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Gewicht Bergkristall - Wer kann rechnen ?
Collector:
Hallo
in der Antike wurden fantastische Wasserkrüge aus einem einzigen transparenten Bergkristall geschnitten. Die Technik ist unbekannt. Manche der Krüge sind bis zu 20 cm hoch und haben einen Durchmesser von ca. 25 cm.
Frage: Was mag so ein Bergkristall als Rohmaterial vor der Verarbeitung gewogen haben ?
Danke für Eure Antworten
Gruß collector
heli:
Hallo Peter,
das Mindestgewicht des ursprünglichen Kristalls bei optimaler Ausbildung für die Verarbeitung errechnet sich mit 40 - 50 kg (2,5 x 2,5 *2,0 *2,65 = 33). Die optimale Form für die von dir angegebene Dimension erreicht allerdings kaum ein Quarz. Daher gehe ich davon aus, dass die verwendeten Quarze ursprünglich wohl deutlich mehr gewogen haben (in etwa das Doppelte).
pery:
mich würde interessieren wie die damals bearbeitet wurden.
z.T haben die Flaschen ja sehr enge Hälse und sind innen dennoch um ein vielfaches ausgeweitet.
Das stelle ich mir sehr mühsam und zeitintensiv vor! Hat jemand Infos zu Werkzeugen und Techniken mit denen sowas gemacht worden sein könnte (obwohl oben steht "Techniken unbekannt" :p )?
Die Gefäße wurden ja nicht nur in der Antike hergestellt.
Die unten gezeigten Gefäße stammen aus dem 16.Jhd.
http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/pics/ks_gruenesgew_bergkristgef.jpg
teabone:
ich habe vor langer Zeit in einem Buch das mir nicht mehr zur Verfügung steht gelesen das man mit Hohlbohrern gearbeitet hat. Der Innenraum wurde mittels solcher Bohrer, einer Technik die bereits in der Jungsteinzeit verwendet wurde, ausgebohrt. Die Bohrkerne wurden abgebrochen und so erweiterte man schrittweise den Hohlraum. Dann wurde geschliffen, geschliffen, geschliffen.
Mühsam und langwierig war es sicher aber ich denke das war für solch aussergewöhnliche Stücke kein Kriterium.
LG Augustin
Collector:
Hallo
zur antiken Bearbeitungstechnik harten Gesteins (Granit, Diorit) und zu Quarz gibt es verschiedene Hypothesen; sicher ist nur, dass die alten ägyptischen Steinmetze und Gemmenschneider sehr gut sägen, bohren und schleifen konnten sowie bereits mit Drehbänken arbeiteten.
Die Arbeiten waren zum Teil so delikat, dass manche Bergkristallgefäße Wanddicken von nicht mehr als 0,17 mm hatten; manche der eingravierten parallelen Linien haben Abstände von maximal 0,8 mm.
Gebohrt, gefräst, gesägt und graviert wurde mit Bohreren und mit Sticheln, deren Bohrkronen und Spitzen auf jeden Fall härter als Quarz waren; d.h., aus Beryll, Topas, Chrysoberyll, Korund, Saphir oder Diamant bestanden. Gesägt wurde mit Kreissägen auf Gesteins- oder Quarzoberflächen, welche mit Schleifpulver aus einem der o.a. Materialien versehen waren.
Authentische Quellem berichten, dass im Jahr 1068-1069, im Zusammenhang mit einem Aufstand gegen die herrschende Dynastie der Fatimiden, aus den Schatzkammern der Herrscher an die 36.000 (!) Bergkristallgefäße geplündert wurden
Angesichts des enormen Material- und Zeitaufwandes, solche unglaublichen Mengen an Bergkristallgefäßen herzustellen, liegt der Schluss nahe, dass zur Bearbeitung wohl meist Diamanten verwendet wurden. Beweise dafür gibt es jedoch nicht.
Ein weiteres Mysterium ist, woher die riesigen Mengen an Bergkristallen kamen; sicher ist nur, dass sie nicht aus Ägypten stammten; vermutet wird, dass sie aus uns heute unbekannten Vorkommen in dem heutigen Yemen, oder aus Ostafrika oder aus dem persischen Reich kamen.
Mehr zu diesem Thema und viele Quellen im neuen Quarzportrait (noch in der Entstehungsphase).
Gruß
collector
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