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Stein aus dem Schluchsee / Paragneisanatexit
she-foxy:
Hallo,
ich bin neu hier im Forum und hoffe ihr könnt mir weiterhelfen. Ich habe einen Stein gefunden und möchte gerne wissen um was für einen Stein es sich handelt.
Hier nun der ausgefüllte Fragenkatalog:
Allgemeine Bestimmungsfragen
Fundort:
Schluchsee im (Süd-)Schwarzwald.
Fundsituation:
Der Schluchsee hat im Moment extrem Niedrigwasser und es liegen weite Bereiche des Seeufers frei, die sonst überspült sind. Beim Spazierengehen habe ich den Stein dort entdeckt.
Der Stein war ein großer Brocken von ca. 50 cm Länge und grob 20 cm im Durchmesser, relativ eckig. Da ich kleine Stücke haben wollte, habe ich den Stein auf andere Steine (Granitsteine) in der Umgebung geworfen und ihn dadurch leicht zertrümmern können. Der Stein erschien von Beginn an rissig und spröde und ließ sich sehr leicht spalten.
Typisch für Fundort:
Der Stein war der einzige seiner Art dort.
Gesteine
1. Die wichtigsten Eigenschaften
a. Ist der Stein homogen oder inhomogen?
Der Stein ist inhomogen. Das "Grundgestein" hat eine graue Grundfarbe und schimmert silbrig/golden. Es lassen sich darin deutlich Farbstreifen (rötlich und gelb) und goldglänzende Einschlüsse (Pyrit?) erkennen. Daneben sind vereinzelt braunrote Flecken (Eisen?) zu sehen, die beim darüber reiben rotbraune Farbe an den Fingern hinterlassen.
b.) Blasen?
Der Stein hat keine Blasen oder grobe Poren.
c.) Wechselwirkung mit Magneten
Minimal magnetisch bei den goldfarbenen Einschlüssen
d.) geschätzte Dichte = Masse/Verdrängung
Der Stein fühlt sich für mich erstaunlich leicht an. Vor allem im Vergleich zu einer etwa gleichgroßen Schieferplatte.
e) Das Erscheinungsbild
Der Stein ist grau und schillert silbrig/golden. Er fühlt sich spröde und "verwittert" an. Die Bruchflächen sind glatt und die Bruchkanten scharf. Teilweise scheint die Struktur des Gesteins "parallel" ausgerichtet zu sein.
f.) Oberfläche anders als Inneres?
Die äußere Oberfläche ist etwas unebener, als die frischen Bruchkanten, der Unterschied ist aber relativ gering.
g.) Sind Kristallite erkennbar?
Goldglänzende Einschlüsse im Gestein. Rotbraune (Eisen-?)Einschlüsse. Rote und gelbliche Streifen.
h.) "Härte"
Der Stein macht einen spröden Eindruck. Das Gestein an sich ist hart.
i.) Größe in etwa
Siehe Metermaß im Foto.
j.) Spaltbarkeit - Schieferig?
Der Stein lässt sich leicht spalten.
2.) Säuretest
In 25%ige Essigsäure getaucht, passiert gar nichts.
Was ich wissen möchte
- Um was für ein Gestein handelt es sich (Feldspat?).
- Sind die goldenen Einschlüsse Pyrit und die rotbraunen Einschlüsse und farbige Streifen Eisen?
- Ich möchte die Steine für ein Aquarium verwenden. Besteht die Gefahr, dass sich evtl. giftige Stoffe aus dem Gestein lösen (Blei, Kupfer, etc.)
- Stellen die rotbraunen (Eisen-)Einschlüsse ein Problem im Aquarium dar? Eisen an sich ist ja nicht giftig.
Vielen Dank für eure Hilfe :).
Grüße
Jane
stoanklopfer:
Sieht ganz nach Glimmerschiefer aus. Die goldgelben Einschlüsse können einfach nur Reflexionen der Glimmer sein, Pyrit kann ichzumindest auf den Fotos nicht erkennen.
Volkmar
Fabian99:
--- Zitat von: she-foxy am 09 Apr 14, 22:12 ---- Um was für ein Gestein handelt es sich (Feldspat?).
- Sind die goldenen Einschlüsse Pyrit und die rotbraunen Einschlüsse und farbige Streifen Eisen?
- Ich möchte die Steine für ein Aquarium verwenden. Besteht die Gefahr, dass sich evtl. giftige Stoffe aus dem Gestein lösen (Blei, Kupfer, etc.)
