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Autor Thema: Laumontit konservieren - beste Methoden  (Gelesen 726 mal)

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Offline gsiberger

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Laumontit konservieren - beste Methoden
« am: 17 Mai 20, 12:58 »
Hallo,

ich hab kürzlich einige richtig coole alpine Stücke ergattern können: Epidotkristalle mit vereinzelten dunklen Rauchquarzen dazwischen, stellenweise überwachsten mit glänzenden Stilbitgarben.

Zwischen dieser echt ansprechenden Kombination ist allerdings eine Schicht Laumontit. So ziemlich die ungünstigste Stelle für dieses Mineral, beim Austrocknen zerfällt es und beschert meinen Stücken eine recht kurze Lebensdauer. Ich hab mal geschaut, was für Tipps es hier im Forum so gibt, kurz zusammengefasst, Haarspray und eine Mischung aus Uhu Kleber/Aceton wurden damals empfohlen.

Momentan tendiere ich zu Letzterem, weil ich fürchte mit dem Haarspray nicht die gesamte Zwischenschicht mit dem Laumontit zu erreichen. Nachdem die letzte Diskussion aber schon 8 Jahre her ist, will ich mal fragen ob mittlerweile jemand vielleicht eine noch bessere Idee hatte.

Schöne Grüße,
Johannes

Offline asgard2fx

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #1 am: 17 Mai 20, 13:21 »
Hallo,

habe einmal ein ähnliches Problem mit selbstgefundenen Laumontitstufen aus dem Oberpinzgau (Tonalitgneis) gehabt. Die sind bereits z.T. nach 1-2 Stunden schon zerbröselt, weil die wohl auch laumontithaltige Matrix die zusammenhängenden Einzelkristalle durch Austrocknung ihre Festigkeit verloren hat. Des weiteren sind dann die Kristalle nach wenigen Monaten im Begriff gewesen sehr zum Zerfall zu neigen.
Ich habe damals auch im Mineralienatlas nach Erfolgsmethoden gesucht.
Fazit: Haarspray hat nicht funktioniert und die Acryl-Klebervariante hat bei mir zwar zur Stabilisierung der Kristalle beigetragen, aber man sieht den Kleber und ein paar Kleberfäden deutlich. Schaut auch nicht schön aus. Was bleibt sich Fotos vergänglicher Schönheit. Mit mehr Mühe hätte ich ev. mehr Erfolg gehabt. Aber bei der schrecklichen Kleberoptik habe ich keine weiteren guten Optionen mehr gesehen und auch nicht weiter experimentiert.
Luftdicht eindosen mit etwas Wasser am Dosenboden war damals eine noch überlegte Option, die ich aber in der Praxis nicht weiterverfolgt habe.

Zum Glück waren aus der Kluft auch ein paar chloritüberzogene Laumontitstufen dabei - die sind super stabil. Da braucht man gar nix tun.
Bei einem anderen Laumontitfund aus dem Oberpinzgau (allerdings im Amphibolit) sind die wenigen Einzelkristalle trotz fehlendem Chloritüberzug erstaunlicherweise immer noch stabil. Also, nur am Chloritüberzug dürfts dann wohl auch nicht liegen.

Wenn du mit deinen Stufen mit irgendeiner Methode guten Erfolg hast, lass es uns bitte wissen.

Viele Grüße,

Peter

Offline heli

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #2 am: 17 Mai 20, 20:45 »
Hallo Johannes,

