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WICHTIG! Urheberrechtsreform Artikel 13
Johannes Kalbe:
Hallo Stefan,
alles ok, den dahiner stehenden Ärger kann ich sehr gut verstehen! Aber gerade mit gerichteter, differenzierter Kritik kann man die besagten Schatten deutlich besser, bzw. gerechter verteilen und dadurch mehr erreichen. Und hilft viell. bei Wahlen sich aufzuraffen und das dann auch zu berücksichtigen, wo man seine Kreuzchen macht.
Ich hatte Sonnabend drei Kanditaten mit guten Aussichten fürs kommende EU-Parlament zu Gast (und einer davon ist derzeit schon dabei und hat sich pro Gesetz, aber gegen Art. 13 ausgesprochen) und wir konnten uns gut zu dem Thema austauschen. Und die drei haben zugesagt nochmal auf die Kollegen in ihrer Fraktion zuzugehen die sich noch komplett für den Entwurf aussprechen, und die Argumente contra Art. 13 auf den Tisch zu bringen).
Stefan:
Allen voran ärgern mich die einseitig berichtenden Presseorgane worunter sich sehr viele große Namen finden. Diese Dimension der Berichterstattung zum eigenen Vorteil ist mir bisher noch nicht untergekommen und mindestens in höchstem Maße unmoralisch und undemokratisch. Große Zeitungen im Niveaulimbo mit der Bildzeitung zu schlechtesten Zeiten sind besorgniserregend. Ich würde es als Missbrauch der Pressefreiheit bezeichnen.
cmd.powell:
--- Zitat von: Stefan am 25 Mar 19, 15:18 ---Allen voran ärgern mich die einseitig berichtenden Presseorgane worunter sich sehr viele große Namen finden. Diese Dimension der Berichterstattung zum eigenen Vorteil ist mir bisher noch nicht untergekommen und mindestens in höchstem Maße unmoralisch und undemokratisch. Große Zeitungen im Niveaulimbo mit der Bildzeitung zu schlechtesten Zeiten sind besorgniserregend. Ich würde es als Missbrauch der Pressefreiheit bezeichnen.
--- Ende Zitat ---
Moin Stefan
Naja, was erwartest Du den, das die gegen ihre eigenen Interessen berichten? Das ist schon etwas blauäugig. Eine unparteiische Pressen haben wir schon seit jahrzehnten nicht mehr (Paradebeispiel Atomkraft). Polarisierende Aussagen sind heute praktisch normal, akzeptiert und werden in gewissen Maße sogar erwartet. Daher sehe ich wenig Hoffnung, das die EU das Gesetz ablehnen wird.
Allerdings haben wir (als Volk) letztenendes die Macht, nämlich die Macht als Konsumenten: Ziel der ganzen Kampange ist sicher, das die Verlage etc. höhere Umsätze machen, da die kostenlosen Alternativen aus dem Internet wegfallen - seien sie legal oder illegal. Wenn wir als Konsumenten jetzt aber sagen, ne, wir machen das Spielchen nicht mit und z.B. Abos von Tageszeitungen, in unserem speziellen Falle Mineralienzeitungen etc. kündigen, vielleicht sogar mit der ausdrücklichen Begründung des Protestest, dann dürften wir einen massiven Druck auf die entsprechenden Stellen ausüben. Natürlich stellt das für den einzelnen einen gewissen Einschnitt dar, aber der Gewinn dürfte umso größer sein. Ich denke mal, es ist langsam an der Zeit, mit entsprechenden Waffen zurückzuschießen und nicht jeden kapitalistischen Zwang protestlos hinzunehmen. Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich etwas bringt, aber ich habe recht lange darüber nachgedacht und letztenendes ist der Umsatz das einzig wirkliche Druckmittel, worauf Lobbies reagieren. Und - zum Glück - gibt es bisher noch kein Gesetz, welches uns zum Kauf von Zeitschriften und Datenträgern zwingt (ok, GEZ mal außen vor). Das ist mein Vorschlag zu dem Thema - gesetzt dem nicht ganz unwahrscheinlichen Fall, das dass Gesetz in der vorliegenden Form mit allen seinen Folgen in Kraft tritt.
Stefan:
Ich habe blaue Augen ;) und meine Erwartungshaltung an die Presse ist eine neutrale Berichtersatttung. Ob sie erfüllt wird steht auf einem anderen Blatt. Nur sollten wir nicht nur bei den weniger integeren Politikern Integrität einfordern sondern auch bei den Presseorganen die Ihre Macht scheinbar schamlos ausnützen.
