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Ätzfiguren - Lösungsanisotropie oder Korrosion
Krizu:
--- Zitat von: berthold am 11 Apr 05, 14:43 ---Hallo,
a.)
hmm, also eine Zwillingsbildung liegt sicher nicht vor.
schnipp
b.)
Warum? Wenn ich als Ansatzpunkt für eine Loch-Ätzfigur eine kleine Verletzung der Kristalloberfläche oder eine Kristallbaufehler vermute hängt doch die Größe der Ätzfigur eher von der Ätzdauer und Intensität, weniger von der Qualität der Angriffsstelle (in der Fläche) ab.
--- Ende Zitat ---
a.) Stimmt, ich hatte die Zwillingsbildung als ein mögliches Beispiel für einen Flächenfehler angeführt.
b.)
Ätzgruben entstehen nicht wahllos auf der Kristallfläche, sondern fast nur an Versetzungen, denn bei Ätzungen wird oft folgendes gefunden:
- Ätzgruben haben die gleiche Größe (sagtest Du auch)
- nach dem Polieren kommen die wieder an den gleichen Stellen beim Ätzen
- die zwei Spaltflächen eines Kristalsl zeigen korrespondierene Ätzgruben
- Dünne Scheiben haben unten und oben Gruben.
- An Kleinwinkelkorngrenzen sind es Reihen an Gruben.
(frei nach Kleber)
Nach meinen Erfahrungen beim Ätzen und Lösen von Kristallen sind die Risse eher tiefe unregelmässige Täler. Die Störung im Riss ist meist größer als nur die wenigen Gitterkonstanten einer Versetzung. Deshalb bin ich der Meinung bei Rissen oder Löchern im Kristall muessten die Ätzstrukturen unterschiedlich gross sein im Vergleich zu den einzelnen Ätzgruben.
Ich gebe aber offen zu, nie so bewusst die Flächen von CaF2 betrachtet zu haben. Meine Ätzgruben waren meist auf Granat, Saphir, synth. Perowskiten oder Rutil.
MfG
Frank
berthold:
Hallo Frank,
du hast mit Deinen Ausführungen sicherlich nicht unrecht, sofern es glatte, polierte Oberflächen von weitgehend idealen Kristallen wären.
--- Zitat ---- nach dem Polieren kommen die wieder an den gleichen Stellen beim Ätzen
--- Ende Zitat ---
sicher, das wäre aber bei Spaltrissen ebenso.
--- Zitat ---- die zwei Spaltflächen eines Kristalls zeigen korrespondierene Ätzgruben
--- Ende Zitat ---
auch Zustimmung, aber wo nehme ich das Gegenstück her (ist ja keine Ätzung auf einer Spaltfläche sondern auf einer natürlich gewachsenen Würfelfläche) ?
--- Zitat ---- Dünne Scheiben haben unten und oben Gruben.
--- Ende Zitat ---
auch das wäre doch bei Spaltrissen ebenso. (Meine Kristalle sind nicht so dünn ;) )
--- Zitat ---- An Kleinwinkelkorngrenzen sind es Reihen an Gruben.
--- Ende Zitat ---
ja, und an Spaltrissen deswegen nicht ?
Feine und feinste Spaltrisse (nach den Oktaederflächen) sind die häufigste Beschädigung von natürlichen (und künstlichen) Fluorit-Kristallen. Der häufigste Baufehler dagegen ist die Parkettierung. Und die Orientierung spricht für mich für Spaltflächen-Risse als Ursache.
Du scheinst ja auf dem Sektor recht fit zu sein, deswegen die Frage, gibt es möglicherweise Literatur zu diesem Thema (Ätzversuche an Fluorit) ?
Gruß
Berthold
Krizu:
Hallo,
die natürlichen Kristalle sind meist gar nciht so schlecht wie Ihr Ruf ;-) Je nach Herstellungsverfahren sind die synthetischen Kristalle teilweise besser, aber teilweise kommen die nicht an die Natur ran. Im Labor liegen die Zeitspannen zur Züchtung bei Stunden bis maximal 1 Jahr. Darüber lacht die Natur. Allerdings sind da Garantieansprüche schon verjährt.
