Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
Homoepitaxie Fluorit-Fluorit
berthold:
Hallo,
der Begriff Homoepitaxie (im Gegensatz zu Heteroepitaxie) beschreibt ja eine orientierte Verwachsung, wobei es sich bei dem "Wirt" und bei dem "Gast" um das gleiche Mineral handelt. Es ist aber kein einfaches Weiterwachsen sondern eine neue Kristallisation, ausgehend von einem Kristallkeim des Wirt's. Dazu ist notwendig, dass der Wirt-Kristall weitgehend abgedeckt wird (z.B. durch ein anderes Mineral) lediglich Ecken oder Kanten bilden dann den Kristallkeim für den in gleicher kristallographischen Orientierung aufgewachsenen Gast-Kristall. Besonders anschaulich ist das dann, wenn die Farbe oder die Kristallform Wirt und Gast unterscheiden.
Ich kenne Homoepitaxie hautsächlich von vier Mineralien: Pyrit, Fluorit, Quarz und Calcit. Meine Frage nun, hat jemand von Euch weitere Beispiele parat?
Hier ein Bild von Fluorit (Würfel homoepitaktisch auf Oktaeder) aus Hunan / China, Würfelkante 1,2 cm.
Gruß
Berthold
Collector:
@Berthold
Paul Rustemeyer hat im Lapis; 2000, Jhrg. 27, 9, S. 13-28 einen sehr detaillierten Bericht mit Fotos und Kristallzeichnungen solcher "verrückten" Fluorite gebracht: Würfel auf Oktaeder, Oktaeder auf Oktaedern, Kub`Oktaeder auf Kub`Oktaedern etc etc.
Hier ergibt sich jedoch ein kleines Terminologie-Problem: Rustemeyer`s Fluorite zeigen Polysynthesen, Du sprichts von Homoepitaxie. Könnte man ja mal diskutieren, wobei ich bei Deinem Foto auch eher zum Begriff Polysynthese neige.
gruß
collector
Krizu:
--- Zitat von: berthold am 13 Apr 05, 22:26 ---Hallo,
der Begriff Homoepitaxie (im Gegensatz zu Heteroepitaxie) beschreibt ja eine orientierte Verwachsung, wobei es sich bei dem "Wirt" und bei dem "Gast" um das gleiche Mineral handelt. Es ist aber kein einfaches Weiterwachsen sondern eine neue Kristallisation, ausgehend von einem Kristallkeim des Wirt's. Dazu ist notwendig, dass der Wirt-Kristall weitgehend abgedeckt wird (z.B. durch ein anderes Mineral) lediglich Ecken oder Kanten bilden dann den Kristallkeim für den in gleicher kristallographischen Orientierung aufgewachsenen Gast-Kristall. Besonders anschaulich ist das dann, wenn die Farbe oder die Kristallform Wirt und Gast unterscheiden.
Ich kenne Homoepitaxie hautsächlich von vier Mineralien: Pyrit, Fluorit, Quarz und Calcit. Meine Frage nun, hat jemand von Euch weitere Beispiele parat?
--- Ende Zitat ---
Hallo Berthold,
vielleicht hilft Dir da eine Textstelle:
Vultee, J. v.: Die orientierten Verwachsungen der Mineralien, Fortschr. Min. 29/30 (1950), S 297 bis 378.
Ist aber wahrscheinlich Heteroepitaxie.
Warum soll die Homoepitaxie auf einen Punkt beschränkt sein? Ich kann doch einen Kalium-Aluminium-Alaun mit etwas Chrom zur Färbung voll von einem reinen Alaun umwachsen lassen. Technisch werden so viele Halbleiter (gelbgrüne LEDs) oder Granatschichten herstellt. Die Maskierung des ersten Kristalls soll doch nur die großflächige Aufwachung verhindern.
Ich glaube auch, Polysynthese passt da eher. Vielleicht ist es aber auch einfach der Begriff "Parallelverwachsung", oder?
MfG
Frank
McSchuerf:
...Falls es sich bei Zwillingsebene oder -achse um Symmetrieebenen oder -achsen der Kristalle handelt, spricht man nicht von einem Zwilling, sondern nur von einer einfachen Parallelverwachsung.
Mit der Zwillingsebene nicht notwendigerweise identisch ist die Verwachsungsfläche der beiden Kristalle, die durchaus eine Symmetrieebene sein kann: Bei Identität spricht man von Kontaktzwillingen, sonst von Durchwachsungszwillingen. Durch Verwachsung mehrerer Kristalle konnen auch Drillinge, Vierlinge etc. entstehen. Je nach Komplexität dieses Verzwilligungsprozesses kann ein so genannter Zwillingsstock entstehen, der eine höhere Kristallsymmetrie aufweist als die Einzelkristalle...
Peter
berthold:
Hallo Peter+Peter, Hallo Frank
ja, das Lapis hab ich, sind wirklich sehr schöne Fluorite drinnen, u.a. auch welche, die diesem "System" entsprechen. Ich habe diesen Thread extra angefangen, um über diesen Begriff zu diskutieren. ;) Oft wird "Epitaxie" ganz allgemein und nur für Wirt-Gast-System verwendet, bei dem beide ungleich sind. Das ist nicht ganz richtig, denn das sind eigentlich Heteroepitaxien. In der Festkörperphysik, besonders in der Halbleitertechnik wird sehr viel von Homoepitaxie gesprochen bzw. mit dieser gearbeitet (richtig Frank).
Der Begriff der Polysynthese findet mehr in der Linguistik Anwendung als im Bereich Mineralogie / Festkörperphysik. Wenn man in der Festkörperphysik von "polysynthetic" spricht, meint man in der Regel etwas anderes als Homoepitaxie (z.B. schichtweises Zwillingswachstum).
Mir fehlt in Wort "Polysynthese" auch der Bezug auf die gleichartige Orientierung und die stoffliche Gleichheit, bedeutet ja eigentlich nur "aus Mehreren zusammengesetzt". Es gibt ja auch polysynthetische Öle oder Pasten (z.B. Wärmeleitpasten). Durch das Wort "Synthese" denke ich unwillkürlich an etwas Künstliches. :o
Den Begriff "Parallelverwachsung" würde ich als Oberbegriff sehen, worunter man auch Epitaxien verstehen kann. Mineralien können ja (z.B. durch Entmischung) parallel verwachsen sein, was nichts mit Epitaxie zu tun hat.
@Frank
--- Zitat ---Warum soll die Homoepitaxie auf einen Punkt beschränkt sein?
--- Ende Zitat ---
auf Punkt oder Linie, sonst wäre es ein einfaches Weiterwachsen (wir würden nichts sehen, ausser vieleicht einen größeren Kristall ...)
--- Zitat ---Ich kann doch einen Kalium-Aluminium-Alaun mit etwas Chrom zur Färbung voll von einem reinen Alaun umwachsen lassen.
--- Ende Zitat ---
ja, sicher, das nennen wir dann aber Phantom - oder ?
@Peter McS
Du hast vollkommen Recht, aber in meinem Beispiel liegt sicher kein Zwilling (im mineralogischen Sinn) vor. Und warum mir der Begriff (einfache) Parallelverwachsung zu schwammig ist: Siehe einige Zeilen weiter oben.
Gruß
Berthold
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln