Mineralien / Minerals / Minerales > Systematik und Klassifikation / Systematics and Classification

Neue Mineralien Okt. - Nov. 2013

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Stefan:
UM1960-02-F:KMg = Parascandolaite ?

UM1960-02-F:KMg; Bull. Acad. Roy. Sci. Outre-Mer 6, 964; Hey (1963) 8.4.1b; No X-ray powder diffraction data but composition is unique; Povarennykh used the name "kamaflagite" for this compound; formula: KMgF3

Parascandolaite soll zur Perovskit-Gruppe gehören. Diese Gruppe hat aber ausnahmslos Sauerstoff in der Formel. Ist das so richtig?

openpit:
Hallo Stefan,

ohne es zu wissen vermute ich, dass sich die Aussage auf die Struktur bezieht. Die Raumgruppe Pm3m spricht jedenfalls dafür. Leider sind noch keine Veröffentlichungen zu finden

Glück Auf!
Micha

Stefan:
Hallo Micha,

Uwe Kolitsch hat auf meine Frage geantwortet, dass es zahlreiche synthetische Mitglieder der Perovskit-Gruppe ohne O gibt.

Was mich etwas verwundert, da die Perovskit-Gruppe unter der Definition (Nickel, Strunz 8) steht und in der ganzen Gruppe 4 kein natürliches Mitglied ohne O zu finden ist.

4 Oxide, Hydroxide (Oxide, Hydroxide, V~[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate)
4.C Metall: Sauerstoff = 2: 3,3: 5, und vergleichbare
4.CC Mit großen und mittelgroßen Kationen
4.CC.30 MO6 octahedra share corners to create a 3-dimensional framework with cavities that accommodate the M[12] cations.

Es wäre interessant eine neue Definition der Gruppe zu sehen.


--- Zitat ---UM1960-02-F:KMg = Parascandolaite =  Kamaflagit
--- Ende Zitat ---

Zugleich hat Uwe gesagt, dass sie identisch sein könnten es sei denn es handelt sich um dimorphe Verbindungen.

http://www.mindat.org/forum.php?read,14,311898,311898

Besten Gruß
Stefan

smoeller:
Hallo,

Es gibt einen Unterschied zwischen Mineralgruppe in unserem Sinne (mit einem bestimmten Anionenkomplex) und Strukturtypen. Strukturtypen haben einen bestimmten, gleichen Aufbau mit gleicher Verknüpfung der Atome, gleicher Packung und gleicher Symmetrie. Dabei lassen sich neben Kationen auch Anionen austauschen. So kann O2- gegen S2-, Si gegen Ge ausgetauscht werden. Es gibt auch Austausch gegen andere Wertigkeiten, z.B. Si gegen P oder As in SiO4-Tetraedern, nur muss dann ein gekoppelter Ersatz stattfinden, z.B. Ca2+ durch Na+. In gewissen Grenzen (durch Atom- bzw. Ionenradius und Ladung) ändert dieser Ersatz nicht die Struktur, nur die Gitterparameter und das Zellvolumen. Neben der Spinell- und der Granatstruktur ist die Perovskitstruktur dafür bekannt, dass sie besonders resistent gegenüber dem Austausch von Kationen und Anionen und besonders stabil ist. Diese drei Strukturtypen spielen in Geowissenschaften und Technik daher auch eine besondere Rolle. Nicht nur basieren viele technische Produkte (Laser, Keramik, Magnete, Supraleiter etc.) im wesentlichen auf Material mit diesen Strukturen, auch sind es gerade Minerale mit diesen Strukturen, die die weiteste Verbreitung in der Erde besitzen, sieht man mal vom Quarz und Feldspat der Kruste ab. Selbst Olivin kristallisiert bei steigender Tiefe in Spinellstruktur.

Es gibt auch Mineralbeispiele: So kristallisiert MgF2 (Sellait) in der Rutil-Struktur (TiO2), oder Galenit (PbS) in der Halit(NaCl)-Struktur, ohne dass aber dann Galenit und Sellait in der Mineralsystematik in derselben Reihe wie Rutil bzw. Halit stehen!! Sie teilen lediglich eine gleiche Anordnung der Bausteine.

Glück Auf!
Sebastian

Stefan:
Hallo Sebastian,

das ist das, was Micha mir auch zu verstehen geben wollte, denke ich.

Das heißt, hier handelt es sich "nur" um Strukturgruppen. Das Mineral würde sich nach Definition von Strunz u. Nickel nicht in dieser Gruppe befinden, bzw. die Definition müsste auf strukturell ähnliche Verbindungen erweitert werden.

Mir geht es nur um die Zuordnung der Mineralien in das Korsett der Systematik. Eine Zuordnung zu 4.CC.30 wäre ergo bisher falsch, eine Zuordnung zur IMA Gruppe Perovskit aber richtig.

Dies löst für mich die Frage aus, wo und wie bei der IMA die Gruppe definiert ist.

Besten Gruß
Stefan

Nachtrag: Neighborit hat nach meinem Laien-Wissen eine ähnliche Struktur und ist eine eigene Gruppe. Müsste der dann nicht auch in die Perovskit Gruppe verschoben werden? Oder würde Parascandolaite nicht besser in die Gruppe passen?

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