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Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation

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oliverOliver:
Äste – Teil 2

Wie gesagt, sehr kleine, seichte, unscheinbare „Astlöcher“, also Ansätze von herausgewitterten Zweigen, findet man hier öfters mal. Stücke mit vollständig erhaltenem „Loch“, bei denen der ehemalige Ast diesen Namen auch verdient, sind hingegen sehr selten – wohl auch, weil der durch den Hohlraum geschwächte Bereich oft eine natürlich vorgegebene „Sollbruchstelle“ darstellt.
Mein bisher bestes in der SMFF gefundenes Astloch (Umgebung Horn, Fotos unten) befindet sich in einem relativ massiven Stammfragment – ein 12-kg-Bröckerl. Im Vergleich zu dem Museumsstück aus dem ersten Beitrag mit gleich mehreren prächtigen Astlöchern wirkt es aber trotzdem ziemlich armselig.
Wie schön ein Loch doch sein kann, wenn`s nur das richtige Drumherum hat …
(das war jetzt übrigens keinesfalls zweideutig gemeint  :) !)

Sargentodoxa:
Hallo Oliver
Erstmal ein großes Lob für deine großartigen Beiträge zur Paläobotanik Österreichs. Speziell die Holzfunde gewissen Schichten zuzuordnen find ich sehr interessant, da die meisten Sammler ja nur den Ort als Fundpunkt festhalten.
Wenn du schon so weit gehst, warum versuchst du nicht mit kleinen Querschliffen von einigen ausgewählten Fundstücken zumindest eine Unterscheidung von Koniferenholz, Angiospermenholz bzw. Palmoxylon zu tätigen?
Du hast zwar schon über das Schneiden geschrieben, aber die Möglichkeit dieser ersten Unterscheidung würde ich zumindest in Erwägung ziehen. z.B. nur durch intensives Studium der tausenden von permischen Dadoxylon-Hölzer hier in der Lausitz sind uns auch Nachweise von Angiospermenhölzer gelungen. Gruß Werner

oliverOliver:
Hallo Werner,
erstmal Danke – aber eine möglichst genaue stratigrafische Zuordnung ist ja schließlich die unumgängliche Grundlage für alle weiteren Forschungen, und sollte also selbstverständlich sein.
Wegen der Schnitte für Bestimmungen hast du natürlich völlig recht – habe ich auch mittelfristig geplant. Es dauert halt alles – ich beschäftige mich ja erst seit etwa einem Jahr (wieder) intensiver mit fossilen Hölzern, und hab da noch einiges aufzuholen, da ich zwischenzeitlich länger völlig weg war von der Paläontologie.
Derzeit gerade geht’s mir im Zusammenhang mit den holzführenden känozoischen Sedimenten vor allem um die Paläo-Geografie, allgemein um die geologischen Bedingungen und die Sedimentationsbedingungen im Speziellen, besonders im Hinblick auf sekundäre Umlagerungen. Besonders beim Kieselholz sind letztere ja ein größeres Problem, und eine halbwegs sichere Unterscheidung von primär und sekundär gelagerten Hölzern wäre eine dringende Vorraussetzung für weiterführende wissenschaftliche Aussagen. Eine Bestimmung von sekundär gelagertem Holz wäre meines Erachtens ja reiner Selbstzweck, so lange nicht feststeht, aus welcher Formation ein solches Stück ursprünglich stammt. Das Problem ist besonders akut bei den Weinviertel-Funden aus küstennahen marinen Sedimenten der Parathetys, da es hier in verschiedenen Abschnitten des Miozäns einen relativ raschen Wechsel zwischen terrestrischen bis fluviatilen und marinen bis paralischen Bedingungen gab, aber auch bei den „Urdonau-Schottern“ der Hollabrunn-Mistelbach-Fm im gleichen Gebiet, da auch von diesem Flusssystem massiv ältere Sedimente aufgearbeitet wurden. Aber auch bei den anscheinend weitgehend homogenen, überwiegend aus Quarzen und mehr oder weniger lokalen Komponenten des kristallinen Grundgebirges zusammengesetzten Schottern der SMFF ist diesbezüglich Vorsicht angebracht – so hab ich erst kürzlich in den SMFF-Schottern einen mesozoischen Korallenstock gefunden !
Längerfristig wäre ohnehin ein umfassenderes Bestimmungsprojekt mein Traumziel – vor allem erstmal für die oligozänen Hölzer, weil da ausreichend Material vorhanden ist. Das Problem dabei ist, dass sich hier bei uns von den professionellen Paläontologen kaum jemand mit dem Thema beschäftigt – Otto Cichocki kenne ich zwar flüchtig noch von früher von der Uni, aber er hat in letzter Zeit seinen Schwerpunkt zunehmend auf Hölzer und Holzkohlen aus archäologischem Kontext verlegt, und ist als „Einzelkämpfer“ in Sachen Holz ohnehin reichlich ausgelastet. Ich muss mich erst einmal umhören, ob es eventuell unter den studentischen Nachwuchskräften jemanden gibt, der/die sich intensiver mit dieser Problematik befasst, und eventuell an einer Zusammenarbeit interessiert wäre.

oliverOliver:
Äste aus der SMFF – Teil 3

Zum vorläufigen Abschluss des Äste-Themas (hallo Kollegen – eine Beteiligung eurerseits würde mich freuen !  ;)) hier noch ein schönes Stück, wo ein im „Längschnitt“ sichtbarer Ast (auf Foto 1+2 oben, horizontal orientiert) quer durchs Stammholz (am Foto schräg-vertikal orientiert) schießt.
(1x nass, 1 x trocken abgelichtet, und aus leicht unterschiedlichem Blickwinkel)
Das Stück ist (in etwa) in der Mittelachse des Astes gebrochen, daher handelt es sich nur um einen halben Astquerschnitt – allerdings wieder mit netter Chalzedonbildung im Kernbereich (sh. Foto 3).
Ich bin noch am Zweifeln, ob ich das anschleifen/polieren soll – da die natürliche (?, jedenfalls nicht ganz frische) Bruchfläche klarerweise nicht völlig eben ist, würde wegen des durchs An-/Abschleifen entstehenden Substanzverlustes die Schnittebene dann wohl schon deutlich außerhalb des Kerns liegen – davor scheue ich etwas zurück.

oliverOliver:
Hallo,
ich hab oben geschrieben, dass erst mal Schluss mit Ästen ist – aus gegebenem Anlass aber doch noch zwei kleine Nachträge:
Der erste zu AW#4 – Fotos 1 + 2, konkret zur „Spindelform“:
Anbei zwei Fotos eines rezenten Astansatzes mit der durch natürliche Verwitterung entstandenen Spindelform, vergangenes Wochenende im Wald fotografiert, als Vergleichsbeispiel (die ersten beiden Fotos, Vorder- und Rückseite).
Und dann noch zwei Fotos eines kleinen fossilen Astabganges, gefunden am vorletzten Wochenende im Horner Becken, gleich an einem der ersten schneefreien Tage.
Der ist zwar nichts Besonderes und leider auch allgemein schlecht erhalten, direkt hinter dem Astansatz ist eine Hohl- bzw. Fehlstelle (kein Astloch, entweder erosionsbedingter Ausbruch oder bereits vor dem Verkieseln vermodert), an ein Anschleifen ist also nicht einmal zu denken. Es ist aber mein erster SMFF-Ast von 2013, daher meine besondere Freude darüber, wollte ich euch nicht vorenthalten ! (die beiden letzten Fotos)

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