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Limnomedusae

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Limnomedusae

Fliegenklatsche:
Hallo Oliver,

ich habe mal ein besseres Foto von den kleinen Hydromedusen (Medusina limnica Müller, 1978) von Oberdorfelden eingefügt. Der Fund stammt von der Forschunggrabung Oberdorfelden 2014.
Das Foto dürfte für die User weitaus besser geeignet sein diese kleinen Abdrücke zu erkennen. ;)
Schau mal:  dort wo sich zwei Exemplare am Rand berühren bilden sie eine gerade Kontaktgrenze aus - wie sich berührende Seifenblasen, oder besserer Vergleich: schlaff mit Wasser gefüllte Luftballons. Das ist ein Beleg für die Konsistenz der Fossilien und damit auch ein Beweis das es wirklich kleine "Süßwasserquallen" sind!

Die Zuordnung zur Ordnung Limnomedusae Kramp, 1938 ist sehr gewagt!  Ich nehme an Du hast das so gemacht, weil alle rezenten Süßwasserquallen zu dieser Ordnung zählen.  Bei den fossilen paläozoischen Abdrücken ist aber völlig unbekannt zu welcher Ordnung/Familie, im biologischen Sinne, sie wirklich gehören.  (Kann man aber erstmal so belassen - denn es gibt keine wirklich "bessere" Lösung!)

Im Rotliegend gibt es zwei Formtaxa, deren Namen man durchaus verwenden darf, weil sie gut definiert und klar unterscheidbar sind:

- die größere Medusina atava (Pohlig 1892) emend. Walcott 1898 
Ihre Typuslokalität ist in Friedrichroda im Thüringer Wald, höhere Goldlauter-Formation. Pohlig's Typusexemplar war schon verschollen als Walcott (1898) seine Monographie schrieb. Pohlig (1892) gab an sie in Bonn zu hinterlegen - aber dort ist sie wohl nie angekommen.  Allerdings gibt es weiteres Fundmaterial von der Typuslokalität und Pohlig's Typus-Platte mit 17 Exemplaren seiner "Medusinites atavus", existiert als colorierter Hartgipsabdruck (vertrieben von der Firma Krantz, Bonn!) in zahlreichen Museen.  (Die Abgussform soll dort aber nicht mehr vorhanden sein - mündl. Mitt. S. Voigt.)

- die kleine Medusina limnica Müller, 1978   
Sie wurde schon von Reineck (1966) aus den Kreuznach-Schichten, Standenbühl-Fmt., Oberrotliegend des Saar-Nahe-Beckens beschrieben, aber erst von Arno Hermann Müller (1978) nach Massenvorkommen aus den Hornburger Schichten im Ostharzvorland benannt.

Beide Hydromedusen sind weit verbreitet, M. limnica reicht stratigraphisch deutlich höher. Beide haben wohl etwas unterschiedliche ökologische Ansprüche. Sie kommen nur höchst selten gemeinsam vor. Cabarz ist eine der wenigen Lokalitäten von der ich beide kenne - allerdings nicht auf den gleichen Schichtflächen! Nur am Bromacker (Tambacher Sandstein) scheinen sie tatsächlich beide parallel vorzukommen (Voigt 2002).

Viele Grüße,
Dein Stephan

oliverOliver:
hallo Stephan,
danke für das neue Foto und die interessanten Infos.
Warum ich die Fossilien damals den Limnomedusae zugeordnet habe - keine Ahnung mehr, aber vermutlich war es so wie du schreibst, denn wenn ich weitere/nähere Infos dazu gehabt hätte, hätte ich sie vmtl. als Referenz angeführt ...

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