31.07.2014, Europa, alte Provinz Thrakien, Haskovo Region:
Die Sonne entfaltet schon morgens um 6 Uhr ihre volle Kraft mit gefühlten 25 Grad.Die Nacht, den lärmenden Nachbarn sei Dank, war kurz und der Rest der Familie schläft noch.
Weiterschlafen? Nee. Jetzt bin ich sowieso wach und kann noch mit den frühen Vögeln "jagen"!
Kaffee in den Kopf, ein Zettel auf den Küchentisch, runter zum Auto.
Ein kurzer Blick, das am Auto wenigstens die notwendigsten Teile noch vorhanden sind, Werkzeugcheck im Kofferraum. Alles klar,los gehts!
Unterwegs am Kiosk Getränke und herzhafte "Frühstückchen" gekauft, Wat ein Glück, die Straßen sind noch nicht so voll mit Kamikazefahrern.
Nach gemütlichen 20 Minuten Fahrt parke ich dann mein Auto im Schatten vor dem Zugangstor zum Bergwerk.
Tor steht auf, ist ja "Rabotno Vreme" ( Arbeitszeit)
Rucksack geschultert, Arbeitsschuhe an, Strohhut auf die Birne und rauf gehts ca.300 Meter.
3 Mineure stehen vor dem Stollenmundloch der 1sten Galerie und versuchen eine, mit Betonelementen beladene Lore in den Berg zu schieben.
"Guten Morgen,Mineure,Wie gehts?"
"Gut Danke.Was machst Du hier?"
Ich schob dann die Lore mit den Jungs ein kleines Stück in den Berg und ging schnell wieder raus, da es sehr zugig und kalt aus dem Stollen wehte und ich locker bekleidet war.
Oben auf der Halde wollte ich mir nur noch eine Partie mit limonitischen Quarzbrocken anschauen, die ich 2 Tage vorher gesehen hatte, aber an diesem Abend keine Zeit mehr hatte.
Unter dem Verladesilo für das Golderz wurden gerade LKW befüllt. Etwas Distanz, hinsetzen, etwas Tabak einwickeln und erstmal die Situation beobachten.
"Guten Morgen, die Herrn. Wie gehts? Ich bin der soundso und suche Mineralien"
"Aha, Kamani (Steine)"
"Darf ich mir eine Probe vom LKW nehmen?"
"Mach schnell, Du Verrückter"
Mit den 2 Bergleuten am Erzsilo sprach ich noch eine ganze Weile,nachdem die LKW auf dem Weg zur Flotation waren. Bin froh, das ich bulgarisch gelernt habe.
Normale Menschen,(mit schwerer Arbeit im Berg) so wie wir, die auch "nur" leben,arbeiten, feiern und genießen möchten und denen auch kein Sinn nach irgendwelchen kranken Konflikten steht.
Eine Erzprobe im Rucksack, nette Gespräche......hach die Sonne lacht ja immer stärker.Schwitz.
Schnell die 50 Meter rüber auf Halde und mal diese braune Schüttung anschauen.
Kakoxen.Hm.......ja aber zu sehr "vermatscht"! Halt! Limonit mit Quarz aber leuchtendgrüne Krusten obenauf?
Lupe raus........Ehhhhhhh....endlich mal ein größeres Stück mit Corkit.Genial.

