängiges Fahrzeug besitzt – damit wäre es möglich gewesen, bis zu der Stelle, zu der ich den Stein geschleppt hatte, zuzufahren. Allerdings war dieser Bekannte gerade in Griechenland auf Urlaub – so gings also auch nicht. Die Bergung musste daher vertagt werden, schweren Herzens versteckte ich meinen Fund hinter einem markanten Baum und begrub ihn vorerst unter Laub und Ästen.
Zuhause bei meiner Freundin (die mich auf meinen Touren trotz mangelndem Interesse dankenswerterweise meist begleitet) ging ich daran, Material für eine improvisierte Schleife zusammenzusuchen. Damit ausgerüstet, fuhren wir am nächsten Tag wieder ins Horner Becken und wanderten zur Fundstelle – und dann gings los.
Zuerst verpackte ich den Fund in eine große „Blubber-Folie“, um Beschädigungen beim Schleifen zu vermeiden. Dann kam der Stein samt Folie auf ein großes Stück eines stabilen Umzugskartons als Unterlage, dessen Ränder ich aufbog, um einerseits einem Verheddern, andererseits eventuellen Beschädigungen vorzubeugen, und verklebte alles mit Gaffaband zu einem „handlichen“ Paket. Dieses wurde nochmals mit einer starken, aber glatten Plastikfolie umwickelt und wiederum verklebt. Schließlich wurde der Block in eine große alte Ikea-Tasche aus starker Gewebeplane gelegt (zum Glück eine alte – die waren aus einer deutlich stärkeren Plane gefertigt als die mittlerweile produzierten !). Als Zugseil hätte ich zuerst an ein Abschleppseil gedacht – allerdings war zu bedenken, dass so ein Seil aufgrund des doch großen Durchmessers bei einer Umwicklung des Pakets holpern und bremsen würde bzw. aufgrund der Steifigkeit vielleicht nicht fest genug am Stein zu befestigen gewesen wäre. Daher hatte ich mir vorsorglich ein Seil aus zusammengedrehten Kunststoff-Kartoffelsäcken zusammengeknotet – und das hat sich bestens bewährt. Denn ich hatte geplant, das Seil an den Trageschlaufen der Planen-Tasche zu befestigen und es mir in Art eines Brustgeschirres umzulegen, so dass ich den Stein alleine bergauf schleifen konnte, und meine Freundin hätte die ganze Prozedur fotografieren sollen. Die Gewebeplane hielt auch durch – nicht allerdings die Trageschlaufen, die sich als der Schwachpunkt der ganzen Konstruktion erwiesen und beim ersten kräftigeren Anziehen ein- bzw. ausrissen. Ich musste also das improvisierte Seil um das gesamte Paket wickeln, wobei es ein großer Vorteil war, dass sich die Plastikfasern unter Zug bzw. Belastung flach zusammendrückten und so der Reibungswiderstand relativ gering war. Durch das Umwickeln war allerdings nun das Seil zu kurz, als dass ich mir es noch um die Brust legen hätte können. Daher mussten wir – was nicht geplant war – jetzt zu zweit, jeder an einer Seite der Schleife, händisch ziehen, was einerseits deutlich anstrengender war, und andererseits eine fotografische Dokumentation dieser doch etwas „seltsamen“ Bergung verhinderte. Zum Glück gab es an diesem Tag leichten Nieselregen, so dass die Schleife auf dem feuchten Untergrund besser rutschte. Nichtsdestotrotz dauerte es sehr lange, bis wir den Stein beim Auto hatten – und wir waren beide so erschöpft, dass ich entgegen meines Vorhabens keine weitere Sammeltour mehr anschloss, sondern wir mit der „Beute“ direkt nach Hause fuhren. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an meine Freundin Rosi für ihre Hilfe ! (Den Stein dann ohne Aufzug durchs Stiegenhaus in den ersten Stock zu bringen, war auch noch eine Herausforderung).