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Autor Thema: Zerfallende Markasit Knolle  (Gelesen 8380 mal)

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Offline Tycho88

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Zerfallende Markasit Knolle
« am: 27 Jan 19, 18:14 »
Hallo an alle,

ich habe eine Markasit-Knolle auf Feuerstein gefunden. Diese ist in Begriff zu zerfallen.
Auf der Rückseite kann man deutlich Ausblühungen am Übergang Markasit/ Feuerstein sehen.

Eine Form dieser Ausblühung verwundert mich aber und ich hoffe ihr könnt mir hierzu einen Tipp geben, Es bilden sich feine transparente Haarlinien aus. Ich habe versucht mal Foto zumachen, so gut ich kann.

Evtl. weiß einer von euch was dies ist bzw. um was es sich hier handelt.

Als Anhang:
1. Bild Vorderseite
2. Bild Vorderseite erste Zerfallerscheinung
3. Bild Rückseite  (Pfeile zeigt Übergang Markasit/ Feuerstein an)
4. Bild Rückseite, Ausbildung feiner transparente Haare

Offline Tycho88

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #1 am: 27 Jan 19, 18:18 »
Und hier das eigtl Bild/Thema/ Tenor

Offline oliverOliver

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #2 am: 27 Jan 19, 18:20 »
hab ich auch schon auf zerfallenden Knollen gesehen -
habe damals Gips vermutet, aber ob das stimmt?

Offline Steinjäger

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #3 am: 27 Jan 19, 18:23 »
Hallo,

bei der Firma Krantz in Bonn gibt es Pyritkonservierer der nach Angabe des Anbieters bereits begonnenen Zerfall stoppt und zukünftigen verhindert. Einfach mal unter www.krantz-online.de nach Pyritkonservierer suchen. Ich habe zwar keine eigenen Erfahrungen mit dem Produkt, aber gehört daß es funktionieren soll.
Gruß und Glück auf!

Uwe

Offline Tycho88

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #4 am: 27 Jan 19, 18:31 »
@uwe:  ich behandel die Sachen mit Dithonit.. wollte ersmtal ein paar Meinungen hören bevor die Stufe ein Tauchbad bekommt.
vom Pyritkonservierer habe ich bisher nur gehört,dass dieser den Zerfall verlangsamt aber nicht stoppt.

@ Oliver: gips ??  ???
Sollte der entweichende Schwefel mit Resten von (möglichen) Calcit/Kalk  auf der Stufe so reagiern ?? Bin da chemisch nicht so bewandert

Offline oliverOliver

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #5 am: 27 Jan 19, 18:38 »
so hab mir ich das laienhaft vorgestellt -
Chemie ist aber ein Schwachpunkt bei mir ...  ;D

Offline Philip Blümner

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #6 am: 27 Jan 19, 18:44 »
Diese Ausblühungen sind in der Regel Eisensulfate.

Offline harzgeist

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #7 am: 27 Jan 19, 18:45 »
Die Ausblühungen sind Eisensulfate. Die Haare sind meines Wissens Halotrichit.
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralData?mineral=Halotrichit

Ob in diesem Stadium noch eine Rettung möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Ich habe gute Erfahrungen mit Dithionit (Entfärber) und Behandlung im Ultraschall gemacht. Entweder fielen die Stufen dabei auseinander oder waren danach (bisher) haltbar. Ich sehe keinen wesentlichen Vorteil von Pyrit"konservierer", der den höheren Preis und den vielen Alkohol (dafür gibt es bessere Verwendung  ;D ) rechtfertigen würde.

Ausführliche Diskussion u.a. hier
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,38099.0.html
und hier
https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,43097.0.html
Das ist für dich zwar nichts neues, für den einen oder andern Mitleser vielleicht trotzdem hilfreich

Thomas

Offline Axinit

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #8 am: 27 Jan 19, 19:04 »
Servus,

schau doch einmal auf "Steinkern" zum Thema Pyrit/Markasitkonservierung nach. Beide nachstehenden Verfahren werden dort gut beschrieben.

Die m. E. beste, auch von Museen angewandte Methode, besteht in der Begasung mit Ammoniak. Dies ist natuerlich etwas aufwendiger, macht aber mittelfristig Sinn.

Der kommerzielle Thioglycolat-Lsg von Krantz kann eine Alternative sein, erfordert aber viel Loesungsmittel.

Von waessrigen Loesungen, heissem Petroleum oder derartigen "Hausmitteln" wuerde ich die Finger lassen - all diese Verfahren sind kontraindiziert.

GA

Harald

Offline smoeller

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #9 am: 27 Jan 19, 20:15 »
Hallo,

 Eine Konservierung solcher Stücke ohnt sich - meines Erachtens - meist eher nicht. Der Aufwand ist groß, der Erfolg oft nur zeitweilig.

Bei den Ausblühungen handelt es sich um Eisensulfate, meist sind solche Locken wie auf dem letzten Foto Melanterit (Eisenvitriol), aus dem sich später durch Entwässerung weißer Szomolnokit und/oder Rozenit bilden. Gelbe Ausblühungen können Copiapit sein.Halotrichit ist hier eher unwahrscheinlich, es fehlt an Aluminium. Er bildet haarförmige Nadeln, nicht so Locken.

Glück Auf!
Sebastian

Offline Tycho88

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #10 am: 27 Jan 19, 21:22 »
Hallo an alle,


ok,ein Eisensulfat.. gut das ich nicht gewettet habe.

Begasung mit Ammoniak... sehr herausfordernd und aufwendig.

Aber die Stufe ist im Zerfallprozess.. probiere es erstmal mit Dithionit aus. Das habe ich da und geht am schnellsten. Entweder es hilft oder hilft nicht..ist halt nun mal so bei den Ostsee-Eisen/Sulfat Funden. Ich nehms da sportlich.. find bestimmt mal wieder was

Danke für eure Hilfe und Antworten.. und hier fehlt wieder der Daumen-Hoch Button  ;)

Offline chertbreaker

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #11 am: 31 Jan 19, 21:50 »
Ich habe mich mit mehreren Leuten unterhalten, einerseits liegt der Zerfall an Bakterien die sich von den Sulfiden ernähren (Die Stufe riecht nach Schwefeldioxid/Schwefel) und andererseits an der Säure, dem Schwefeldioxid was frei wird. In Bergwerken oxidiert das Schwefeldioxid mit dem Luftsauerstoff zu Schwefelsäure und es Bilden sich aus dem Erz Vitriole (Sulfate z.Bsp Rammelsberg Roeder-Stollen). Schau mal bei wiki unter Bioleaching. Hier nutzt man diesen Effekt um die Erze aufzubereiten.

Um das ganze zu stoppen/zu verhindern sollte man zuallererst die Bakterien (Archae) abtöten. Entweder, wenn dies geht die Stufe im Backofen 15 Minuten bei 160-180 °C  erhitzen (stinkt, wirkt aber! Und bitte nur bei reinen Eisensulfiden und wenn man den Verlust durch eventuelles aufbrechen der Stufe bei der Hitze verschmerzen könnte), oder die Bakterien mit der chemischen Keule abtöten. Chemische Keulen wären der besagte Pyritkonservierer, oder Desinfektionsmittel mit Quarternären Ammoniumverbindungen (z.Bsp. Mikroquat).

1 Woche in einer nach Gebrauchsanwweisung angesetzten Quadlösung liegen lassen, damit das Mittel in die Poren eindringt. Mit Pyritkonservierer kenne ich mich nicht aus. 1 Woche Alkohol/Spiritus soll nach einem Fachkundigen aus Freiberg auch gehen, habe es aber noch nie probiert.

Danach ist aber immer noch die Säure da! (SO²) in Gasform, die im Gestein steckt. Daher ist es ratsam die zu neutralisieren. Soda (Waschsoda von Budni) oder Natron ( Backtriebmittel ). In wässriger Lösung, egal was man nimmt (Soda oder Natron) 10 gramm in 100 ml und wieder eine Woche liegen lassen. Danach gut abspülen und eigentlich wäre es fertig.

Mit der Feuchtigkeit kehren aber die Bakterien mitunter zurück! Daher ist ein Kniff gut, den ich in der Archäologie abgeschaut habe. PEG/ Macrogol stabilisiert die Stufe. Wieder 1 Woche in ein Bad mit PEG und gut trocknen lassen, am besten bei erhöhter Temperatur über 50°C (gleiche Teile  PEG 400 und 3500 mit 1/8 Wasser) das reicht um die porösen Anteile der Stufe zu verfestigen und Bakterien fernzuhalten. Die Stufe ist stabilisiert!

Nachteil: Die Chemikalien finden sich in der Stufe ab jetzt immer wieder und verändern die Struktur. Daher ist so etwas unklug, wenn derjenige ein Referenzerz zu chemischen Vergleichen benötigt. Zur Konservierung von Schaustufen allerdings sehr gut.

« Letzte Änderung: 31 Jan 19, 22:45 von chertbreaker »

Offline chertbreaker

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #12 am: 31 Jan 19, 22:06 »
Hab eben mal geschaut. Der Pyritkonservierer löst Eisenverbindungen, die nicht als Sulfide vorliegen als Komplex auf (Das Eisensulfat) und konserviert dadurch, das er die Bakterien abtötet. Ist aber auch toxischer als Quad, oder Alkohol. Auch teurer!

Hab zwar keine goldfarbenen Ammoniten, aber einen Beweis, dass diese Methode funktioniert hier mal angehängt.  ;D Braucht also keine aufwendige Ammoniakbegasung oder organische Amine. 
Auch wenn ich kein vorher-Foto habe, war die Stufe am auseinanderbrechen und stark verkrustet. Habe die Stufe erst nach der Behandlung mit Drahtbürste gereinigt, sie ist etwa 740 gramm schwer und teilweise waren die jetzt noch sichtbaren Kristalle vor Behandlung locker.

Der Polyethylenglycol/Macrogol wirkt wie ein flüssiger Kunststoff, oder Leinöl. Er dringt in jeden Hohlraum der Stufe, ersetzt Wasser und beim Eintrocknen wird das Zeug fest und stabilisiert die Hohlräume. Gleichzeitig wird die Stufe versiegelt, Wasser und Sauerstoff kann nicht mehr ran und das SO² was in der Stufe gebildet wird, wird nicht oxidiert und gleichzeitig inaktiviert es die restlichen Bakterien, die an ihrem eigenen Stoffwechselprodukt zugrunde gehen. Wie lange das anhält, kann ich nicht sagen. Luftabschluss hat aber in den natürlichen Lagerstätten viel bewirkt und das Erz fängt erst an sich zu zersetzen, wenn der Mensch Stollen in die Erde treibt und mit Sauerstoff bewettert.
« Letzte Änderung: 02 Feb 19, 00:05 von chertbreaker »

Offline Tycho88

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #13 am: 03 Feb 19, 10:41 »
Hallo Stefan,

PEG/ Macrogol klingt ja schon interessant.

Zitat: „Die Chemikalien finden sich in der Stufe ab jetzt immer wieder und verändern die Struktur“
 => heißt die Stufe verändert sich auch optisch ???


Meine Methode
ist das Natrium- Dithionit Verfahren. Danach wird die Stufe in Ultraschall behandelt und kommt zum Trocknen nochmal in den Ofen.

Zur Lagerung liegen meine Sachen in Schalen mit Silica-Kugeln und Hygrometer. Allerdings muss ich so alle 2-3Wochen dies im Ofen wieder ausschwitzen lassen. Das nervt schon und ich weiß noch nicht wie lange ich das noch „durchhalte“.

Einmal im Jahr bekommen meine Pyrit/Markasitstufen ein Dithionit-Bad. Aktuell jetzt gerade, da ich Im Winter die Behälter auf Heizung stellen kann.


Als „Bestes“ Verfahren zum Konservieren habe ich gehört, wäre das  Konservieren mittels Unterdruck /Paraffin/Bienenwachs… allerdings soll es dadurch zur Verfärbung der Stufen kommen (Gold-Braun)


Grüße von der Küste

Offline chertbreaker

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Re: Zerfallende Markasit Knolle
« Antwort #14 am: 03 Feb 19, 12:22 »
Die Stufe verändert sich nicht wirklich optisch. Vielmehr dringt das PEG in die Stufe ein und verbleibt ja dort nach dem trocknen und füllt Poren und minimalste Hohlräume aus. Das stabilisiert ja auch die Stufe.

Das meinte ich mit Strukturveränderung.

Allerdings habe ich auch gute Erfahrungen mit Dithionit. Das obige Verfahren funktioniert aber auch bei Bleiglanz und Chalkopyrit.

 

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