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Autor Thema: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?  (Gelesen 4784 mal)

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Online Gerdchen

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Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« am: 02 Jan 16, 12:20 »

Hallo,

an alle ein gutes, neues und fundreiches Jahr 2016!

Mich würde interessieren ab wann ein Fundort zu den Klassikern gezählt wird. Ist es ab dem Moment an dem der Fundort aufgelassen wird oder muss danach noch einige Zeit vergehen. Kommt es zudem noch darauf an, ob besondere Minerale dort gefunden wurden oder ob der Fundort einfach nur unter Sammlern (weltweit) bekannt war/ist (z.B. Stbr. Juchem, Niederwörresbach, der ist natürlich noch in Betrieb!) Oder gibt es andere Kriterien die für einen Klassiker wichtig sind.

Gruß
Gerdchen

Offline Uwe E

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #1 am: 02 Jan 16, 14:57 »
Hallo,

Gutes Neues Jahr!

Ich würde meinen, das "Klassiker" von Fundstellen stammen, die über viele Jahr(hundert)e regelmäßig gute Stufen liefern/lieferten und dadurch sehr bekannt wurden. Meist handelt es sich dabei um nur wenige Mineralienspezien, die die Fundstelle berühmt gemacht haben, weil sie oft eine spezielle Ausbildung haben und somit speziell dieser einen Fundstelle zuzuordnen sind. Darunter würde ich teils auch Typlokalitäten  zählen.
Bsp.: Fluorit-Ochsenaugen von Schönbrunn, der Trümmerachat von Schlottwitz, Korallenachat von Halsbach, Whewellit von Burgk ...

Aber vielleicht habt ihr auch noch andere Erklärungen.

Grüße

Uwe


Offline Sebastian

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #2 am: 02 Jan 16, 15:24 »
Hallo Uwe.
Also die Beispiele die du genannt hast würde ich nicht als internationale Klassiker einstufen.
Eher Silber aus Freiberg, erythrin aus Schneeberg, Galenite aus Neudorf u.a. Um national zu bleiben. Schlottwitz ist Niemals ein Klassiker.
Gruß Sebastian
P.S. Im Forum wurde das Thema schon einmal recht erschöpfend diskutiert, über die Suche einfach mal recherchieren.

Online Gerdchen

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #3 am: 02 Jan 16, 15:58 »
Hallo Sebastian,

Was einen Klassiker bzw eine klassische Fundstelle ausmacht, habe ich nicht gefunden. Poste doch mal den Link.

Kann ein Fundort der Klassiker sein (klassischer Fundort) oder nur ein Mineral in Verbindung mit einem Fundort? Bei uns in der Pfalz wird z.B. die Rauschermühle als klassischer Fundort angesprochen ohne ein Mineral zu erwähnen. Im Hunsrück kennt man das Blaubleierz von Kautenbach als Klassiker. Hätte ich ein Pyromorphit von dort würde man doch von Pyromorphit von dem klassischen Fundort Kautenbach sprechen.
Um in der Region zu bleiben: Bis vor einigen Jahren wurden in Kreimbach hin und wieder Greenockikristalle (angeblich weltweit die schönsten) gefunden. Nun wurde 2015 der Fundort geschlossen. Wird oder ist der Fundort ein Klassiker oder wären es die Greenockitkristalle in Verbindung mit dem Fundort, die dann der Klassiker sind? Wäre es erst in 50 Jahren Klassiker oder schon jetzt, da keinerlei Funde mehr möglich sind?

Gruß
Gerdchen

Offline Mineraliensammlermh

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #4 am: 02 Jan 16, 16:02 »
Eine klassische Fundstelle würde ich so deffinieren. Gesuchtes Material ist nicht mehr von neu abgebauten Bereichen zu bekommen.

