Gesteine / Rocks / Rocas > Schweiz / Switzerland
Oberalppass, GR, CH
vanderheide:
Hallo Miteinander,
Diesen Stein habe ich beim Aufstieg zur Rheinquelle gefunden. Zunächst leuchtete das Rot überall. Beim Schleifen wurde klar, dass u.U. der Kern dieses Steines nicht mehr rötlich ist. Ich gehe also davon aus, dass Eisen eingedrungen ist und die rote Farbe erzeugt hat.
Der Stein ist weder typisch Gneis noch Schiefer. In welche Richtung findet man da eine Lösung?
Typisch war: ich konnte den Stein nicht auf Glasglanz bringen. Nur gewisse Streifen wurden poliert, der Rest blieb stumpf (ein Hinweis dafür, dass ich es doch mit Schiefer zu tun habe?).
Herzliche Grüsse
Hans
Brodi69:
Hallo Hans
Das Gebiet des Oberalppasses setzt sich aus verschiedenen Gneisen mit Amphibolit- und Specksteinzügen zusammen. Amphibolit und Speckstein ist bekannt für seinen höheren Eisengehalt, womit sich die "rostige" Oberfläche erklären lässt. Rein Optisch scheint es mir, dass es sich eher um einen Gneis handelt, doch die verschiedenen genannten Gesteine bilden da oben so ziemlich jede Durchmischung. Meine Einschätzung nach hast Du einen Gneis mit einem höheren Anteil von Amphibolmineralien.
Grüessli
Christian
P.S.: Die Geologische Karte Oberalppass ist online aufrufbar. Anleitung: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,29364.0.html
Geomaxx:
Hi Hans,
Christian hat ja schon eine perfekte "Einführung in die Geologie am Oberalppass" gegeben ;)
Dein Stück würde ich von der Mineralzusammensetzung her gesehen als Zweiglimmergneis ansprechen (ich sehe dunklere Glimmer wie Biotit und untergeordnet helle Glimmer - Muskovit), der Anteil an hellen Gemengteilen wie Feldspat und Quarz ist noch ziemlich hoch.
Nach dem Gesteinsgefüge fällt es in den Übergang Zweiglimmergneis zu stärker geschiefertem Gneisphyllit (als Begriff für stark tektonisch durchbewegte Gneise mit schiefriger Lagentextur). Zu den Glimmerschiefern aber würde ich das Teil nicht stecken.
Die am Oberalp anstehenden Gneise sind präkambrischen Alters, haben als Ausgangsgesteine alte Sedimentgesteine und sind somit - was ihre Entstehung angeht - in die Gruppe der "Paragneise" einzustufen.
Viele Mineralien, die in diesen schiefrigen Zweiglimmergneisen vorkommen, enthalten Eisen, wie z.B. der Biotit. Durch die Einflüsse der Verwitterung werden die eisen-führenden Mineralbestandteile mit Bildung von Eisen-Hydroxiden und -oxiden umgewandelt, sie "rosten". Da der Einfluss der Verwitterungslösungen von außen auf die Gesteine einwirkt, ist im Kern noch die unverwitterte Mineralsubstanz vorhanden, deswegen ist Dein Stück im Kern noch grau.
Wow, was man zu einem Stück Gneis alles schreiben kann...
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX
vanderheide:
Besten Dank Christian und Geomaxx. Da hatte ich mal wieder Glück, dass sich gerade zwei Kenner an die Bestimmung heranmachten!
Erstens: der Link zu der geologischen Karte der Schweiz ist super, die Ausführungen zu diesem Thema (in der MA) ist perfekt. Meine Werkzeuge sind völlig veraltet. Vielen Dank.
Zweitens: Spannend! Christian spricht von einem Gneis. Ich fragte mich ob Schiefer im Spiel ist. Geomaxx ergänzt Christians Ausführung und baut meine Beobachtung mit ein und spricht von Gneisphyllit. Jetzt wird mir begreiflich weshalb gewisse Teile nicht auf Hochglanz gebracht werden können. Da sind die Bestandteile offensichtlich so fein, dass sie ständig weggerissen werden.
Drittens: Begreiflich woher das Eisen kommt und die Rotfärbung enstehen lässt .... aber .... Centimeter tief? Nicht einfach so zu denken, als sei ein Kübel mit flüssiger, rostfarbiger Flüssigkeit darüber geleert und haftet nun an der Oberfläche. Nein, offensichtlich ist das Gestein "aufnahmefähig", porös (?), es dringt ein. Ich habe im Tessin solche Beobachtungen am Gneis gemacht: centimetertiefe Verfärbungen, wie wenn ich den Stein mit Shell-Lack impregniert hatte.
Herzlichen Dank und herzliche Grüsse
Hans
Fabian99:
Hallo,
nach einer nassen roten Krepp-Martin-Laterne auf einer Granittreppe weiss ich, dass scheinbar dichte Steine nicht dicht sind. Was hinzu kommt, ist der Zeitraum: 10.000 Jahre ist ein Klacks. Mit anderen Worten: Wenn ein Mammut dahin gepinkelt hat, konnte der Stein seither locker vor sich hin gammeln. Die Farbe siehst du höchstens 30 Jahre in der freien Natur, solange lebte vermutlich schon das Mammut.
LG
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