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Autor Thema: Bei welchen Mineralien sollte man bei dem Anfassen Handschuhe tragen?  (Gelesen 7225 mal)

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Offline Sonntag

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Hallo an alle Mineralienfreunde,

im Internet habe ich ein Foto eines bekannten Mineraliensammlers gesehen,
dass er beim Anfassen einer Erzstufe Stoffhandschuhe trägt.

Bisher war Händewaschen für mich ausreichend, da ich keine Uranmineralien in
meiner Sammlung habe.
Da mit dem Alter die Gesundheit eine immer größere Rolle spielt, interessiert mich,
ob bei bestimmten Mineralien der Gebrauch von Handschuhen sinnvoll ist.

Wie sind eure Vorsichtsmaßnahmen beim Anfassen von Mineralienstufen?
Für eine Antwort bin ich dankbar.

Grüße aus dem Rheinland
Sonntag

Offline woelsendorfer

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Hallo Bruno,

das Tragen von Handschuhe muss nicht unbedingt ein Schutz vor schädlichen Stoffen sein die aus Mineralien entweichen können / könnten, sondern ich kenne zwei Sammler die Handschuhe tragen um die Mineralien vor chemischen Reaktionen, was weiß ich, Bazillen etc. nicht von den Fingern auf die Mineralien zu übertragen.

Weiterhin ist mir bei Wölsendorfer Fluorite der Grube Cäcilia zugetragen worden, dass sie beim anfassen, zumindest mit dem (warmen) Daumen, sich kleinste, feinste Spannungsrisse im Kristallgitter bilden können.
Diesbezüglich wird in alter Literatur wie folgt berichtet:
"Die zonar, als auch lateral im Grubenbereich wechselnde Färbung ( im Osten die dunklen, im Westen die hellen Varietäten ) ist äusserst empfindlich gegen Licht und Wärme".

Gruß aus Bayern
Micha

Offline smoeller

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Hallo,

Mir wäre jetzt nicht bekannt, dass irgendein Schwermetall in Form eines Minerals leicht über Hautkontakt in den Körper zu übertragen wäre. Problematisch ist natürlich erdig-pulveriges Material wie Auripigment o.ä., wo aber Händewaschen ausreichen sollte.

Das einzige Material, was mir jetzt einfällt, wo Handschuhe dringend anzuraten wäre, ist Pektolith in nadeliger Form und Villiaumit. Letzterer, weil er wasserlöslich ist (NaF) und dann in der Lösung Fluorid-Ionen freisetzt, die giftig sind und auch durch die Haut dringen können (schaut mal unter Flußsäure nach), ersterer, weil feinnadeliger Pektolith sehr schnell mal in die Haut eindringt und dann bei der geringsten Bewegung abbricht, Dann kann man sich auf äußerst unangenehme juckende Schmerzen durch den Fremdkörper einrichten, bis man zur Nadel greift und den Fremdkörper aus der Haut pult.

Desweiteren sind evtl. allergische Reaktionen nicht auszuschließen (man denke an Kontaktallergien gegen Nickel in Schmuck). Leider dürfte die Faktenlage bzgl. Mineralstufen recht dünn sein.

Der wahrscheinlichste Grund dürfte einfach sein, dass der Sammler eine sehr schöne Stufe einfach nicht mit Fingerabdrücken, Schweiß, Staub o.ä. verunreinigen wollte und deshalb Handschuhe trug.

Glück Auf!
Sebastian

Online Rockhounder

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Hallo,

Zitat
Der wahrscheinlichste Grund dürfte einfach sein, dass der Sammler eine sehr schöne Stufe einfach nicht mit Fingerabdrücken, Schweiß, Staub o.ä. verunreinigen wollte und deshalb Handschuhe trug.

oder er wollte sich einfach an scharfen Kanten nicht verletzen. ;)

Gruß Norbert

Offline Uwe Kolitsch

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In dünnnadeligen Natrolith oder Mesolith hineingreifen ist auch nicht zu empfehlen - wer das einmal gemacht hat, wird sich immer an das Gefühl der in den Fingerkuppen steckenden Nadeln erinnern...

Offline Sonntag

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Hallo,
danke für eure Hinweise.
Grüße aus dem Rheinland
Bruno - Sonntag

Offline cmd.powell

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Hi

Die Aegirinkugeln aus Russland (ich meine die kommen von der Kola-Halbinsel) sollte man auch nur mit dicken Lederhandschuhen anfassen. Die Nadel bekommt man auch nur noch schwer aus den Fingern gefrimelt.

