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Diskussion: Feuersetzen in St. Andreasberg /urspr. Bilderdisk.: Silber- Reicherz (Feuersetzprodukt)

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Kluftknacker:

--- Zitat von: ganomatit am 06 Nov 18, 19:40 ---Und den Stand der Dinge zur Aufwältigung im Sieberstollen, kannst Du da was schreiben?

--- Ende Zitat ---

Wir wältigen nicht den Sieberstollen auf, sondern das Absinken in der Wennsglückt, zwischen Grünhirscher- und Sieberstollen  ;)
Der Sieberstollen ist nach meiner Kenntnis "frei"
G'auf!

ganomatit:
     https://www.google.de/search?q=wennsgl%C3%BCckt+neueste+fototechnik+2013&sa=X&biw=1366&bih=636&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=BD7fhctW3vrPFM%253A%252C7g31Z554IVqlSM%252C_&usg=AI4_-kQQDYF0omqx0VcheskEMyqAYQu5BA&ved=2ahUKEwiNjoXK4sfeAhXStYsKHbYpAjcQ9QEwAnoECAEQCA#imgrc=BD7fhctW3vrPFM:                                     


Viel Freude beim Betrachten dieser tollen Aufnahmen. Für alle Begeisterten des Andreasberger Bergbaues!


Frank Heise

ganomatit:
Siehe Darstellung aus LOMMER 1776

ganomatit:
Chlorargyrit, Darstellung von Gattungen des Hornerzes, LOMMER 1776
LOMMER, Abhandlung vom Hornerze, Leipzig 1776, Erste Gattung: weiß in flockiger Gestalt, Fig.1, Zweite Gattung: violet, in flockiger Gestalt, Dritte Gattung: weiß, in cubischer Gestalt, Fig.4,5, Vierte Gattung: in aetitischer Gestalt Fig.2,3, Fünfte Gattung: weiß in schaliger und derber Gestalt, Sechste Gattung: violet in schaliger und derber Gestalt, Siebende Gattung: grünfarbig, von sogenannter apfel- und gelbgrüner Farbe, Achte Gattung: gelbfarbig, gleich der Silberglätte, LOMMER spricht vom Hornerz im Erzgebirge! Alle diese Gattungen kommen auch in Sankt Andreasberg vor!

Axinit:
Servus allerseits,

Die Abhandlung von Lommer ist wirklich lesenswert !

Thomas Witzke hat zum Hornerz – Chlorargyrit eine gut verstaendliche Uebersicht verfasst , die manchen heutzutage nicht mehr gebraeuchlichen Ausdruck bzw. Mineralnamen in moderne Sprache zu uebersetzen versucht und eine sehr gute Eergaenzung zu Lommer’s  Traktat darstellt.

https://tw.strahlen.org/typloc/chlorargyrit.html

1776 begann die Chemie sich zaghaft von der Alchimie zu loesen. Begriffe wie wir sie heute kennen (chemisches Element, Periodensystem etc) und grundlegende chemisch-physikalische Gesetze  waren damals noch weitgehend unbekannt bzw. umstritten. Dafuer glaubte man noch an Phlogiston und dergleichen mehr.

Thonerde der Altvorderen hat uebrigens nichts mit unserem Begriff Ton(minerale) zu tun, sondern bezieht sich auf Aluminiumoxid Al2O3.
Lommer gab sich Muehe und hat durchaus versucht, eine wissenschaftliche Beschreibung seiner Untersuchungen zu geben.  Dabei ist er immer auch ein Kind seiner Zeit.

Lommer beschreibt verschiedene “Gattungen”von Hornerz.  Es ist heute kaum mehr nachvollziehbar, ob es sich hierbei tatsaechlich um mehr oder weniger verunreinigte  AgCl-Proben handelte oder gar um verschiedene Minerale.  Auch dies ist typisch fuer das spaete 18. Jahrhundert  (damals  wurden z. B. Epidot, Axinit und auch schwarzer Turmalin als Schoerl bezeichnet).

Bei dem violetten Hornerz koennte die Faerbung durch das Vorliegen von elementarem Silber verursacht worden sein (dies  erklaert auch zwanglos  das von Lommer beschriebene Verhalten des violetten Erzes bei Behandlung mit Salpetersaeure). Mit Glaserz bezeichnet Lommer vermutlich Silbersulfid (Akanthit).

Beim Erhitzen von in Papier gewickeltem Hornerz (AgCl) erhielt Lommer Silber – dies laesst sich zwanglos durch eine einfache Redoxreaktion erklaeren, das Reduktionsmittel sind hierbei  die organischen Bestandteile des Papiers (z.B. Cellulose).

Beim Erhitzen von Hornerz (AgCl)  mit Alkalien (s. Lommer S. 31) bzw.  beim Erhitzen von Hornerz in einer “Capelle” (die im Wesentlichen aus Asche besteht) erhielt Lommer  (etwas) gediegen Silber und Kochsalz (NaCl). Holzasche enthaelt (wie auch schon Lommer wusste)  alkalische Verbindungen, naemlich Pottasche K2CO3, vielleicht auch etwas Soda.

Beim Erhitzen von Silberchlorid mit Alkalien wie Soda/Pottasche entsteht in der Tat Silbercarbonat,  das  thermisch wenig stabil ist und letztendlich in gediegenes Silber und gasfoermiges Kohlendioxid und Sauerstoff zerfaellt.

Dies ist auch heute noch ein klassischer Aufschluss fuer schwerloesliche Silberhalogenide.

2 AgCl + K2CO3 --> Ag2CO3 + 2 KCl
2 Ag2CO3 --> 4 Ag + CO2 + O2

Mit diesen Gleichungen lassen sich nicht nur zwanglos viele  der von Lommer beschriebenen Beobachtungen erklaeren, sondern auch die moegliche Verarbeitung von Hornerz zu Silber im ausgehenden 18 Jh..


Schoenes, steinreiches WE,

Harald

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