Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
Umwandlung Azurit in Malachit
uwe:
In vergangenen Zeiten wurde oft aus Kostengründen als blaues Farbpigment Azurit anstelle des teuren Importproduktes Lapis Lazuli verwendet. Auf alten Votivbildern. in Kirchen stellt sich nun der ursprünglich wohl hellblaue Himmel oft in einem eher schmutziggrünen Ton dar, wobei man hier von einer Umwandlung des Azuritpigmentes zumindest teilweise in Malachit ausgehen kann.
Nun enthält Azurit pro Molekül 1 Atom mehr Kupfer als Malachit, dafür aber weniger OH-Gruppen auf das Kupfer bezogen. Mir ist nicht klar, wie der Umwandlunsprozeß stattfindet.
Verändert (spaltet?) sich der Azurit allein durch die Luftfeuchtigkeit oder spielt der CO2-Gehalt der Luft eine Rolle? Haben unter Umständen auch die Kohlendioxydgruppen des bei dem hellblauen Farbton des Himmels vermutlich beigemischten Kalkes einen Einfluß?
Was sagen die Chemiker dazu?
Gruß
Uwe
heli:
Hallo,
bin zwar kein Chemiker.
Aber Analysen haben gezeigt, dass die landläufige Vorstellung, dass die Umwandlung von blauer Farbe in grüne in Bildern grundsätzlich auf einer Umwandlung von Azurit auf Malachit beruht überholt ist.
Bei Analysen wurde der nunmehr grünliche Bestandteil oftmals als Atacamit oder Kupferchlorid bestimmt. Aber auch andere Minerale kommen vor. Auch die Veränderung der grünen in diverse grünliche oder bläuliche Töne kann vielfältige Ursachen haben bzw. das erhaltene Produkt kann aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Verbindungen bestehen.
Ursache sind unterschiedliche Ausgangsmineralien(gemische), Temperaturverhältnisse, Feuchtigkeit in Luft und am Untergrund, der Untergrund selbst bzw. dessen Behandlung, Kohlendioxid usw.
uwe:
Hallo Heli,
danke für Deine (für mich) interessanten Infos. Nun ist es allerdings fast noch rätselhafter, wo die Chlorinonen herkommen. Aber es wird wohl so sein, daß bei der damaligen Farbenherstellung und Malgrundpräparation mit allem möglichen herumexperimentiert wurde, wobei brauchbare Ergebnisse der jeweilige Maler vermutlich mit ins Grab genommen hat.
Ist aber ein interessantes Thema.
Gruß
Uwe
giantcrystal:
Hallo aus Mittelfranken
Es sollte doch kein Problem sein, die Mineralsubstanzen der Farbpigmente eindeutig zu bestimmen, zum Beispiel durch XRD.
Eine Umwandlung von Azurit in Malachit in Malerpigmenten halte ich für plausibel, ist ja auch aus dem Mineralreich mannigfaltig bekannt, z.B. Pseudomorphosen von Malachit nach Azurit.
Eine Umwandlung von Azurit in Kupferchloride ist dagegen sehr unwahrscheinlich und auch im Mineralreich sehr selten. In der Tat stellt sich hier die Frage nach der Herkunft der Chloridionen, die ja kein normaler Bestandteil von Mineralpigmenten sind und bewusst vermieden wurden, da schon früh die Gefahr von Ausblühungen auf den Bildern durch Mineralsalze (Chloride, Sulfate) bekannt war.
Lediglich in Küstennähe ist so eine Umwandlung in Kupferchloride durch den hohen Salzgehalt der Luft eventuell denkbar...
Glück Auf
Thomas
heli:
Ist relativ leicht erklärt. ;D
Was verwenden die Färber klassischerweise? Harnsäure bzw. Urin.
Auch bei der historischen Farbenerzeugung wurde dieses Mittel oftmals eingesetzt.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln