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Autor Thema: Seeigel und weiteres...  (Gelesen 18878 mal)

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Karsten

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Seeigel und weiteres...
« am: 06 Jun 05, 21:16 »
Hallo,

vor mehr als 20 Jahren habe ich folgende Fossilien an der Ostsee gefunden. Leider war zu dieser Zeit nicht im Besitz von Fachliteratur und das Internet gab es auch noch nicht. Heute bin ich in Sachen Fachliteratur nicht viel weiter aber das Internet existiert bereits und ich kann jetzt ja auch Euch fragen.

04_001: Hier weiß ich nicht woher es stammt, ich denke meine Eltern haben es mit aus Idar-Oberstein mitgebracht ???
04_002 und 04_003: Das sind die Stücke die ich während der Ferien auf der Insel Fehmarn gefunden habe. Damals habe ich von einem Einheimischen erfahren daß es sich bei beiden Stücken um Seeigel handelt. Bei einem der Beiden kann ich mir das durchaus vorstellen, beim anderen eher nicht.....

Was mich an der Stücken interessiert ist das Alter (Bezeichnung des Zeitalters) und nätürlich worum es sichhandelt.

Danke,
   Karsten

Offline Soenke

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #1 am: 06 Jun 05, 21:22 »
Hallo!

Also..

Zum ersten Fund kann ich Dir sagen, dass es sich nicht um ein Stück aus Idar-Oberstein handelt, sondern sehr sehr wahrscheinlich um ein Handstück mit Dactylioceras athleticum aus Schlaifhausen bei Forchheim in Franken. Es stammt aus dem Unteren Jura, Alter ca. 180 Millionen Jahre.

Stück 2 und 3 sind beides ganz sicher Seeigel, die Du wohl im Geschiebe von Fehmarn gefunden hast. Im Geschiebe sind sämtliche Erdzeitalter bunt durcheinander gewirbelt, Deine Seeigel stammen jedoch mit Sicherheit aus der Kreide.

Viele Grüße
Sönke

Karsten

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #2 am: 06 Jun 05, 23:14 »
Danke und Gruß,

   Karsten

Offline Uncites

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  • Uncites gryphus - ein devonischer Brachiopode
    • Svens Fossilienhomepage
Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #3 am: 07 Jun 05, 09:27 »
Nun habe ich mir die Bilder gerade angeschaut und das, was Soenke schreibt, nur bekräftigen.

Viele Grüße
Sven

Offline Infulaster

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #4 am: 07 Jun 05, 20:42 »
Beim ersten Seeigel (Bild 2) handelt es sich um Galerites spec., vermutlich Galerites vulgaris. Stammt aus dem Obercampan/Oberkreide. Der gestauchte Seeigel  (Bild 3) ist ein Echinocorys spec. Die hellen Matrixreste lassen hier grauen Feuerstein vermuten. Altersmäßig wäre das Stück dann in das Dan einzuordnen, der jüngsten Stufe der Oberkreide.

Gruß

Offline Zuercherella

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #5 am: 10 Jun 05, 14:36 »
Hallo Karsten,

die Zusammenstellung und Erhaltung Deiner beiden (von Infulaster richtig bestimmten) Seeigel ist im Ostseeraum typisch für das Maastrichtium, wo häufig Feuersteinkerne in Schreibkreide vorkommen. Solche Feuersteinkerne hast Du da gefunden, sie sind auch typisch für weitere Ostseeinseln (Rügen, Mön in Dänemark).

Infulaster: interessanter Name, warst Du mal in Wüllen unterwegs?

Gruß,
Michael

Offline Infulaster

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #6 am: 13 Jun 05, 18:55 »

Infulaster: interessanter Name, warst Du mal in Wüllen unterwegs?


Hallo Michael,

war in der Tat oft in Wüllen. Als es noch ohne Taucherausrüstung möglich war. Als Oberkreidefan ein Paradies.
Habe aber auch Infulasterexemplare aus Lengerich b. Tecklenburg und Halle/Westf. Du scheinst ein Fan des Rothenberg b. Ochtrup zu sein?!

Gruß Olli

Offline Zuercherella

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #7 am: 14 Jun 05, 15:50 »
Hallo Olli,

weiß auch nicht, wieso ich auf Karsten kam, aber nun: in der Tat bin ich ein sehr großer Fan von Rothenberge. Dort fing meine Sammelleidenschaft fast an, zumindest habe ich dort die ersten schönen Schalenammoniten gefunden (bis heute mit die schönsten, die ich habe). Kennst Du die Grube? Könnte man mal in den Fundstellen vermerken, bevor sie ganz dicht ist...
In Wüllen war ich auch etliche Male (auch ohne Taucherbrille ;-)), die Seeigelfauna war wirklich Wahnsinn. Müssten wohl mehr als 15 Arten sein, die ich da im Laufe der Jahre zusammen bekommen habe. Und Infulaster ist auch einer meiner Favoriten, weil man für ein gut erhaltenes Exemplar schon etliche Male fahren durfte. Hast Du auch Infulaster aus Hilter? Liegt in der Nähe von Halle, weniger bekannt, aber immer wieder für eine Überraschung gut. Dort habe ich schon Infulaster mit Stachelresten gefunden und eine kleine Zusammenspülung von 5, allerdings nicht so gut erhaltenen Infulaster.

Gruß,
Michael

Offline Infulaster

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #8 am: 15 Jun 05, 17:09 »
Hi Michael,

du meinst den Steinbruch Werthmann am Hankenberg b. Hilter? Kalksteine des Cenoman und Turon. War dort, aber nur ein paar mal. Bevorzugte die aktiven und aufgelassenen Steinbrüche um Halle/Westf., speziell ehemals Stbr. Foerth. Und nicht nur wg. Hyphantoceras!
Am Rothenberg war ich schon lange nicht mehr. Damals in Verbindung mit dem Geschiebeparadies der Haddorfer Seen regelmäßig besucht. Findet man dort überhaupt noch was?

Gruß Olli

Offline Zuercherella

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #9 am: 16 Jun 05, 11:20 »
Hi Olli,

der Steinbruch in Hilter ist es. Zu Foerth war es immer eine gute Ergänzung, wenn dort kein frisch gesprengtes Material war, in Hilter wittern immer wieder schöne Stücke aus den dicken Brocken. Rothenberge ist kurz vor dem Schluss, die letzte Grube wird gerade verfüllt. Hin und wieder wittert mal eine Konkretion aus der Wand, aber auch dann ist es nicht gesagt, dass dort etwas drin ist. Für schöne Belegstücke reicht es meistens aus, aber von einer Fundgarantie ist man dort weit entfernt. Die alten erfolgversprechenden Schichten sind seit dem Schluss des Abbaus (etwa 1997) nicht mehr zugänglich.

Wo bist Du denn früher noch unterwegs gewesen?

Gruß,
Michael

Offline Infulaster

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #10 am: 16 Jun 05, 17:20 »

Wo bist Du denn früher noch unterwegs gewesen?


Hallo Michael,

bin eigentlich in dem Raum des südlichen Emslandes und Münsterlandes überall dort gewesen, wo seit 1977 Aufschlüsse sind oder waren. Teils Fundstellen, die man heute als klassisch bezeichnen würde. Geschiebefossilien in zahlreichen Kiesgruben an den Haddorfer Seen, St. Arnold, Neuenkirchen und Ahlintel. Unterkreide in Ochtrup, Zgl. Borgers und Rothenberg (Apt), Gildehaus (Hauterive), Suddendorf (Valangin), Brechte Mulde und Alstätte (Barreme). Ferner Niedermehnen und Hollwede sowie Osning-Sandstein bei Bielefeld. Besonders aber Oberkreide in Rheine Stbre. Waldhügel und Stbr. Breckweg, Wettringen (Cenoman-Turon), Dörenthe (Cenoman), Wüllen b. Ahaus (Cenoman-Coniac), Lengerich (Cenoman-Turon), Zgl. Kuhfuss in Holtwick, Coesfeld-Billerbeck, Baumberge, Dülmener Sandstein bei Lette, Darup und Nottuln (gelegentliche Aufschlüsse, aber herrliche Fundmöglichkeiten für Seeigel, Schwämme usw.), Coesfelder Berg und Billerbeck (Pachydiscus stobaei bis 80cm, reguläre Seeigel und eine unwahrscheinlich reiche Schwammfauna, insgesamt von hier über 50 Arten Invertebraten und Schwämme).
Dann Jura- und Kreidevorkommen des Osnabrücker Raumes, Teutoburger Wald, Bielefelder/Herforder Raum. Tertiär Twistringen.
Aber Schwerpunkt Oberkreide. Tagesaufschlüsse werden hier nur leider immer seltener. Aber im nördlichen Münsterland, um Coesfeld, wird eigentlich immer irgendwo gebaut und ausgeschachtet. Und das Campan ist immer für eine Überraschung gut.

Offline Zuercherella

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #11 am: 20 Jun 05, 18:19 »
Hi Olli,

das hört sich alles sehr bekannt an, bis auf ein paar Ausnahmen (Geschiebe, Herford) war ich auch an den meisten Stellen, die Du beschreibst. Auch, wenn Seeigel und damit Oberkreide immer noch eines meiner liebsten Steckenpferde ist, bin ich in den letzten paar Jahren mehr in der Unterkreide auf der Jagd nach schönen Ammoniten gewesen. Suddendorf ist ja lange zu, wie die meisten anderen Unterkreide Aufschlüsse hier auch. Daher finde ich den Raum Hannover mit Haste (Hauterivium), Resse (ebenso) und Vöhrum (Albium, Perlmuttammoniten) immer interessanter. In den Coesfelder Schichten habe ich damals beim Bau des Wasserwerkes auf dem Coesfelder Berg gesammelt, das war schon unglaublich! Nur mit den Riesenpachydiscen hat´s nicht so hingehauen, bei 55cm war Schluss. Will mich aber auch nicht beklagen...
Bist Du zur Zeit noch aktiv? Vielleicht kann man mal die eine oder andere Tour zusammen machen?

Gruß,
Michael

Offline mkannenberg

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #12 am: 21 Jun 05, 18:57 »
Altersmäßig wäre das Stück dann in das Dan einzuordnen, der jüngsten Stufe der Oberkreide.

Dan ist aber nicht Kreide, sondern die älteste Stufe des Paleozäns (Tertiär). Die jüngste Stufe der Kreide ist das Maastricht.


marco

Offline Infulaster

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #13 am: 23 Jun 05, 11:48 »
Hallo Marco,

habe eben erst Deine Bemerkung gelesen, du hast natürlich vollkommen recht. Hatte eigentlich auch Maastricht schreiben wollen. Aber auch einem "Alten Hasen" unterläuft gerne mal ein Fauxpas. Das Danium wurde lange aufgrund der kreideähnlichen Lithologie und bestimmter Fauneninhalte zur Oberkreide gezählt. Erste Zweifel kamen aber bereits 1924 auf. Besonders Funde  typischer Oberkreidegattungen, wie Scaphites und Baculites sowie Vertreter der Muschelfamilie Trigonidae, machten die Verwirrung komplett. Erst der Nachweis, daß es sich hierbei um auf sekundärer Lagerstätte umgelagerte Exemplare aus dem Maastricht handelte, brachte Licht ins Dunkel. Die stratigraphische Kommission hat nun in der Tat vor nicht allzu langer Zeit das Danium offiziell als älteste Stufe des Paleozäns festgelegt. Damit also Alttertiär und nicht Oberkreide. Besten Dank für den aufmerksamen Hinweis.

Gruß Olli
« Letzte Änderung: 23 Jun 05, 11:50 von Infulaster »

Offline Infulaster

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Re: Seeigel und weiteres...
« Antwort #14 am: 30 Jun 05, 11:17 »

Hallo Michael,

entschuldige die verspätete Antwort, aber die Woche war stressig, und ich hatte nicht die Zeit für das Internet. Die Unterkreide des Hannoveraner Raumes kenne ich leider nicht. Auf dem Coesfelder Berg war ich allerdings sehr oft. Der Bau des Wasserrückhaltebeckens war auch, wenn man so will, ein Jahrhundertereignis. Die Coesfelder Schichten sind ja eher fossilarm. Lediglich an der Basis Unter-/Obercampan, bzw. Osterwicker-/Coefelder Schichten gibt es extrem fossilreiche Lagen im Bereich des "stobaei-Events". Und dieser Horizont ist doch eher selten aufgeschlossen. Berühmt das gehäufte Vorkommen von Riesenammoniten bis 1m Durchmesser. Aber auch die Begleitfauna mit faustgroßen Gastropoden der Gattungen Bathrotomaria und Leptomaria sowie zahlreichen anderen Gattungen. Eine reiche Schwammfauna, reguläre (Phymosoma ornatissimum) und irreguläre Seeigel, Muscheln, heteromorphen Ammoniten und und und. Meine lange Fossilliste vom Coesfelder Berg, übrigens der Typlokalität dieser Schichten, liest sich wie ein "who is who" der Obercampanfauna. Incl. Raritäten. Ein ähnlicher Aufschluß war kurz darauf Mitte der Neunziger beim Bau einer Sportanlage am Helker Berg in Billerbeck vorhanden. Wird lange dauern, bis es eine solche Gelegenheit wieder gibt.

Theoretisch bin ich noch aktiv, Literatur usw., praktisch zur Zeit eher weniger. Aus beruflichen und persönlichen Gründen komme ich derzeit nur selten los. Dieses Jahr noch garnicht. Und der Großteil meiner Sammlung steht seit einem halben Jahr nach dem Umzug immer noch in Kisten verpackt herum. Aber das kann sich schnell wieder ändern. Vielleicht kann man sich wirklich mal treffen und eine Tour zusammen machen. Wohne in Bremen. Bin also schnell in Hannover. Und auch das Münsterland und Umgebung sollte nicht das Problem sein, dort komme ich her. Einfach mal kurzschließen, ein Termin wird sich finden.

Grüsse Olli

 

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