Mineralien / Minerals / Minerales > (Ver-) Fälschungen, Montagen / Fakes, Assemblages
Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
geomueller:
Hallo alle,
ich will hier mal ein meiner Meinung nach wichtiges und interessantes Thema anstoßen was bestimmt nicht nur mich ärgert.
Erschreckend fand ich in letzter Zeit auf den Börse und das mit steigender Tendenz was alles so für Fälschungen auf dem Markt sind und keiner macht auf die Fälschungen und "veränderten" Stücke aufmerksam, kein Händler kein Veranstalter und kaum ein Insider.
Erschreckend ist was momentan an nach- oder zurechtgeschliffenen Berg- und Rauchquarzkristallen auf dem Markt ist. Ganz zu schweigen von angeblichen Türkisen, bestrahlten "Rauchquarzen", gefärbten, geölten, gewachsten, gebrannten, gekebten Mineralien.
Teilweise wird die Sache auch gefährlich wenn unbedarften Eltern oder kleinen Kindern gezüchtete Kristalle von giftigen Substanzen wie Kupfersulfat, Blutlaugensalz u.a. abgeboten werden ohne darauf aufmerksam zu machen. In solchen Fällen bin ich schon öfter eingeschritten weil es nicht sein kann das Geschäftemacherei auf Kosten der Kinder geduldet wird. Dabei ist mir völlig wurscht wenn ich dabei bei den Verkäufern anecke, das ist einfach Verantwortungslos!
Kaum ein Veranstalter von Mineralienbörsen geht gegen solche Auswüchse vor! Mag ja sein das man manche Händler nicht verschrecken will, aber im Sinne einer guten Börse die ihren guten Ruf auch auf Jahre gerecht wird sollte man da schon handeln.
Was meint Ihr dazu?
Gruß Jürgen
Micha:
Von den Veranstaltern ist aus Gründen ihrer Interessenlage (Kostendeckung + Gewinn bei Strafe des untergangs) kaum eine Selbstkontrolle zu erwarten.
Ich denk, wir durchleben im Moment eine heiße Phase. Jeder Briefkasten organisiert eine Mineralienbörse, in der Hoffnung, haufenweise kauflustige Laien anzuziehen. Anbieter von toll aussehenden und billigen (unbedingt diese Paarung!) Dingen treffen den Nerv des Laien mit lockerem Geldbeutel (eine im Übrigen aussterbende Spezies). In ein paar Jahren wird sich Spreu von Weizen getrennt haben. Nur gute und wichtige Börsen (das müssen nicht die erfolgverwöhnten großen sein, ich denk da eher an die kleinen Treffen, die von Sammlern noch über Wasser gehalten werden) werden überleben. Viele werden wegsterben, denn die Nachfrage wächst nicht so schnell wie das Angebot an Tand.
Wir als Sammler können eigentlich nur eins: uns der alten Traditionen erinnern. Der Ursprung aller Börsen lag im Umgang der einschlägig Verrückten. Sammler für Sammler, Freaks unter sich. Plötzlich kommt der Moloch ins Spiel, und schon vergisst man die Kinderstube, in der Hoffnung, mit Veranstaltungen dieser Art die schnelle Kohle zu machen. Auf den Tauschbörsen vergangener Tage hätte man den "Müll" schnell des Platzes verwiesen.
Ralf:
Dieses Thema ärgert mich nicht nur als Sammler, sondern auch als Händler ungemein. Schließlich leiden auch die seriösen Händler ( und davon gibt´s zum Glück noch ne ganze Menge ) unter dem schlechten Ruf. Aus dem Gleichen Grund wehre ich mich auch vehement gegen Verallgemeinerungen. Es obliegt einzig und alleine dem Veranstalter, für Ordnung zu sorgen. Nun gibt es ja gemeine Fälschungen, die selbst Fachleute nur schwer erkennen können. Auf den beiden letzten Börsen in St. Marie aux Mines und München waren jedoch haufenweise plumpe Fälschungen zu sehen. Das Beispiel der bestrahlten Milchquarze aus Rumänien ist ja hinlänglich bekannt. Der Gipfel aber waren, ebenfalls von Rumänen angeboten, schlechte Quarzstufen in die man zwei oder drei Löcher gebohrt hatte. In diese Löcher haben die Kerle 10 - 15 cm lange chinesische Antimonitkristalle, bzw. Stücke davon gesteckt. Reines Mineralien-Ikebana. Über so was könnte man ja lachen, aber mir ist dann in München das Lachen vergangen. Hatte man sich dort doch groß auf die Fahnen geschrieben, eine saubere Börse zu veranstalten und Fälschungen, geölte Stufen sowie nicht ausgezeichnete Ware mit aller Konsequenz zu unterbinden. So geschah es dann, das an einem kleinen Stand ein Raucher erwischt wurde. Das Rauchen war ja ebenfalls streng verboten. Innerhalb kürzester Zeit waren zwei Herren der Messeleitung vor Ort, begleitet von zwei " Wachleuten " und falteten den armen Kerl hinter dem Stand regelrecht zusammen. Links von diesem Stand war ein Rumäne mit den besagten Ikebana-Stufen, rechts davon ein Chinese der auch nicht eine einzige Stufe ausgezeichnet hatte. Dazu hatte er wohl vor lauter einölen keine Zeit bekommen. Nun will ich den Verstoß gegen das Rauchverbot nicht verharmlosen, aber wo bitte ist denn da die Verhältnismäßigkeit.
Ich habe die Herren selbstverständlich darauf angesprochen, wurde aber professionell ignoriert. Nachher war dann überall zu lesen, daß die Veranstalter stolz auf ihre Rauchfreie Börse waren. Von Fälschungen keine Rede mehr.
Nun, es mag tatsächlich so sein, daß auf diesen großen Börsen die Veranstalter auf jeden Aussteller angewiesen sind. Immerhin werden hier erkleckliche Standmieten bezahlt, Das rechtfertigt aber in keinster Weise das großzügige ignorieren von Fälschungen. bzw das selektive bestrafen von Verstößen.
Vollkommen unverständlich ist es mir bei kleineren Börsen, die zudem sehr gut laufen. Ihr müsst mal versuchen, auf einer solchen Börse einen Tisch zu bekommen. Da gibt´s Wartelisten von Meterlänge. Wenn ich dann sehe, was dort angeboten wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Würde man einen Händler mit gefälschten Sachen der Börse verweisen, wäre sofort ein anderer da der in diese Lücke springt. Manche kommen sogar auf Verdacht mit ihrem ganzen Plunder an und hoffen darauf, daß jemand mit Stand nicht erscheint. Hier kann die Standmiete also nicht der Grund sein. Was ist es denn dann ?? Ich weiß es nicht.
Ralf
loparit:
Hallo,
ich bin da ganz Eurer Meinung !!!
Wir veranstalten dieses Jahr mit unserem Verein nach längerer Pause wieder eine Börse (die 17.) und haben festgelegt: kein Schmuck, keine Isoterik, keine Edelsteinbäumchen, keine gezüchtete Mineralien. Keine Stücke die nicht ausgezeichnet sind. Wir sind diese Börsen mit 80 % Schmuck und sonstigem Kitsch der nichts mehr mit dem Hobby Mineralogie, Parläontologie und Geologie zu tun hat satt und wollen versuchen wieder in unserer Region eine Börse für Sammler zu etablieren.
Gruß
loparit
Hg:
Ich kann mich da nur anschließen.
Am meisten regen mich immer die Esotheriker mit ihren weit überzogenen Preisen für ihren Kram auf >:(
Es gibt in meinem Umkreis kaum noch Börsen, bei denen man als Sammler noch interessante Stufen für seine Sammlung bekommt :(.
Grüße
Hg
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