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Uranylvanadat vom Schellkopf - was?

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McSchuerf:
o.k...macht ja nichts.. ;)..danke trotzdem, TK.

TKMineral:
Hallo!

Muß dieses Thema mal neu "aufrollen" , da wir nun mit Herrn Blaß einen Eifelexperten haben, daher die Frage an ihn:

ist dieses damalige unbekannte U-Vanadat nun als Carnotit indentifiziert worden oder stekct doa doch was anderes dahinter???

Danke!

Gruß

TK

Günter Blaß:
Hallo

hier ein Auszug aus der demnächst erscheinenden CD über die Eifelminerale.

Ich hoffe damit zur Klärung beigetragen zu haben.

GA Günter Blaß

Carnotit
Formel: K2[(UO2)2|(V2O8]*3H2O

Kristallsystem: monoklin

Systematik - Code: Hölzel 8.EE.330, Lapis VII/E.11-50

Farbe: kanariengelb, grünlich gelb

Allgemeines zum Mineral:

Carnotit ist ein wichtiges Uranmineral welches besonders auf Vanadin verarbeitet wurde. Im Coloradoplateau-Typ ist es sehr verbreitet, z. B. Colorado, Wyoming Pennsylvania, Marokko, Shaba, S-Australien usw.

Beschreibung des Minerals von Eifelfundorten:

Minerale, in denen die Actiniden-Elemente Thorium oder Uran eine essentielle Rolle spielen, kommen in der Vulkaneifel nur sehr sporadisch vor. Bisher beschrieben sind die Thoriumminerale Thorit, Thorianit, Huttonit, Steacyit sowie die Uran-haltigen Minerale Betafit, Uranpyrochlor und ein „Carnotit-ähnliches Mineral“.

Letzteres, ein mit Carnotit verwandtes Kalium-Uranylvanadat wurde vom Schellkopf bei Brenk beschrieben (314). Das Mineral bildet rechteckige, tafelige Kristalle und wurde nur selten gefunden. Bei genauerer Betrachtung sind abgeschrägte Ecken zu erkennen, sodass die Tafeln tatsächlich achteckigen Umriss aufweisen. Sie sind meist büschelig oder rosettenartig verwachsen. Einzelkristalle werden bis zu 0,5 mm groß. Durch Ihre intensiv gelbe Farbe heben sie sich deutlich vom meist farblosen oder weißen Untergrund ab und sind somit gut zu erkennen. Aufgewachsen sind sie entweder direkt auf dem phonolithischen Gestein oder auf Phillipsit, Fluorit oder Calcit. Sehr selten sind auch Kristalle in den Paragenesemineralen eingewachsen. Durchgeführte Untersuchungen belegen die chemische und strukturelle Verwandtschaft zum Carnotit, zeigen aber auch Unterschiede auf. Die Zellkonstanten des "Carnotit-ähnlichen Minerals" vom Schellkopf weisen insbesondere mit dem erheblich größeren Parameter c=7,662 Å, deutliche Differenzen zum Mineral Carnotit mit c=6.91 Å auf. Dies wird auf einen höheren Hydratisierungsgrad zurückgeführt (314). Allerdings ist die Charakterisierung nicht ganz zufriedenstellend, da deutliche Diskrepanzen zwischen berechneten und beobachteten Röntgen-d-Werten vorhanden sind, K- und Wasser-Gehalte nicht quantitativ bestimmt sind und auch jegliche spektroskopische Untersuchungen fehlen.
Leider gibt es keine moderne Untersuchungen zum Carnotit, die zu einer eindeutigeren Identifizierung unseres Materials sehr hilfreich wären.


Am Bellerberg (380) zeigt der Carnotit in seinem äußeren Erscheinungsbild, sowohl Farbe als auch die Ausbildung betreffend, eine große Ähnlichkeit mit dem Mineral vom Schellkopf. Er fand sich bisher nur einmal als gelbe, blättrig-schuppige, kugelig aggregierte Kristallanhäufungen oder als winzigste, dünntafelige, scheinbar rechteckige Kriställchen in einem quarzreichen Xenolith. Das Röntgenpulverdiagramm (digitale Gandolfi- Aufnahme, durchgeführt an der Uni Wien) zeigt gute Übereinstimmung mit den Literaturwerten. Das Mineral vom Bellerberg sollte somit als Carnotit angesehen werden. Zwillinge, Epitaxien und Pseudomorphosen wurden nicht beobachtet

Lit.: 314, 380

314.   PIRET, P., HENTSCHEL, G., DELIENS, M., VAN DER MEERSCHE, E.   (1993):   Ein mit Carnotit verwandtes Kalium-Uranylvanadat vom Schellkopf bei Brenk, Eifel –    Aufschluss 44, 291-294

380.   BLASS, G., GRAF, H.W., KOLITSCH, U., SEBOLD, D.   (2004):   Neue Funde aus der Vulkaneifel: Die Sammelsaison 2003 -    Mineralien-Welt 15/3, 58-69

TKMineral:
Hallo Herr Blaß!

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Wg. der Eifel-CD: Ich wäre da sehr an einem Exemplar interessiert wenn diese veröffentlicht ist.

Gruß

TK

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