- Stellen die rotbraunen (Eisen-)Einschlüsse ein Problem im Aquarium dar? Eisen an sich ist ja nicht giftig.
--- Ende Zitat ---
Hallo Jane,
solange du den Pyrit nicht sicher ausschließen kannst sollte der Stein nicht ins Aquarium. Pyrit gammelt gerne und gibt dann Eisen und schwefelhaltige Säuren ab. Eisen ist erst in höheren Konzentrationen giftig (imho mehrere mg/l, genaueres auf http://www.drak.de - Achtung ist auch eine kommerzielle Seite, nein bekomme keine Provision). Aber der grünliche Bereich könnte auf kupferhaltige Gamnmelsachen, sry sekundäre Mineralbildungen, hinweisen. Damit hast du dann ein Problem.
Glimmer spaltet, wenn du mit der Nadel daran drückst, Pyrit nicht. Auf der anderen Seite sieht Granit im Aq bestimmt natürlicher aus und bei den 1-2 Litern des Steins an Volumen kannst du auch 1cm Fisch mehr halten ;-) Ich bevorzuge Pflanzen: http://www.youtube.com/watch?v=wfefwk-06Qk
LG
smoeller:
Hallo,
Das ist ein Paragneisanatexit (schweres Wort, ich weiss). Glimmerschiefer nicht, das Gestein hier hat eine höhere Metamorphose durchlaufen. Besteht aus dunklem Glimmer (Biotit), Quarz, Feldspäten (besonders in den hellen Lagen), dazu evtl. Cordierit oder Sillimanit (kann man auf dem Fotos nicht sehen). Gesteine dieser Art sind im Südschwarzwald nicht selten, bauen z.B. den gesamten Zug vom Feldberg bis zum Schauinsland auf. Auch nördlich des Schluchsees bei dem Ort Feldberg sind größere Gneisvorkommen, reicht rüber bis Lenzkirch.
Das braune ist Limonit (Rost), hat man leider bei den meisten Paragneisen. Evtl. kann man in den Bächen um Oberried oder im sonstigen Schauinslandgebiet einige schöne Kiesel fürs Aquarium finden, die nicht total mit Eisen versetzt sind. Ansonsten ist da ein Stbr. am Stefansbühl bei Bärental, evtl. kann man da ein paar schöne Stücke bekommen.
Es kann schon sein, dass da Pyrit drin ist, muss aber nicht. Der Limonit kann auch aus dem Wasser stammen bzw. aus Bodenwässern (im Schwarzwald ist verbreitet saures Moorwasser, das Eisen gelöst enthält). Fast alle stärker klüftigen oder schiefrigen Paragneise haben Limonitbeläge, ohne notwendigerweise viel Pyrit zu haben. Magnetische Stellen könnten einfach Magnetit sein (Eisenoxid, völllig unproblematisch im Aquarium), der kommt in vielen Gesteinen vor.
Glück Auf!
Sebastian
she-foxy:
Hallo,
wow, vielen lieben Dank für die schnellen und kompetenten Auskünfte :).
Jetzt bin ich schlauer. Vor allem was das Wort Paragneisanatexit angeht (und nein ich habe nicht Copy & Paste verwendet... aber ich musste ein bisschen üben ;D).
@Fabian99: Ich bevorzuge auch viele Pflanzen im AQ. Mit DRAK-Dünger wachsen die auch toll ;). Aber ich will trotzdem auch Hardscape drin haben und glücklicherweise habe ich einen ganzen Sack voll von diesem tollen Gestein. Zusammen mit Wurzeln sieht das sicher genial aus.
Ich hab grade mal mit einer Nadel auf die glänzenden Stellen gedrückt. Die ließen sich dann ganz leicht wegdrücken. Also wohl wirklich nur Glimmer *puh*.
@smoeller: Danke für die detailierte Auskunft. Kannst Du mir noch sagen, ob es eine Möglichkeit gibt herauszufinden, ob Kupfer in dem Stein ist? Denn das sollte wirklich auf keinen Fall ins Wasser kommen. Schwefel, Blei, Arsen und Barium schließ ich nach Deiner Antworten bei dem Stein jetzt einfach mal aus :).
Ich kann auch noch Fotos von anderen Steinen aus dem Sack machen, falls Du noch welche brauchst.
Vielen Dank nochmal für die bisherige Hilfe.
Grüße
Jane
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