Die unteroligozäne Flora der Häring-FormationEine der klassischen Paläobotanik-Fundstellen Österreichs befindet sich in Tirol. Es handelt sich um die schon von
Ettingshausen 1853 beschriebene unteroligozäne Flora von Bad Häring im Unterinntal. Botanische Funde aus der Häring-Fm sind aber nicht nur auf die klassische Fundstelle beschränkt, sondern auch aus der Umgebung bekannt, vor allem von der etwa 10 km entfernten Häring-Fm - Fundstelle am Duxer Köpfl bei Kufstein.
Prachtstücke aus der Häring-Fm befinden sich in unterschiedlichen Museen und Institutionen (GBA, Uni Innsbruck, BSPG München, etc.) und natürlich auch im NHM Wien – so etwa ein besonders bekanntes Exemplar eines Blattes der Fächerpalme Sab
al major (
Kollmann et al. 1981, Abb. p. 49). Nachdem längere Zeit diesbezüglich weitgehend „Funkstille“ herrschte, erschienen in den letzten Jahren einige bedeutende Neubearbeitungen bzw. Publikationen zur geologischen Situation, Paläoökologie und genauen Datierung der Häringer Flora (siehe Literaturliste).
Die folgenden Angaben sind überwiegend aus
Butzmann et al. 2009 entnommen.
Die pflanzenführenden Ablagerungen entstanden in einem inneralpinen Schüttungsbecken der westlichen Paratethys. Die Häring-Formation insgesamt besteht aus grobklastischen Sedimenten (Brekzien, Konglomerate) sowie zwischengeschalteten Sandsteinen und Mergeln eines alluvialen Fächers (und späteren Fächerdeltas), verzahnt mit bituminösen Feinklastika und Bitumenmergel eines Schelfareales. Auch ein Kohleflöz ist ausgeprägt. Sowohl Kohlebildung/-bildner als auch Blätterflora sind allochthon, aber (zumindest die Blätter – aufgrund der hervorragenden Erhaltung) offenbar nur kurz transportiert. Fein verteilte Pflanzenhäcksel und mittel- bis grobkörnige Sande belegen einen fluviatilen Transport aus kleinräumigen Seenflächen und Mooren.
Die Sedimente – und damit die Fossilien – entstammen dem (unteren) Rupelium, Nannoplankton-Zonen NP 21–22. Ihre Entstehung fällt damit in die Zeit des Florenwandels in NP 21–23 (bzw. dokumentieren sie diesen, im konkreten Fall für die paratethysche Florenprovinz). Im besagten Zeitraum belegt eine größere Häufigkeit laubabwerfender Elemente den Wechsel von einer immergrünen Vegetation („Evergreen Broad-Leaved Forest“ oder „Evergreen Oak-Laurel Forest“) zu einer Pflanzengesellschaft aus laurophyllen (lorbeerblättrigen) und laubabwerfenden Sippen (“Mixed Mesophytic Forest“). Anhand der Flora vom Duxer Köpfel wird ein Rahmen von 14–17°C Jahresmitteltemperatur und eine mittlere Jahresniederschlagsmenge von 700–1500 mm angenommen. Diese Entwicklung von warmbetonten zu gemäßigten klimatischen Bedingungen kann weltweit beobachtet werden.
Eine große Anzahl von Ettingshausen-Holotypen der Häringer Flora befindet sich in der Sammlung der GBA in Wien. Diese wurden von
B. Meller 2010 in einer großartigen Arbeit – sie stellt die alten Ettingshausen-Abbildungen (Lithographien) zum Vergleich jeweils neben die Fotos der Originalfunde ! – neu publiziert.
Und, ja, bevor ich’s vergesse: Falls jemand von den Blätter-Sammlern vielleicht Funde aus der Häring-Fm hat, würde ich mich natürlich über Bildbeiträge freuen !
Literatur:
• Butzmann & Gregor 2002: Butzmann, R. & Gregor, H.-J., Die oligozäne Flora von Bad Häring (Tirol). Teil 1 - Pflanzen aus den Bitumenmergeln und deren phytostratigraphisch-paläoökologisch-paläoklimatologische Interpretation (Coll. Inst. Geol. Paläont. Innsbruck). – Documenta Naturae, 140, 1: 1–117, 6 Abb., 12 Tab., 25 Pl., München (2002).
Zusammenfassung:
http://www.palaeo-bavarian-geological-survey.de/d/docs/z1401.htm • Butzmann & Gregor 2009: R. Butzmann & H.-J. Gregor, Palmwedel von Sabal raphifolia (STERNBG.) KNOBLOCH & KVACEK. geomnia, Artikel #51 – 08.07.2009.
http://www.geomnia.de/repos/pdf/51_090708_sabal_raphifolia.pdf • Butzmann et al. 2009: Butzmann, R., Fischer, T.C. & Rieber, E., Makroflora aus dem inneralpinen Fächerdelta der Häring-Formation (Rupelium) vom Duxer Köpfl bei Kufstein / Unterinntal, Österreich. – Zitteliana A 48/49: 129–163, 4 Abb., 4 Tab., 4 Taf., München 2009.
http://epub.ub.uni-muenchen.de/11981/1/zitteliana_2009_48_49_10.pdf • Ettingshausen 1853: C. v. Ettingshausen, Die Tertiär-Floren der österreichischen Monarchie: 2. Die tertiäre Flora von Häring in Tirol. – Abh. k.k. geol. Reichsanst. 2, III. Abt., 1–118, 31 Taf.., Wien 1853.
http://books.google.at/books?id=9L0yAQAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=true • Heyung et al. 2003: Heyung, A., Butzmann, R., Fischer, T.C. & Gregor, H.-J., Die oligozäne Flora von Bad Häring (Tirol). Teil 2 - Illigeropsis ettingshausenii nov. gen. et spec. aus den Zementmergeln – ein neues exotisches Element im europäischen Paläogen. – Documenta naturae, 140, 4: 1–33, 7 Abb., 8 Taf., München (2003).
Zusammenfassung:
http://www.palaeo-bavarian-geological-survey.de/d/docs/z1402.htm • Kollmann et al. 1982: H. A. Kollmann (Red.) u. a., Schätze im Boden – Österreichs Boden im Wandel der Zeit. Wien 1982.
• Meller 2010: B. Meller, Type Specimens in Ettingshausen’s Tertiary Flora from Häring in Tyrol (1853) in the Collections of the Geological Survey of Austria. Jb. Geol. B.-A. 150, 123–230, Wien 2010.
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/JbGeolReichsanst_150_0123-0230.pdf im Lexikon:Duxer Köpfl:
https://www.mineralienatlas.de/?l=54155Bad Häring:
https://www.mineralienatlas.de/?l=30838