Offline wilbi

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #5 am: 02 Jan 16, 17:07 »
Hallo,

bei uns im Harz wird z.B. St.Andreasberg zu den klassischen Fundorten gezählt. Jahrhunderte lang Spitzenfunde und viele Seltenheiten und manche Erstbeschreibungen. Schon sehr frühe Untersuchungen und Beschäftigungen mit Mineralien zählen dazu.
Gruß  willi

Offline Alcest

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #6 am: 02 Jan 16, 17:37 »
Hallo,

ich würde behaupten, der Begriff "Klassiker" ist zu 90% subjektiv. Manche Händler sprechen bei fast jeder Stufe von einem Klassiker. In letzter Zeit habe ich z.B. sehr häufig die Azurit-Neufunde aus Mexiko mit dem Prädikat "Klassiker" gesehen.

Offline raritätenjäger

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #7 am: 03 Jan 16, 12:00 »
Hallo,

Schlottwitzer Achate wurden u.a. als Schmuckplatten im Schloss Sanssouci und in der Semperoper verbaut. Das Material ist seit langer Zeit bekannt und geschätzt. Warum sollte das kein Klassiker sein?

Wie Jan schon sagt, das ist hochgradig subjektiv. Wie ja der Begriff "modern classics" (liest man tatsächlich bei manchen Händlern) schon aufzeigt. In der Tat macht es auch dann einen Unterschied, ob man das "klassische" auf das Mineral, den Fundort oder beides bezieht. Viel Verwirrungspotential und gemeinhin wenig nutzbringende Ergebnisse...

Gruß
Andreas

Offline oliverOliver

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #8 am: 03 Jan 16, 12:21 »
Viel Verwirrungspotential und gemeinhin wenig nutzbringende Ergebnisse...

genau ... ein Fundort ist ein Fundort, eine Stufe ist eine Stufe - alles darüber hinaus sind doch überflüssige Spielereien und vermutlich lediglich von Händlern zur Absatzsteigerung erfunden ......

Offline Sebastian

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #9 am: 04 Jan 16, 15:44 »
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,15256.15.html

Also ich denke hier sind schon einige Ansätze diskutiert worden.
Meiner Meinung nach ist nicht nur das Mineral, der Fundort entscheidend, sondern auch die Ästhetik. GErade die Ästhetik entscheidet ob gut oder nicht. Es kann noch so groß und selten sein, wenn aussieht wie ein Stein dann wir es auch niemals so begehrt sein wie eine Rubellitstufe.
Und Schlottwitzer Achat mag ja schön sein, nur bezweifel ich das es wirklich mit Freiberger Lockenslilber z.B. (also den internationalen Vergleich) mithalten kann.
Und eine Lokation kann klassisch sein, wenn sie Mineralien von Weltrang produziert hat, aber nicht jede Stufe von dort ist ein Klassiker.
Gruß Sebastian
Meist sieht man es Stufen an ob es Klassiker sind oder nicht.
« Letzte Änderung: 04 Jan 16, 21:13 von Sebastian »

Offline uwe

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #10 am: 04 Jan 16, 18:45 »
Ich erlaube mir, hier auch mal meine Meinung kund zu tun. Ich gebe Oliver grundsätzlich recht  - die Bezeichnung Klasssiker dient wohl hauptsächlich der Wertsteigerung. Allerdings hängt es jedoch hauptsächlich/nur vom Fundort ab, ob eine Stufe als Klassiker bezeichnet werden kann oder sollte. Ästhetik spielt da meiner Meinung nach keine Rolle. Viele der neueren Stufen aus China oder sonst wo her sind äußerst ästhetisch, ohne diese als Klassiker zu bezeichnen. Auch die Mineralart spielt m.E. keine Rolle. Eine ordentliche Erythrinstufe aus Schneeberg ist schon ein Klassiker. Die wesentlich reicher besetzten Stufen mit Erythrin aus Marokko möchte ich nicht dazu zählen.

Auch Stufen von der Typlokalität sind nicht unbedingt Klassiker. So sind die Stufen mit Emser Tönnchen durchaus ein Klassiker, obwohl die Typlokalität von Pyromorphit woanders ist. Auch kleine oder für Laien keineswegs attraktive Stufen können ein Klassiker sein.

Sicher liese sich darüber noch lange streiten bzw. diskutieren den ich denke 100 Sammler haben dazu auch 100 Meinungen.

Gruß
Uwe

Offline skibbo

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #11 am: 04 Jan 16, 19:32 »
Und eine Lokation kann klassisch sein, wenn sie Mineralien von Weltrang produziert hat, aber nicht jede Stufe von dort ist ein Klassiker.

Zur Unterscheidung solcher Stufen erfanden clevere Mineralienhändler den Begriff "killer specimen" ...  :-X
Ebenso ist "the best I've ever seen" natürlich ein Qualitätsmerkmal, dem man sich nicht verschließen sollte.  ;D

Ich stehe dem Begriff "Klassiker" sehr zwiegespalten gegenüber und konnte mir auch im dritten Anlauf nicht einig darüber werden ob ich es strikt bei der Beschreibung von historischen Mineralen von Weltruf (z.B. Azurit von Tsumeb, Rhodochrosit aus dem Siegerland) belassen soll oder ob ich auch weitere Funde einbeziehen will und vor allem an welcher Stelle ich für mich persönlich die Grenze ziehe.
Ist ein Sweet Home Rhodochrosit ein Klassiker? Ja, klar. Aber auch wenn er aus der Fundperiode 1990-1997 stammt?
Selber Gedanke bei Ilfelder Manganiten. Historische Funde aus der Abbauzeit ja, aber alle Funde nach der Abbauzeit bis heute ebenfalls? Wo ist die Grenze? Und selbst wenn ich für dieses Beispiel eine Definition fände, wie wäre mir eine Unterscheidung möglich, wenn ich eine Stufe zum Kauf angeboten bekomme?
Ist ein Phillipsit mit 3 cm Größe von einer relativ unbekannten deutschen Fundstelle, der vor 5 Jahren gefunden wurde und der weltweit größte bekannte Kristall dieses Minerals ist, ein Klassiker? Warum? Wegen der Einmaligkeit dieses einen Kristalls? Weil der Fundort verfüllt ist? Oder eher nicht, weil's keine Sau kennt? Ist im Gegensatz dazu eine 20cm+ Stufe  mit zentimetergroßen Plumbogummiten/Pyromorphiten aus China aus dem vorletzten Jahr, die in allen Mineralienzeitschriften und Mineralienforen im Internet abgebildet ist, kein Klassiker? Ist es einer, weil bislang keine besseren bekannt sind und vielleicht auch nie bessere gefunden werden? Oder nicht, weil China in unserem europäischen Weltbild keine für uns gleichbedeutende Bergbauhistorie hat wie z.B. das Erzgebirge oder englische Bergbaureviere? Und zählt mein 5 x 3 cm "Beleg"-Stüfchen, das ich in München für 300 € hätte kaufen können, dann auch dazu?
Was ist mit Mineralen, die mir überhaupt nicht geläufig sind, weil ich persönlich keine Ahnung davon habe? Z.B. Keyit oder Galloplumbogummit aus Tsumeb? Was macht den Unterschied zu einem Azurit von dort? Lediglich der Bekanntheitsgrad bei der allgemeinen Sammlerschaft? Oder doch nur meine persönliche Unwissenheit oder Desinteresse an Mikromounts?

Auf jeden Fall ein spannender Gedanke für lange Winterabende.

Grüße,
Stefan



Offline ganomatit

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Re: Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
« Antwort #12 am: 04 Jan 16, 20:20 »

Merkmale eines Klassikers (Wikipedia dazu):

lange überregionale Bekanntheit (oft auch generationsübergreifend)
gewisser Traditionswert
hoher Wiedererkennungswert
hohe Qualität wird zugestanden
Innovationspotential
Einfluss auf die Kultur
Diese Merkmale eines Klassiker kann man meiner Meinung durchaus auf eine "klassische Lagerstätte" anwenden, wenn man Innovationspotential durch Verbindungspotential und Einfluss auf die Kultur durch Einfluss auf die Geowissenschaft ersetzt. Vielleicht kann man so auch einen Fundort als Klassiker definieren, was eine Frage der Auslegung ist, wie in dieser Diskussion mehrmals erwähnt wurde und teilweise subjektiv ist.

Frank Heise

 

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