Ich hatte auf die schnelle versucht einen KCl (Sylvin) anzuätzen. Allerdings kam da nichts gescheites bei rum. Auch einige Kristalle von denen ich Lösungserscheinungen erwartet hätte, waren nahezu frei :-(
Ich muss mal schauen, aber irgendwo habe ich mal Gleitebenen in Zusammenhang mit solchen Linien gelesen. Das sollte doch beim Flourit die {111} sein, oder?
zum Thema polierte Flächen: eine gute Kristallfläche (Spaltfläche) ist oftmals besser als eine optisch polierte Fläche, was die Ebenheit angeht. Rekord an einem Siliziumkristall (kein Wafer) waren weniger als 10nm auf 4cm.
Ätzgruben und Auflösungskörper sind z.B. im Kleber-Kristallographie Seite 225ff beschrieben. Zum Thema Feinstruktur der Zwillingsbildung habe ich hier eine Arbeit zum BaTiO3 und zum Rutil. Flourit muss ich passen. Ich habe noch ein paar Bilder aus einer Arbeit zur Züchtung von Granatschichten, mehr zur Zeit nicht.
Die Flouride waren Anfang der 90er mal an der Uni Stuttgart (Arbeitsgruppe Paus) ein Thema bei der Züchtung für Laserstäbe. Vielleicht ist da was. Ansonsten könnte ich morgen mal die Oberfläche eines synth. CaF2 aufnehmen. Die Struktur ist deutlich orientiert (Richtungsabhängiger Glanz) und mindestens eine Spaltebene ist definiert.
Google mit etch pit* flourite liefert drei Arbeiten, die ich mir mit analogem Modem nicht reinpfeifen möchte.
Hast Du mal ein Bild einer Parkettierung?
Fit bin ich auf dem Gebiet der Mineralienkunde wirklich nicht! Ich staune immer nur, wenn ein Rätsel reingestellt wird. Da fehlt oftmals nur noch der Kommentar "stammt von oben links in der Wand". Ich habe mal einige Zeit Kristalle gezüchtet und nebenbei etwas gesucht, aber wirklich laienhaft!
MfG
Frank
Collector:
@berthold
ohne in die akademische Diskussion um Gleitebenen und Kleinwinkelkorngrenzen einzugreifen - Dein Bild wäre eine dankbare Ergänzung zum Thema Ätzfiguren. Stell`s rein ! Ist gut !
Im übrigen sind die Kapitel Lösungsanisotropie und Ätzung ja noch nicht vollständig, bzw. sollten noch diskutiert und ggf. für den Leser verständlich redigiert werden.
Parkettierung:
Hast Du Recht : Die Parkettierung ist immer kantenparallel.
Als Link zu Deinen Ätzfiguren kannst Du ja in meinem Buch auch mal unter Kapitel 1.4.5.2 nachschauen
(Stichworte: > Vizinalflächen, > Vizinale, > Vizinalflächenbildung, > Akzessorien, > Triakisoktaeder,> grenzflächenspezifische Vorgänge, > Baufehler innerhalb der Fläche beim Wachstum oder Auflösung der Kristalle );
als Link zur Parkettierung auch Kapitel 1.4.6.2 ( Stichwort: > Hauy`s Konzept struktureller Einheiten, > Polysynthese, > polysynthetische Wachstumsformen etc . )
gruss
collector
berthold:
Hallo,
zunächst ein Bild von Parkettierung - ist nicht einfach zu fotografieren. Das ist die Oberfläche eines stark parkettierten Kristalls (KL=2,5 cm) von der Grube Cäcilia aus dem Wölsendorfer Revier. (Die leichte Kaolin-Verschmutzung hatte ich bei diesen uralten Eigenfund Gott-sei-Dank nicht weggebürstet).
Gruß
Berthold
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