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Platonischer Pyrit

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Embarak:
Hallo,

Das photo of the day bei mindat zeigt einen Pyrit in ungewöhnlicher Kristallisation:
http://www.mindat.org/photo-522803.html
aus einer Kombination von Oktaeder und Pentagondodekaeder ergibt sich scheinbar ein Ikosaeder aus gleichseitigen Dreiecken.
Das Ikosaeder gehört zu den 5 möglichen regulären Polyedern, die in der Geometrie als Platonische Körper bezeichnet werden, bei denen u.a. alle Kanten die gleichen Längen haben.
In der Kristallographie kommen reguläres Ikosaeder und reguläres Pentagondodekaeder als Kristallformen nicht vor,
weil es keine lückenlose periodische Flächenfüllung mit fünfzähliger Symmetrie/Drehachse  gibt.

Das hier vorliegende Ikosaeder hat sich also nur zufällig annähernd als scheinbar reguläres Ikosaeder aus der Kombination
von Oktaeder und dem nicht gleichseitigen Pyritoeder/Pentagondodekaeder gebildet.

Habt ihr noch andere Beispiele für scheinbar unmögliche Kristallisation ?

Anbei noch ein Foto vom regulären Ikosaeder und seinem dualen Körper, dem regulären Pentagondodekaeder.
Beides keine natürliche Bildung sondern aus Quarz geschliffen ! (Ganz perfekt sind sie auch nicht. Durchmesser je ca. 15 mm)

Gruß
Norbert



giantcrystal:
Hallo Norbert

Interessantes Thema, zu dem ich zwei Anmerkungen habe :

Zum einen sind solche "Ikosaeder" oder besser Pseudo - Ikosaeder bei Pyrit so selten nicht., ich habe mehrere aus Murgul in der Türkei, unter anderem auch einen Kristall, der "hinten" einen Ikosaeder bildet und vorne einen Oktaeder...

Zum anderen sind mittlerweile tatsächlich Mineralien bekannt aus der Gruppe der Quasikristalle, die echte Ikosaeder - zumindestens im Kristallgitter -  bilden. Das Mineral heißt sogar Ikosaedrit, siehe


http://wwwphy.princeton.edu/~steinh/icosahedriteAmMin.pdf


Glück Auf

Thomas

.

Embarak:
Hallo Thomas,

--- Zitat ---...Zum einen sind solche "Ikosaeder" oder besser Pseudo - Ikosaeder bei Pyrit so selten nicht.

--- Ende Zitat ---

Ich kannte diese Pyrit-Pseudo-Ikosaeder noch nicht. Da klafft eine Lücke in meiner Sammlung !!   8)
Ich war schon happy, diese geschliffenen Quarze als Beispiele erwischt zu haben.

Die Quasikristalle hatte ich mal außen vor gelassen, da sie in der Regel nur in schnell abgekühlten Legierungssystemen nachgewiesen wurden,
die sich auf Grund ihrer thermischen Instabilität nach erneutem Erhitzen in stabile Kristalle umwandeln.
Zum Quasikristall Icosahedrit ein Zitat von Wiki:

--- Zitat ---Einziger bisher bekannter Fundort ist ein Meteorit, der im Korjakengebirge auf der sibirischen Tschuktschen-Halbinsel niederging. Anhand des Fundortes wird vermutet, dass der Meteorit vor rund 15.000 Jahren dort einschlug, da die Überreste in eiszeitlichen Sedimenten gefunden wurden. Das Typmaterial befindet sich im Museo di Storia Naturale der Universität Florenz (Katalog-Nr. 46407/G). Bisher ist nicht bekannt, ob es Icosahedrit rein terrestrischen Ursprungs geben kann.

...Eine Klassifikation nach Strunz bzw.Dana gibt es bisher nicht, da diese Systematiken ausschließlich auf Kristallen, aber nicht auf Quasikristallen aufbauen (Stand 2012).
Die Klassifikation nach Hölzel wurde um Quasikristalle erweitert.
Hier wird der Icosahedrit unter der Nummer 1.AK.100 (Metalle, Intermetallische Verbindungen und Legierungen; Untergruppe Quasikristalle) geführt.
--- Ende Zitat ---

Vielleicht kam es bei dem Meteoriten ebenfalls zu einer raschen Abkühlung der Schmelze/Legierung.

Viele Grüße
Norbert

P.S.: Danke für das paper. Ist gespeichert.




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