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Harzsammler:
Hallo Marcel,
das größere Fossil ist ein Nautilus (Germanonautilus bidorsatus). Er ist nicht vollständig erhalten, in dieser Erhaltung aber typisch für den Muschelkalk und als Übungsstück zum präparieren bestens geeignet. Der Nabel scheint noch da zu sein und auch am Rücken kannst Du üben. Komplett vollständige Exemplare sind sehr selten.
Zur Muschel, die Bezeichnung als Lima ist glaube ich veraltet wird aber noch oft verwendet. Heute bezeichnet man sie als Plagiostoma.
Ob es sich um eine Plagiostoma striatum oder - lineata handelt kann ich aber so nicht beantworten.
Auf den Platten befinden sich Stielglieder de Seelilie Encrinus lillieformis und allerlei Schill.
Solche Platten kann man mit dem Tensid REWOQUAT behandeln. Damit lässt sich sehr gut der Mergel entfernen.
Eine weitere Präparationsmethode ist die Anwendung von Kaliumhydroxid (Ätzkali).
Um Ceratiten etc. effektiv zu präparieren kommt man jedoch um einen Druckluftstichel nicht drum rum, anderenfalls bleibt nur das Schaben von solchen Funden mit geeigneten Werkzeug.
Hier musst Du schauen, ob sich eine Anschaffung lohnt. Ich bin viel im Muschelkalk unterwegs, habe aber selber keinen solchen Stichel. Jedoch kann ich entsprechende Funde in Arbeit geben. Andererseits finde ich unpräpariertes Material auch reizvoll.
Ein Sandstrahlgerät wird für Muschelkalkfossilien meist nur für Spezialfälle wie Seelilienkronen eingesetzt. Sollte ich mal so etwas finden, dann würde ich die von einem Profi präppen lassen. Die sind einfach zu selten.
Nach dem Präparieren oder Reinigen kann man die Fossilien noch mit Farbtonvertiefern einlassen. Da gibt es einige Produkte im Handel. Ist aber dann auch Geschmackssache.
Grüße,
Michael
marcel:
Danke für die ausführliche Antwort.
Gibt es zu der mechanischen Präparation vernünftige Tutorials?
Ich habe bei der Suche zwar viele Seiten mit Zwischenergebnissen gefunden, oder die Ausführung an sich,
allerdings keine Beschreibung worauf Laien achten sollten.
Nützt ja nicht viel wenn ich da jetzt anfange rum zu "kratzen" und am ende einfach nur blind zerstöre...
Ich hab nach Fossilen in der Umgebung von Mosbach gegoogelt, allerdings fast nur Mosbach bei Wiesbaden gefunden.
Deswegen habe ich vermutet, dass das Stück mit 25 cm eventuell selten ist, da wollte ich es nicht als Anfänger weiter beschädigen.
So wie ich das verstehe, kann ich mich in dem Zustand wie es schon ist, ruhig austoben. Richtig? ;D
Ich denke für das bisschen was ich hier habe und noch finde, wird sich teures Werkzeug nicht lohnen,
welches günstige Werkzeug ist zu empfehlen?
Detlef:
Hallo Marcel,
die Muschel von Deinem ersten Bild kannst Du eventuell mit etwas Stahlwolle vorsichtig abreiben, um mergelige Partien zu entfernen. Danach solltest Du mit einem Marmorpflegemittel(z.B. Mellerud aus dem Baumarkt) die Muschel einpinseln um eine Farbvertiefung zu erhalten. Am Besten an einem anderen Stück vorher ausprobieren.
Die Crinoidenplatten kann man nicht präparieren da das Material zu hart ist. Ceratiten kann man wie folgt präparieren: mit einem Proxxon, Dremel o.ä. Mini Bohr-Schleifgerät mit einem Diamantschleifkörper (wird im einschläg. Geofachhandel u. auch auf großen Börsen zw. 3 u. 5€ angeboten) die zu entfernenden Partien abschleifen. Mit einem elektrischen Gravierstichel(wesentlich preiswerter als ein Druckluftstichel) heruntersticheln. Sieht man die calzitische Trennschicht zwischen Fossil und anhaftenden Gestein nicht mehr muß man mit einem kleinen Pinsel Salzsäure ganz kurz auftragen. Nach dem Abspülen mit Wasser ist diese dann meistens wieder sichtbar und man fährt mit Schleifen und Sticheln wieder fort. Zum Schluß kann man noch, falls erforderlich, mit feinem Schmirgelpapier und Stahlwolle die Oberfläche von den Stichel und Bearbeitungsspuren befreien. Anschließend sollte eine Oberflächen Versiegelung mit Steinpflegemittel durchgeführt werden.
Große Stücke kann man mit einer Steiquetsche oder einer Flex mit Diamanscheibe formatieren.
Ansonsten gilt ein Fossil im Matrixgestein hat oft weine höhere Aussagekraft als ein mit Mühe entferntes Einzelfossil.
Viel Erfolg beim Bearbeiten
Frank-Detlef Paul
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