Einpacken,ab in den Rucksack.
Eigentlich könnt ich ja jetzt wieder zurück nach Haskovo fahren und meine Schlafmützen mit "Frühstück am Bett" überraschen.
Quatsch, die 5 Minuten um den Rest der Schüttung durchzuschauen, hast Du ja wohl übrig! Zumal jedes Jahr weniger Gangarten auf Halde gekippt werden, damit bloß kein Milligramm pro 1000 Tonnen verloren gehen könnte und die Aktionäre... Lassen wir das :-)
Aus dem Augenwinkel sehe ich unter mir einen neuen schwarzen Pick-Up den Berg hochfahren. Bringt bestimmt neuen Sprengstoff für die Spätschicht. Weitersammeln und Material bergen.
Nach 20 Minuten hält der Jeep dann unter mir, Fenster auf: "Guten Morgen.Was machen wir denn hier?"
"Wir(!) suchen hier Phosphate, das gelbe Metall interessiert mich absolut nicht."
"Ja, hm, aber Herr, trotzdem muss ich Sie bitten das Gelände zu verlassen,Sicherheitsgründe"
"Kein Problem, darf ich mir den Rucksack noch einpacken? Dann gehe ich direkt zum Auto" ( er hatte es ja unten am Waldweg gesehen)
"Kein Problem. Auf Wiedersehen."
Sollte ich eine Diskussion mit dem Betriebsleiter anfangen, das absolut keine Ge- oder Verbotsschilder im Gelände stehen? Sicher nicht. Die Paragenese ist mir zu stark an´s Herz gewachsen und der Natshalnik ("Chef") ist ja nicht immer vor Ort.

Jetzt nach Hause fahren? Im Schatten bestimmt schon 28 Grad.Nööööööö...

Fahren wir, also ich, mal auf den Goldberg nach oben.Dort sind es über 800 m und es weht ein Lüftchen.Außerdem wird oben schon seit ein Jahren nicht mehr gearbeitet und der Betriebsleiter wird doch wohl nicht....?
Oben, parkte ich das Auto wie üblich, im Schatten und machte ein zweites Frühstück. Rucksack im Kofferraum entleeren, Werkzeug prüfen und etwas durch den kühlen Buchenwald schlendern.
Mehr aus Jux und Dollerei ein paar Quarzbrocken in einer kleinen Pinge zerkloppt. Grüner Variscit und schöne saftig gelbe Kakoxen xx. Lecker. Nicht zu klein,nicht zu viel "Hinterteil" am Stück. Sammlungsqualität für diesen Fundort.


Wettbewerb bester Eigenfund 2014
Soll ich denn jetzt nicht zurück nach Hause.? Quatsch! Jetzt bist Du nur 500 m von der 7ten Galerie weg. Ist zwar fast alles saniert, aber die letzten Jahre waren dort sehr fündig und alte Erinnerungen an die herrliche Aussicht auf Thrakien.
Vielleicht triffst Du wieder ne freundliche Schildkröte oder eine Hornviper. Wobei mir die kleinen Turtles natürlich lieber sind.

Ein paar Minuten später angekommen, die Natur holt sich ihren Part, im ehemaligen Betriebsgelände zurück.Zum Glück.
Der Hauptstollen eingefallen, fast keine Spur mehr von der Pyromorphit-Plumbogummit-Paragenese.

Auf dem Rückweg lustlos auf einiges der wenigen Stücke mit Gangart geklopft. Ja, Hmm..nicht so prickelnd. Ein Drüschen mit kleinen Quarzen und "Sphaleriten".
Gut, der frißt kein Brot, ab in den Rucksack.Den Rest auf Seite gekickt.Waren eh nur Mini-Drusen. Aus mir wird wohl nie ein anständiger Mikromounter ;-)
Blöd nur, das ich 3 Wochen später, beim Auspacken des Paketes, hier in der Voreifel, gemerkt habe, das es keine Sphalerite waren. Sondern meine bis jetzt besten Anglesite vom Fundort darstellen, Stufengröße 7x6x3cm, mit xx bis 5mm Größe.
Hmmpppfffffff.......Mal schauen, ob ich dieses Jahr die Reststücke noch auf Halde finde?
Tja, jetzt bleibt Euch überlassen, ob mein Roman hier zu besten "Eigenfunden 2014" gehören soll oder zu einem thrakischen Tagebuch.(?)
Vorschläge,Rückmeldungen und Kritik ist gewünscht und willkommen.
Prijatni Posdrawi/ Freundliche Grüße
Marcus
P.S. Wenn ich Euch etwas Kurzweil und Spaß bereiten konnte, ist mir dies viel mehr Wert, als eine Bewertung oder irgendwelch "Honorar" zu erhalten.
Editiert am 08.02.2015. Ich habe 4 Fotos aus dem Bericht herausgenommen. Wäre sonst gegen die Spielregeln.