Kein Labradorit.
Da ich ohnehin erklären muss, was man sieht, mache ich das mal - vielleicht wird's dann klarer.
Rechts sieht man einen Dünnschliff im Durchlicht mit gekreuzten Polarisatoren.
Bildausschnitt 1,5 x 1,0 mm.
Es gibt eine grau wirkende Matrix, das Material ist also durchsichtig und kristallin (sonst wäre es schwarz).
Eingelagert in die Matrix sind feine, gelbbraune Fasern.
Man erkennt feine Abstufungen in den Grautönen der Matrix. Das bedeutet, dass die Orientierung der kristallographischen Achsen der Matrix nicht überall gleich ist.
Damit man das besser sieht, habe ich das λ/4-Plättchen in den Lichtgang geschoben, das gibt dann die bekannten leuchtenden Interferenzfarben.
Jetzt erkennt man Streifen mit unterschiedlichen Farben. Das heißt, dass im Bildausschnitt die Matrix aus kristallinem Material in unterschiedlichen Orientierungen zusammengesetzt ist. Jeder Streifen entspricht einem Kristall, allerdings sind die Kristalle miteinander verwachsen und deshalb nicht von ebenen Flächen begrenzt.
Der Dünnschliff ist etwa 30µm dick. Der graublaue Ton im rechten Bild bedeutet deshalb, dass die Matrix nur leicht doppelbrechend ist, Quarz oder Feldspäte wären passende Kandidaten, manche Zeolithe auch, aber die sind als Schmuckstein unbrauchbar, also wohl eher Quarz oder Feldspat.
Die Fasern sind hell, also auch kristallin.
Was man in den Bildern nicht sieht: die Farbe und Helligkeit der Fasern ändert sich beim Drehen unter dem Mikroskop im pol. Licht nicht oder nur sehr wenig - sie bestehen also aus einer feinkristallinen Substanz. Turmaline oder Amphibole würden sich beim Drehen abwechselnd aufhellen und verdunkeln. Man kann annehmen, dass die Fasern nicht mehr im ursprünglichen Zustand vorliegen, sondern durch die gelbe Substanz pseudomorph ersetzt wurden.
Das muss reichen