Mineralienzeitschriften sind wohl eher nicht das Klientel das Stimmung in dem Fall macht. Außerdem schneiden wir uns dann ins eigene Fleisch wenn die letzten Zeitschriften auch noch vom Markt verschwinden. Ich denke sie haben es ohnehin nicht mehr sehr einfach.
Die Kündigung eines Abbos einer Tageszeitung, Einsatz von Werbeblockern auf deren Seiten und bei Blockierung das Angebot meiden ist sicher ein mögliches Mittel. Im Vorfeld würde ich es aber erst mit Leserbriefen und Briefen an den Vorstand probieren um den Missstand anzuprangern. Sollte dies unbegründet bleiben, kann man einmal das entsprechende Mittel der Kündigung ausüben.
Irgendwie können sie einem schon Leid tun. Das Internet bringt Ihr gesamtes Machtimperium ins wanken. Die Leute können sich vorbei an einseitiger Berichtersattung informieren und müssen nicht mehr alles glauben.
cmd.powell:
Moin
Ich habe mir den Gesetztestext nicht vollständig durchgelesen, aber ich denke mal, das mir der generelle Kontext durchaus klar geworden ist. Letztendlich stört es mich auch nicht, das dass Urheberrecht besser geschützt werden soll. Auch kann ich völlig verstehen, das gerade die großen Nachrichtenagenturen darunter leiden, das viele ihre Informationen nur noch über Facebook und Co. beziehen. Die dort wiedergegebenen Meinungen sind letztlich fast ausschließlich Einzelmeinungen, die aber schnell einem großen Publikum zuteil werden und entsprechende Wirkung entfalten können. Hier besteht keinerlich Vergleich zu einem gut geführten Journalismus, der natürlich auch etwas kostet. Von der Seite her unterstütze ich sogar das neue Gesetz. Was mich aber maßlos stört, was eigentlich das ganze Vorhaben ad absurdum führt ist die - in letzter Zeit scheinbar in Mode gekommene (siehe das zum Glück massiv entschärfte Kulturgütergesetz) - Umkehr der Beweislast. Es ist eines der obersten Prinzipien der Demokratie, das die Beweislast beim Ankläger liegt und nicht beim Beklagten. Wenn dieses Prinzip zugunsten schwammiger Floskeln aufgegeben wird, werfen wir alle Werte, die wir und die Generationen vor uns geschaffen haben, über den Haufen und landen praktisch bei rechtlich Bedingungen, wie sie zu Zeiten der Inquisition herschten. Es kann nicht sein, das ein Generalverdacht gegen jeden die freie Komunikation lähmt. Das ist nicht nur ein Schritt in Richtung Zensur, das ist ein Schritt in Richtung Diktatur. Und letztlich ist es auch ein Armutszeugnis aller Politiker und EU-Abgeordneter, das sie in Angesicht einer scheinbaren Übermacht von einer Hand voll meist amerikanischer Großkonzerne - die sich nebenbei wahrscheinlich gar nicht von der EU-Rechtssprechung beeinflussen lassen werden - die ultima ratio wählen und einfach alle gleichermaßen treffen. Ein erbärmlicher Rundumschlag in der verzweifelten Hoffnung, es wird schon die richtigen Treffen und das gewünschte Ergebniss liefern. Eine Politik der verbrannten Erde. Das ist es, was mich an solchen Entwürfen aus Brüssel so maßlos ärgert und dann doch mit einem neidischen Auge auf die Britten schielen lässt, obwohl ich ein Europabeführworter bin. Aber mit solchen Aktionen dürfen die in Brüssel sich nicht wundern, wenn Nationalisten immer mehr Aufwind bekommen. Da fragt man sich manchmal wirklich, ob die nicht in der Lage sind, 1 und 1 zusammenzuzählen oder schlicht in Geschichte immer geschwänzt haben.
Uff, so, jetzt habe ich mal Dampf abgelassen. Ich kann nur hoffen, und werde diese Hoffnung auch nicht aufgeben, das letztlich doch die Vernuft obsiegen wird und wenigstens in Teilen das Gesetz überarbeitet wird. Ich denke mal, morgen bzw. übermorgen sind wir schon etwas schlauer. Ggf. werden wir uns hier dann Gedanken machen müssen, wie es weitergehen soll/kann. Es wäre echt traurig, wenn die ganze Arbeit hier für die Katz gewesen sein soll. Evtl. müssen Uploads vorerst geblockt werden oder eben vorübergehend manuell kontrolliert, wie auch immer und möglich. So wie ich es verstanden habe sollte ein halbwegs normaler Forumsbetrieb (ohne Uploads) ja noch möglich sein. Ich denke mal, auch wenn das Gesetz in seiner schlimmsten Form in Kraft tritt, wird noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Ein gewisser Durchhaltewillen hilft da sicherlich.
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