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“Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
Collector:
--- Zitat von: Tobi am 25 Sep 13, 17:56 ---
Und ebenfalls stimme ich zu, dass das, was selbst heute noch massenweise gefördert wird (Vanadinit aus Mibladen, diverser Kram aus China und Namibia, Apophyllit aus Indien etc.)
--- Ende Zitat ---
Lieber Tobi,
Ich weiß nicht, woher Du Dein Wissen beziehst –aber Deine Aussage ist schlichtweg falsch und polemisch. Von einer „massenweisen“ Förderung in Mibladen kann wohl keine Rede sein - es gibt ab und zu mal nen Superfund (der dann im Prinzip komplett von L. aufgekauft wird, wie 2009), und dann ist wieder 2-5 Jahre totale Funkstille und nur sehr wenig Vanas werden gefördert; von guten bis sehr guten Stufen ganz zu schweigen. Die paar Bergleute, die ihr extrem armes Leben mit der Suche nach Vanas verbringen, dürften wohl kaum unter die Kategorie „Massenschürfer“ gerechnet werden.
Diverser Kram aus China – was meinst Du damit ? Doch bestimmt nicht die zum Teil weltbesten Fluorite, Calcite, Berylle, Orthoklase, Granate etc etc. ? Und massenweise – hast Du mal gesehen, unter welchen Umständen überhaupt Mineralien in China geborgen werden ?
Warst Du mal dabei, wie Schörle und Aquamarine im Erongo-Gebirge und Quarze am Brandberg geschürft werden ? Wie mühsam die Suche ist und wie gering die Ausbeute an guten Stufen ? Da würde Dir die Lust am „massenweisen“ Abbau vergehen.
Und Apophyllit aus Indien ? Um eine einzige gute Apophyllitstufe, (möglichst noch mit ein paar Zeolithen drumherum) in den Basalten der Dekkan-Traps zu bergen, müssen mehrere Arbeiter per Hand, in Gummilatschen und mit oft lächerlich primitivem Werkzeug zentnerschwere Blöcke aus den Wänden der Brüche brechen. Mach Dir doch mal die Mühe und schau Dir mal n paar Bilder von der Suche nach Mineralien in Indien an – da kann von „massenweise“ nun wirklich nicht die Redee sein.
Interessant an all den o.a. Beiträgen ist, dass keiner implizit auf das Kernproblem eingegangen ist, warum es offensichtlich immer weniger Mineralien von einem bestimmten Vorkommen gibt, wo vorher große "Massen” herkamen (um Tobi zu zitieren). . Es ist durchaus richtig, dass von so manchem Vorkommen „offensichtlich“ nichts mehr auf dem „Billig-markt ist, Tatsache ist jedoch, dass man, wenn man über die Mittel verfügt, jedes Mineral nach Wunsch findet.
Der gemeinsame Nenner ist Geld, Geld und nochmal Geld. Hast Du genug davon, bekommst Du auf dem Markt alles, was Dein Sammlerherz begehrt. Bist Du Anfänger oder verdienst (noch) nicht richtig oder hast nen schxxx-Job, spielst Du halt nicht in der Oberliga mit. So einfach sind die Regeln.
Als einer der „Alten“ , der im übrigen für Euch ohne „Altenscheu“ seit langem aktiv im Mineralienatlas ist, kenne ich nicht wenige deutsche Sammler (bzw. Leute), die bis heute und immer noch einen ganzen Stahlschrank voller bester Tsumeb-Dioptase (an die 80-100 Stufen, seit numehr über 30 Jahren), auch Wölsendorfer Fluorite, einen ganzen Keller voll, kistenweise Pyromorphite aus Kransberg im Taunus, beste Gipskristalle aus Wiesloch horten , einen Lagerraum, gefüllt mit besten Dalnegorsk-Galeniten, Fluoriten und Pyrrhotin, Baryte aus Dreislar, ja selbst – auch kistenweise, Azurite aus Altenmittlau und Vivianite aus der Wetterau. Ich spreche von guten Stufen, nicht von Schrott. Alles schön aufgehoben, bis die Preise unerschwinglich sind, als Kapitalanlage, für Aussteuer der Tochter und Studium des Sohnes etc etc. Ich kenne desgleichen Franzosen mit einem Lagerraum voller blauer Fluorit-Topstufen und Pyromorphiten aus Frankreich, Azuriten und Anglesiten aus Touissit in Marokko und einige (nicht nur Franzosen), die seit Jahren exzellente Fluorite aus den Revieren Berbes und Caravia eingelagert haben. Eben in diesen Tagen erhielt ich ein Angebot eines sehr großen Lots feinster honigbrauner Baryte aus Sardinien, welche seit ca. 20-30 Jahren nicht mehr auf dem Markt waren.
Ich könnte mir vorstellen, dass es auch im deutschen Osten ähnliche Keller gibt; irgendwann und irgendwie sind praktisch in allerkürzester Zeit die schönsten Silber- und Arsenstufen und die Rottleberode-Fluorite vom Markt verschwunden, welche man Anfang der 90er Jahre noch zuhauf selbst auf kleinen westdeutschen Börsen fand.
Und, wie richtig erkannt, kommt noch dazu, daß die Sammlergemeinde – meine Meinung – richtig dick angewachsen ist. Und hier klafft natürlich die Schere zwischen Anfänger, jung, neu, plus erschöpfte Vorkommen gegenüber „Alten“, die in ihren besten Sammlerjahren (im Westen) das Glück hatten, dass viele der heute zu den Träumen gehörenden Vorkommen reichlich Mineralien geliefert haben und man dereinst dafür anständige Preise zahlen konnte.
