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Wann ist ein Fundort ein Klassiker?
uwe:
Ich erlaube mir, hier auch mal meine Meinung kund zu tun. Ich gebe Oliver grundsätzlich recht - die Bezeichnung Klasssiker dient wohl hauptsächlich der Wertsteigerung. Allerdings hängt es jedoch hauptsächlich/nur vom Fundort ab, ob eine Stufe als Klassiker bezeichnet werden kann oder sollte. Ästhetik spielt da meiner Meinung nach keine Rolle. Viele der neueren Stufen aus China oder sonst wo her sind äußerst ästhetisch, ohne diese als Klassiker zu bezeichnen. Auch die Mineralart spielt m.E. keine Rolle. Eine ordentliche Erythrinstufe aus Schneeberg ist schon ein Klassiker. Die wesentlich reicher besetzten Stufen mit Erythrin aus Marokko möchte ich nicht dazu zählen.
Auch Stufen von der Typlokalität sind nicht unbedingt Klassiker. So sind die Stufen mit Emser Tönnchen durchaus ein Klassiker, obwohl die Typlokalität von Pyromorphit woanders ist. Auch kleine oder für Laien keineswegs attraktive Stufen können ein Klassiker sein.
Sicher liese sich darüber noch lange streiten bzw. diskutieren den ich denke 100 Sammler haben dazu auch 100 Meinungen.
Gruß
Uwe
skibbo:
--- Zitat von: Sebastian am 04 Jan 16, 15:44 ---Und eine Lokation kann klassisch sein, wenn sie Mineralien von Weltrang produziert hat, aber nicht jede Stufe von dort ist ein Klassiker.
--- Ende Zitat ---
Zur Unterscheidung solcher Stufen erfanden clevere Mineralienhändler den Begriff "killer specimen" ... :-X
Ebenso ist "the best I've ever seen" natürlich ein Qualitätsmerkmal, dem man sich nicht verschließen sollte. ;D
Ich stehe dem Begriff "Klassiker" sehr zwiegespalten gegenüber und konnte mir auch im dritten Anlauf nicht einig darüber werden ob ich es strikt bei der Beschreibung von historischen Mineralen von Weltruf (z.B. Azurit von Tsumeb, Rhodochrosit aus dem Siegerland) belassen soll oder ob ich auch weitere Funde einbeziehen will und vor allem an welcher Stelle ich für mich persönlich die Grenze ziehe.
Ist ein Sweet Home Rhodochrosit ein Klassiker? Ja, klar. Aber auch wenn er aus der Fundperiode 1990-1997 stammt?
Selber Gedanke bei Ilfelder Manganiten. Historische Funde aus der Abbauzeit ja, aber alle Funde nach der Abbauzeit bis heute ebenfalls? Wo ist die Grenze? Und selbst wenn ich für dieses Beispiel eine Definition fände, wie wäre mir eine Unterscheidung möglich, wenn ich eine Stufe zum Kauf angeboten bekomme?
Ist ein Phillipsit mit 3 cm Größe von einer relativ unbekannten deutschen Fundstelle, der vor 5 Jahren gefunden wurde und der weltweit größte bekannte Kristall dieses Minerals ist, ein Klassiker? Warum? Wegen der Einmaligkeit dieses einen Kristalls? Weil der Fundort verfüllt ist? Oder eher nicht, weil's keine Sau kennt? Ist im Gegensatz dazu eine 20cm+ Stufe mit zentimetergroßen Plumbogummiten/Pyromorphiten aus China aus dem vorletzten Jahr, die in allen Mineralienzeitschriften und Mineralienforen im Internet abgebildet ist, kein Klassiker? Ist es einer, weil bislang keine besseren bekannt sind und vielleicht auch nie bessere gefunden werden? Oder nicht, weil China in unserem europäischen Weltbild keine für uns gleichbedeutende Bergbauhistorie hat wie z.B. das Erzgebirge oder englische Bergbaureviere? Und zählt mein 5 x 3 cm "Beleg"-Stüfchen, das ich in München für 300 € hätte kaufen können, dann auch dazu?
Was ist mit Mineralen, die mir überhaupt nicht geläufig sind, weil ich persönlich keine Ahnung davon habe? Z.B. Keyit oder Galloplumbogummit aus Tsumeb? Was macht den Unterschied zu einem Azurit von dort? Lediglich der Bekanntheitsgrad bei der allgemeinen Sammlerschaft? Oder doch nur meine persönliche Unwissenheit oder Desinteresse an Mikromounts?
Auf jeden Fall ein spannender Gedanke für lange Winterabende.
Grüße,
Stefan
ganomatit:
Merkmale eines Klassikers (Wikipedia dazu):
lange überregionale Bekanntheit (oft auch generationsübergreifend)
gewisser Traditionswert
hoher Wiedererkennungswert
hohe Qualität wird zugestanden
Innovationspotential
Einfluss auf die Kultur
Diese Merkmale eines Klassiker kann man meiner Meinung durchaus auf eine "klassische Lagerstätte" anwenden, wenn man Innovationspotential durch Verbindungspotential und Einfluss auf die Kultur durch Einfluss auf die Geowissenschaft ersetzt. Vielleicht kann man so auch einen Fundort als Klassiker definieren, was eine Frage der Auslegung ist, wie in dieser Diskussion mehrmals erwähnt wurde und teilweise subjektiv ist.
Frank Heise
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