zu dem Thema gab es in der Mineralien-Welt 1/2010 folgenden Tipp:
1. Vor Ort die Laumontite leicht feucht, aber nicht nass in weiches Papier einpacken.
2. Zu Hause mit einer weichen Bürste reinigen.
3. Anschließend "sanfte Trocknung" am besten an der Sonne, aber nicht zu lange. Es erfordert etwas Erfahrung, den richtigen Zeitpunkt für den nächsten Schritt zu erkennen. Die Poren müssen einerseits offen sein, um neue Substanz aufnehmen zu können, andererseits darf nicht alles Wasser verdunstet sein.
4. Man rühre aus einem Teil weißen Holzleim (z. B. PVC Bastlerleim) und etwa acht Teilen Wasser eine Emulsion an und schwenke die Laumontit-Stufe einige Sekunden darin. Zum Abtropfen dann anschließend auf ein Gitter oder weiches Papier legen.
Nun wird man feststellen, dass alles mit einem unansehnlichen, milchigen Film überzogen ist.
5. Nun werden die Stücke wieder in die Sonne oder einen warmen Raum gelegt. In einigen Stunden dringt die Substanz tief in die Poren ein, während der Überschuss an der Oberfläche verdunsten kann. Wichtig ist die Wärme am Schluss damit die Lösung auch auf nicht saugfähigen Flächen (wie z. B. Quarz) vollständig verdunsten kann.
6. Konservierung in Dokumentation zum Stück aufnehmen, damit nicht irgendwann bei einer Analyse ein neues Mineral "vorgefunden" wird.

Auch unter dem Mikroskop soll bei richtiger Durchführung der Aktion nichts zu erkennen sein.

Manchmal kann eine nochmalige Behandlung nach einigen Jahren notwendig werden.

Ich habe diese Methode noch nicht angewendet, sondern bei meinen Stufen entweder nichts gemacht oder Haarspray verwendet.
Auch da hat sich gezeigt, dass die Laumontite von unterschiedlichen Fundstellen und mit unterschiedlichen Einschlüssen komplett unterschiedlich fortbestehen. Mal zerbröseln sie komplett, manchmal ist auch nach Jahren kaum eine Veränderung sichtbar.

Ich würde daher, bevor ich das Verfahren umfangreicher anwende testen wie die Laumontite einer spezifischen Fundstelle reagieren.

Grüße
Helmut


Offline gsiberger

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #3 am: 18 Mai 20, 18:21 »
Danke euch beiden für die Tipps! Klingt schon mal spannend Helmut, ich werde deine Methode vermutlich mit der oben genannten Klebstoffmethode kombinieren und hoffe auf ein gutes Ergebnis. Werde die Resultate dann hier teilen, aber komme so schnell leider nicht dazu. Derweil nehmen die Stücke hald ein ausgedehntes Bad.

Eine super Alternative wäre natürlich noch die Stücke mit Laumontit einfach in der Vitrine neben den Markasit zu legen und zu hoffen, dass beide von jetzt weg stabil sind  ;D

Grüße,
Johannes
« Letzte Änderung: 18 Mai 20, 18:27 von gsiberger »

Offline Gerdchen

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #4 am: 18 Mai 20, 18:34 »
Hallo Johannes,

sieh dir mal die Laumontitkristalle von Rheinland-Pfalz/Kusel/Jettenbach/Steinbruch am Potschberg von Harald an. Die wurden einfach mit ein wenig Sekundenkleber stabilisiert. Sammelkollegen stabilisieren mit Uhu-Aceton Gemisch. Hier aufpassen, dass sie nicht gelblich werden (zu viel Uhu).
Ich stabilisiere immer mit Sekundenkleber. Nicht zu schnell und nicht zu viel. Dann bekommen sie auch keinen Glanz. Funktioniert auch zumindest bei den Größe wie sie aus Jettenbach kommen etwa 1 - 3 cm.
An einer unauffälligen Stelle probieren. Sollte aber funktionieren.
Gruß
Gerdchen

Offline alfredo

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #5 am: 19 Mai 20, 15:15 »
Eine einfachere Lösung wäre das Laumontit zusammen mit die Fische im Aquarium auszustellen, anstatt in die Mineralienvitrine.  ;D

Offline oliverOliver

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #6 am: 19 Mai 20, 16:15 »
 ;D ;D
ist aber sicher nicht jedermanns sache ...  ;)