Ansonsten hängt es wohl proportional mit der Paranoia des Sammlers ab, ob und wie dicke Handschuhe er trägt. Ich habe selbst bei Uranmineralen oder wasserlöslichen Fluoriten keine Kontaktängste, die Haut schütz doch recht gut und die meisten Handschuhe lassen jegliches Feingefühl abhanden kommen. Ich würde mir da eher Gedanken über eine evtl. Inhalation von Dämpfen oder Stäuben machen, den Dreck bekommt man wahrlich schlecht wieder aus der Lunge gewaschen. Ansonsten würde ich Handschuhe auch eher zum Schutz der Mineralien tragen. Feuchtigkeitsempfindliche Fumarolenminerale sind dafür ein schönes Beispiel.

Don't Panik !

P.S.: Ich hab meine Hände auch schonmal (natürlich versehentlich) in 40% Flusssäure gebadet und sie sind auch noch dran - nicht das ich die Prozedur empfehlen würde, aber da wird auch immer ein Wahnsinnswirbel drum gemacht. Mich würde mal interessieren, wie lange die Person gewartet hat bis sie die Hände gespült hat, von der man als Student die Horrorbilder mit der HF-Verätzung gezeigt bekommt...

Offline Harzsammler

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P.S.: Ich hab meine Hände auch schonmal (natürlich versehentlich) in 40% Flusssäure gebadet und sie sind auch noch dran - nicht das ich die Prozedur empfehlen würde, aber da wird auch immer ein Wahnsinnswirbel drum gemacht. Mich würde mal interessieren, wie lange die Person gewartet hat bis sie die Hände gespült hat, von der man als Student die Horrorbilder mit der HF-Verätzung gezeigt bekommt...

...sicher, dass das HF (40%) war?


Offline Spike

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Prinzipiell sollte man beim Umgang mit Uranmineralien auf Handschuhe zurückgreifen....

Offline Uwe Kolitsch

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"...sicher, dass das HF (40%) war?"
Wäre auch meine Frage ...

Offline cmd.powell

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"...sicher, dass das HF (40%) war?"
Wäre auch meine Frage ...

Öhm, ups. Hatte ich da jetzt besonderes Glück oder bin ich ungewöhnlich resistent ? Auf der Flasche stand jedenfalls 40%, ja. Das war natürlich auch nur kurz, ich wusste ja, das die nicht ganz ohne ist. Das war auch noch zu meinen Schulzeiten, wo ich privat Zuhause Chemie als Hobby hatte und damals konnte man auch noch HF als Privatperson im Fachhandel kaufen. Tja, und da ist mir mal beim Glasätzen ein Schwall über die Hände gelaufen. Hmmm, wenn ich darüber nachdenke: Es kann natürlich sein, das durch das Ätzen die Konzentration schon merklich gesunken war, ich weiß beim besten Willen nicht mehr, ob mir das Unglück am Anfang oder erst später passiert ist. Wie dem auch sei, ich habe natürlich sofort mit viel Wasser gespült und festgestellt - hmm, tut nicht weh und Finger sehen noch ok aus. Von den evtl. Langzeitfolgen wusste ich damals zugegeben noch nichts und bis heute (ca. - oh man, 35 Jahre später) ist aber alles noch dran.
Ich will hier aber lieber nicht beschreiben, was ich mir in der Hobbychemiezeit noch so alles "angetan" habe, da ist die Geschichte mit der HF eher noch harmlos. Und keine Sorge, stolz bin darauf nicht, heute bin ich auch wesentlich vorsichtiger. Allerdings muss ich sagen, das ich immer noch kein Freund von diesen klobigen Schutzhandschuhen bin: Man verliert jedes Feingefühl und - gerade in fremden Laboren - man weiß nie sicher, ob die Teile in Ordnung sind. Während meines Studiums hatte ich Riesenglück, das ich mir nicht die HF über die Handschuhe gekippt hatte. Ich wäre dann nämlich davon ausgegangen "Hab ja Handschuhe an, kann ja nix passieren". Beim Ausziehen habe ich dann gesehen, das der Mittelfinger vom Handschuh auf halber Länge perforiert war ! Ich glaube, in dem Fall und ahnungslos stundenlang den Finger in HF-badend - der wäre hin gewesen. Man Muss also immer erstmal sorgfältig kontrollieren.
Bei Mineralien sind die möglichen Gefahren im Vergleich zu der genannten Chemikalie zum Glück praktisch gleich null, da die wenigsten wasserlöslich und damit überhaupt irgendwie Hautresorptiv sind.

