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Ist Sammeln noch zeitgemäß?
Detlef:
Eine Sammelkollegin aus unserer Wolfsburger Sammelgruppe erhielt von einem Bekannten kürzlich Teile einer alten Sammlung von einem Bekannten in Hagen.
Der Onkel von Ihm war verstorben und die Tante hat die Sammlung noch fünf Jahre aufbewahrt. Der Bekannte der Kollegin wusste das sie Steine sammelt. Die Kollegin sammelt zwar nur Fossilien, dieser Unterschied war ihm jedoch nicht klar.
Da er kein Interesse hatte und er die Sammlung entsorgen sollte, packte er die großen Stufen lose in Plastiktüten und entsorgte die teilweisen vergilbten Sammlungszettel.
Die Kollegin bat uns Mineraliensammlern in der Gruppe bei der Bestimmung der Minerale und der Fundorte zu helfen. Da noch etliche Handstufen, Kleinstufen und Micromounts in Hagen vorhanden waren, holte sie umgehend den Rest dort ab und konnte die Zettel dadurch noch retten.
Anhand der vorliegenden Sammlung konnte ein Sammelprofil des unbekannten Sammlers erstellt werden. Ein Großteil der alpinen Stücke stammt aus der Schwei, gefunden in den 60er und 70er Jahren. Einige Stufen hatten Schilder aufgeklebt. Dadurch war es möglich andere Stufen ohne Begleitzettel zuzuordnen.
Die Alpinsammlung war sehr hochwertig, Viele Rauchquarz- und Gwindelstufen aus Uri, darunter eine Rosafluoritstufe mit Rauchquarzkristallen. Jedoch waren auch etliche Stücke aus Östereich dabei. Dadurch konnte man bei Rauchquarzen ohne Zettel nur Uri als Fundregion nennen. Viele leicht rauchige Stufen und reine Bergkristallstufen, sowie Adular-, Amianth-, Rutil- Eisenrosenstufen konnte man nur die Fundregion Alpen zuordnen. Das schmerzliche ist, dass es sich oft um Schaustufen und Kabinettstücke zwischen 10 und 20 cm handelt.
Ein zweiter Teil der Sammlung bestand aus Siegerland und Ruhrgebietsstufen. Sowie Stufen aus Thüringen und dem Harz und Untertagefunde der Grube Clara. Hier waren zwar die meisten Zettel erhalten, jedoch wurden etliche von den Stufen getrennt bei dem Bekannten aufbewahrt. Beim Zuordnen wurden daher etliche Stücke vertauscht. So wurden Amethystdrusen aus Idar-Oberstein zu Fundstücken aus Niedersachswerfen und Gipskristalle zu Bergkristallen. Meine Sammelkollegin ist haltleider nur in Fossilien und deren Präparation stark.
Besonders schmerzlich war, dass etliche Stücke aus dem Siegerland nicht mehr zugeordnet werden können. Bei vielen vorhandenen Zetteln handelt es sích um erworbene Stücke aus der Sammlung R. Wenck in Ahrendsburg und Hamburg. Bei den beiliegenden Zetteln waren passend dazu etliche in altdeutscher Schreibschrift geschriebene Zettel mit Funddatum aus den 20er bis 60er Jahren.
Leider kann man den verbliebenen unbestimmbaren Rest nur als Flohmarktware verramschen.
Der Trost ist, das viele Stücke in Sammlungen unser Gruppe ein neues Zuhause gefunden haben.
Um jedoch auf das Thema des Threads zurückzukommen ist, dass Gleichgültigkeit mit Unwissenheit gepaart es oft zur Vernichtung von Kulturgut kommt.
Aus diesem Grund versucht die Wolfsburger VFMG- Gruppe Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und auf den geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Wert von Sammlungen aufmerksam zu machen.
Im letzten Jahr haben wir Mineralien und- Fossilien der Region am Tag der offenen Tür der Wolfsburger Entwässerungsbetriebe ausgestellt. Beim Tag der Natur haben wir im letzten August einen Pavillon mit Hilfe des Stadtforstes und Entwässerungsbetrieben mit Mineralien und Fossilien aufgestellt. Kindern haben wir viele Bruchstücke aus Bebertal im Flechtinger Höhenzug verschenkt und waren am Stand regelrecht umlagert.
In diesem Jahr halten wir einen Vortrag in der Familienbildungsstätte der Ev. Kirche und zeigen Sammlungsstücke.
Das Interesse ist vorhanden. jedoch ist es erforderlich das geowissenschaftliche Feedback zu vermitteln. Das kann schon Im Grundschulalter geschehen. Ein Sammelkollege ging mit einer Grundschulklasse und deren Lehrerin im Rahmen des Biologieunterrichtes Fossilien sammeln.
Reine Mineralienbörsen mit viel Laufkundschaft, die auch Glasschmuck kauft, erscheint hier nicht unbedingt geeignet zu sein. Ausnahmen bestätigen hier natütlich die Regel.
Ein auf unserer Börse vorgestellter Meteoritenfund des Braunschweig Meteoriten sowie einen Vortag des Meteoritenspezialisten Rainer Bartoschewitz über Exoterrestrische Gesteine war trotz Pressemitteilungen von weniger als eine Handvoll Leuten besucht.
Mein Vorschlag ist, über Bildungseinrichtungen ein Verständnis unseres Hobbys zu vermitteln, Kindern kleine Stüfchen zu verschenken und gleichzeitig den Eltern hierüber Wissen und deren naturwissenschaftlichen Wert zu zeigen. Zu vermitteln, dass es sich um unwiederbringliche Unikate der Natur handelt.
Ich finde jeder ernsthafte Sammler sollte zu diesem Wissenstransfer beitragen.
Mit freundlichen Gruß
Frank-Detlef Paul
Kluftknacker:
Eine Antwort auf diese Frage kann nur divergent sein - es kommt darauf an, aus welchen Gründen bzw. zu welchem Zweck gesammelt wird. Auch Alter und Reife des Sammelnden spielen eine große Rolle. Kurz: Eine pauschale, alles erschlagende Antwort kann es nicht geben.
Glück auf!
Elisabeth K.:
Da Sammeln nie zeitgebunden war und je sein wird (hoffentlich), kann es auch nicht zeitgemäß sein. Sammeln ist per se unabhängig von Moden und Zeitgeschehen, wie wohl es davon beeinflusst werden kann. Die Frage ist irrelevant und so ist es auch die Auseinandersetzung damit.
Glückauf!
Elisabeth
Achat-Amohr:
Elisabeth, ich stimme Ihnen voll und ganz zu, vielen Dank!
Beste Grüße
Armin
calzit:
--- Zitat von: Elisabeth Krischker am 25 Jan 20, 09:02 ---Da Sammeln nie zeitgebunden war und je sein wird (hoffentlich), kann es auch nicht zeitgemäß sein. Sammeln ist per se unabhängig von Moden und Zeitgeschehen, wie wohl es davon beeinflusst werden kann. Die Frage ist irrelevant und so ist es auch die Auseinandersetzung damit.
Glückauf!
Elisabeth
--- Ende Zitat ---
Hallo,
darum ging es eigentlich gar nicht. Vielleicht hab ich mich unglücklich ausgedrückt.
Es geht eher darum, wieso die meisten nur noch etwas anschaffen, sofern es irgendeinen praktischen Nutzen hat. Ein Buch geht noch durch. Das kann man lesen. Ein Gemälde nicht mehr, weil man nicht weiß damit was anzufangen. Das betrifft auch die Mode. Praktisch quadratisch schlicht.
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