Offline Bergbaumuseum

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #7 am: 19 Mai 20, 22:19 »
Hallo,
ich konserviere beruflich sowohl Naturstein und z.B. auch Materialien wie Mörtel usw. es gibt da schon einige professionellere Methoden, als die hier beschriebenen, z.B. mit einer Kieselsäuredispersion oder mit Kieselsäureesther, um nur mal zwei Materialien zu nennen. Mit dem hier angesprochenen Laumonit hab ich es nicht versucht, aber ich sehe keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte?
Man müsste hier mal eine Versuchsreihe durchführen und könnte auch noch Polyurethan-Dispersionen, Acryldispersionen und Polyvinylalkohol einbeziehen, es gäbe dann noch Festiger auf Zellulosebasis.

Das sind alles bewährte Mittel um Stein zu festigen und sicher erfolgreicher, und im Ergebnis nachvollziehbarer als verdünnter Klebstoff.

Glück Auf
Stephan

Offline Emil Box

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #8 am: 20 Mai 20, 00:59 »
Zitat
Man müsste hier mal eine Versuchsreihe durchführen und könnte auch noch Polyurethan-Dispersionen, Acryldispersionen und Polyvinylalkohol einbeziehen, es gäbe dann noch Festiger auf Zellulosebasis.

Ich habe früher (1985) Cellit BP300 (Cellulose acetobutyrat?) 5% in Aceton benutzt.
Ich habe Laumontit von Osilo, Sardinien kurz eingetaucht und der Rest abgeschwenkt.
Das funktioniert gut.

Viel Erfolg.
Milo

Offline Brodi69

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #9 am: 20 Mai 20, 06:57 »
Hallo
Hat es jemand schon mal mit Natrium- oder Kaliwasserglas versucht? Üblicherweise nimmt man doch dies zur Stabilisierung unter Vakuum. .. da ich nicht davon gelesen habe frage ich mich, ob das mit Laumontit allenfalls nicht geht oder nicht genügend wäre.

Habe zwar das Equipment aber meine Laumontitstufe liegt immer noch in einer Dose mit Wasser....

Grüessli
Christian

Offline heli

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #10 am: 20 Mai 20, 16:10 »
Die Anmerkung mit Wasserglas hat meine Erinnerung angeregt: Wir hatten die Diskussion doch schon mal und siehe

https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=30509.0

Was ist da herausgekommen ?

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #11 am: 20 Mai 20, 16:49 »
Wir werden in unserer Abt. am NHM Wien Folgendes an einer vor wenigen Tagen geborgenen Laumontit-Großstufe ausprobieren:
Tränken mit in Toluol aufgelöstem Epoxidharz. Das stabilisiert poröse und bröckelige Proben generell sehr gut.
(Anmerkung: Aceton als Lösungsmittel funktioniert hier anscheinend nicht.)

Offline Emil Box

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #12 am: 20 Mai 20, 23:48 »
Hallo  Uwe,
kann das Epoxidharz vergilben oder enthält es Stabilisatoren?
Mit freundlichen Grüßen.
Milp

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #13 am: 21 Mai 20, 09:02 »
Hallo Emil,
keine Ahnung. Bei den getränkten Gesteinen war zumindest nichts zu sehen.
Wir werden in jedem Fall zuerst ein Laumontit-Stück tränken und schauen, ob sich die Farbe ändert.

Offline Bergbaumuseum

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Re: Laumontit konservieren - beste Methoden
« Antwort #14 am: 21 Mai 20, 09:40 »
Hallo,

ein Problem des Epoxidharzes kann sein, dass das Material mit der Zeit versprödet und dann auch reissen kann. Dann ist die Massnahme nicht reversibel, kann also nicht rückgängig gemacht werden, deshalb wird die Methode bei Kunstwerken heute weitgehend abgelehnt.

Glück Auf

Stephan