Offline minerik

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Naja bei arsenhaltigen Mineralen sollte man doch aufpassen, vor Allem bei gediegenen Arsen (Scherbenkobalt) sollte man Schutzhandschuhe tragen. Auch bei Quecksilbermineralen sollte man Vorsicht walten lassen.
Gruß Erik

Offline Harzsammler

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"...sicher, dass das HF (40%) war?"
Wäre auch meine Frage ...

Öhm, ups. Hatte ich da jetzt besonderes Glück oder bin ich ungewöhnlich resistent ? Auf der Flasche stand jedenfalls 40%, ja. Das war natürlich auch nur kurz, ich wusste ja, das die nicht ganz ohne ist. Das war auch noch zu meinen Schulzeiten, wo ich privat Zuhause Chemie als Hobby hatte und damals konnte man auch noch HF als Privatperson im Fachhandel kaufen. Tja, und da ist mir mal beim Glasätzen ein Schwall über die Hände gelaufen. Hmmm, wenn ich darüber nachdenke: Es kann natürlich sein, das durch das Ätzen die Konzentration schon merklich gesunken war, ich weiß beim besten Willen nicht mehr, ob mir das Unglück am Anfang oder erst später passiert ist. Wie dem auch sei, ich habe natürlich sofort mit viel Wasser gespült und festgestellt - hmm, tut nicht weh und Finger sehen noch ok aus. Von den evtl. Langzeitfolgen wusste ich damals zugegeben noch nichts und bis heute (ca. - oh man, 35 Jahre später) ist aber alles noch dran.
Ich will hier aber lieber nicht beschreiben, was ich mir in der Hobbychemiezeit noch so alles "angetan" habe, da ist die Geschichte mit der HF eher noch harmlos. Und keine Sorge, stolz bin darauf nicht, heute bin ich auch wesentlich vorsichtiger. Allerdings muss ich sagen, das ich immer noch kein Freund von diesen klobigen Schutzhandschuhen bin: Man verliert jedes Feingefühl und - gerade in fremden Laboren - man weiß nie sicher, ob die Teile in Ordnung sind. Während meines Studiums hatte ich Riesenglück, das ich mir nicht die HF über die Handschuhe gekippt hatte. Ich wäre dann nämlich davon ausgegangen "Hab ja Handschuhe an, kann ja nix passieren". Beim Ausziehen habe ich dann gesehen, das der Mittelfinger vom Handschuh auf halber Länge perforiert war ! Ich glaube, in dem Fall und ahnungslos stundenlang den Finger in HF-badend - der wäre hin gewesen. Man Muss also immer erstmal sorgfältig kontrollieren.
Bei Mineralien sind die möglichen Gefahren im Vergleich zu der genannten Chemikalie zum Glück praktisch gleich null, da die wenigsten wasserlöslich und damit überhaupt irgendwie Hautresorptiv sind.
...dann sag ich mal Glück gehabt.
Beruflich hab ich hin und wieder das "Vergnügen" mit HF hantieren zu müssen. Am Arbeitsplatz ist für solche Notfälle eine tragbare Körperdusche mit Hexafluorine vorgesehen.
Ansonsten das hier http://www.prevor.com/DE/media/Produktdokumentation_Flusssaure.pdf  mal durchlesen.


Grüße,
Michael

Offline cmd.powell

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@Harzsammler

Hmm, mag sein. Aber in dem Sicherheitsblatt wird auch ganz gut beschrieben, wie welche Konzentration von HF wirkt und welche Schäden sie in welcher Zeit hervorruft. So wie ich das gelesen habe, zeigt 70% (!!!) HF nach etwa einer Minute erste Zeichen einer Gewebeschädigung. Im meinem Fall war es maximal 40%ige HF, und die Einwirkzeit lang unter 10 Sekunden, danach hatte ich die Hände unter dem Wasserhahn (auch wenn es meine Frau - ok, damals war es meine Mutter - anders sieht, halte ich es immernoch für sehr praktisch, bei laufendem Wasser mit konz. Säuren/Laugen zu arbeiten - das mache ich seitdem ich mir mal 98%ig H2SO4 über die Finger gekippt habe). Ich denke mal, die schnelle Dekontamination hat mich gerettet.