Dem Ganzen setzt die Krone auf, dass es zu Zeiten der „Alten“ nicht nur reichhaltige Angebote gab, andererseits die Anzahl der Börsen und Gewerbescheininhaber klein und überschaubar war. In einer Zeit wie heute, wo jeder, der die Dollarzeichen im Auge hat und meint, mit Mineralienhandel (egal ob Börse oder Internet oder ebay) den dicken Reibach zu machen, ist es nicht verwunderlich, dass es keine Traumstufen mehr für 25.- DM gibt . Dessenungeachtet gibts im Bereich der „high-ends“ und leicht darunter jede Menge Käufer (und Quasi-Sammler), die bereit sind, jeden geforderten Preis für ein Superstück zu zahlen.
Und auf die lauern und warten die oben beschriebenen mit ihren eingemachten Stufen im Keller.
Besten Gruß
Ein „Alter“, der die Szene kennt.
collector
Alcest:
Okay, Kernprobleme.
1. Der gemeine Sammler will Alles billig, billig und billiger haben und es dann nicht günstig wiederhergeben, wenn er denn mal ein ähnliches Stück für 4000$ gesehen hat.
2. Stufen, die einmal gekauft worden sind, sind vom Markt erst einmal weg - ohne Garantie darauf, jemals wieder verkauft zu werden; unabhängig vom Preis. Wenn ein Sammler eine gute Stufe kauft und sein Sammelgebiet nicht unbedingt ändert - wieso sollte er verkaufen? So enden sicherlich einige Stufen. Zudem muss nur einmal eine Erbschaft anfallen und das Stück wird ohne Fundortzettel in der Verwandtschaft landen und so zwangsläufig aus dem Pot der verfügbaren Exemplare fliegen.
Auf lange Sicht wird der Bestand immer weiter reduziert - da gibt halt keiner sein Material für Spaßpreise ab. Ja und dann kommen noch die Kellersammler hinzu. Deren Material wird dann irgendwann zu Fantasiepreisen als Ex-Max Mustermann collection angeboten. Und genau an dieser Stelle jammern wieder 8 von 10 Interessenten, wie doof doch das Angebot für Mineral xy ist.
Was ich noch erwähnen wollte: stellt ein Sammler seine Sammlung um, ist der erste Gedanke wohl nur bei wenigen das Geld. Vielmehr werden bekannte/befreundete Sammler kontaktiert, weil - zumindest ist es bei mir und einigen anderen so - gute Stufen in bekannte Hände gegeben werden wollen.
Harzsammler:
da ich weder Mineralien kaufe noch verkaufe und ich auch nicht auf Börsen unterwegs bin, hier aber oft Rottleberode als Beispiel gebracht wird, was wäre denn der Preis für diese beiden Einzelkristalle? (Weil es mich einfach mal interessiert.)
der grüne 7x7cm, 4cm hoch,
der Große mit Chalkopyrit bestäubt, zum Größenvergleich auf Mauspad, beide unbeschädigt aber mit Anwachsflächen.
Michael
woelsendorfer:
Hallo Peter (Collector)
--- Zitat ---Und auf die lauern und warten die oben beschriebenen mit ihren eingemachten Stufen im Keller.
--- Ende Zitat ---
Sehr gut und sehr direkt geschrieben. Klasse :), weil es so ist. Da kann ich hinzufügen, dass das Material was in den Kellern liegt dann bei Verkauf an den sammelnden Privatmann geht. Die Händler bluten, was klassische Fundstellen angeht, im Laufe der Zeit aus. Die Zeiten sind vorbei wo Händler meinen für eine 400 Euro Stufe bei Aufkauf umgerechnet vielleicht nur 50 € zahlen zu müssen, weil sie ja die Arbeit damit haben um es weiter zu veräußern.
Klaus (kks)
--- Zitat ---weil die sich die "Wissenden" natürlich nach außen abschotten
--- Ende Zitat ---
Das ist nicht ganz so. Viele ältere Sammler helfen sogar sehr gerne weiter und die Preise stimmen dann auch, bedeutet das sie nicht überteuert sind. Ich kenne abgebende "Alt"Sammler die sogar oft den älteren Sammler nichts geben, aber den jüngeren mit Material und Preis entgegenkommen und zwar so das er zufrienden ist. Warum ist das so, weil viele ältere Sammler noch Preise im Kopf haben die heute in den Bereich der Fabeln gehören. Als der Euro eingeführt wurde sind viele Stufen um das doppekte teurer geworden und wenn ich dann hergehe und der Meinung bin das z.B. Fluorit kein Gold ist, weil mir der Preis zu hoch ist und äusser das vor dem Verkäufer gibt der an dem älteren nichts mehr ab.
Gruss Micha
Dierdorf:
"Interessant an all den o.a. Beiträgen ist, dass keiner implizit auf das Kernproblem eingegangen ist,"
@Collector:
Deswegen schrieb ich ja auch " es wäre dann OT ein ganzes (globales) Wirtschaftssystem zu hinterfragen" ;)
Außerdem ist die Thematik der "Preisfindungen" hier doch ein "Dauerbrenner" und m.M.n. hinreichend , in verschiedenen Threads, erklärt worden.
Geld regiert die Welt und nicht Intelligenz. (Noch) kann ja jeder selber entscheiden, inwieweit er sein Hobby ausübt.
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