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Autor Thema: Stibnit  (Gelesen 8951 mal)

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Offline Lynx

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Re: Stibnit
« Antwort #15 am: 23 Jan 21, 21:00 »

Desgleichen Zinnober, ein lustiges Wort (mit doppelter Bedeutung) [...]
Aber bei Zinnober schreibt man im Lexikon wenigstens Cinnabarit (Zinnober).


Sehr schön -

Nicht, dass dann noch mit allem Zinnober Stibnit im Lexikon auftaucht...
« Letzte Änderung: 23 Jan 21, 21:08 von Lynx »

Offline alfredo

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Re: Stibnit
« Antwort #16 am: 24 Jan 21, 04:06 »
Das gleiche Problem ekzistiert auch in der spanischen Sprache: Der wahre spanische Name ist "Antimonita", aber einige Sammler anglisieren ihn in "Estibina" (was immer noch akzeptabel ist) oder "Estibnita" (schrecklich) oder sogar "Stibnita" (absolut unerträglich).

Offline aca

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Re: Stibnit
« Antwort #17 am: 24 Jan 21, 13:41 »
Ich bin sonst bei Aussprache recht pingelig, aber ab heute sage ich nur noch Boidanntitt (deutsch) oder biudantait (englisch) für das nach Monsieur Beudant benannte Mineral, denn er hat uns "Stibnit" eingebrockt. Ätsch. :P

Offline Lynx

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Re: Stibnit
« Antwort #18 am: 24 Jan 21, 14:47 »
 ;D

Offline Philip Blümner

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Re: Stibnit
« Antwort #19 am: 25 Jan 21, 09:24 »
Hallo,
dass Antimonit nach der IMA offiziell als Stibnit bezeichnet wird, ist hier mindestens schon seit 2004 bei uns in Gebrauch (siehe).

Antimonit und Antimon sind so schöne, wohlklingende Wörter, Stibnit klingt dagegen einfach nur gestelzt. Kein Chemiker sagt "Stibnium", auch auf englisch ist das antimony.
Desgleichen Zinnober, ein lustiges Wort (mit doppelter Bedeutung), "Cinnabarit" ist gequält möchtegern-international.
Aber bei Zinnober schreibt man im Lexikon wenigstens Cinnabarit (Zinnober).
Also bei Antimonit mindestens genauso verfahren.
Hallo aca,
bedenke bitte, dass der Titel der Seite Stibnit sich danach richtet, wonach du im Lexikon gesucht hast und ausgewählt hast bzw. welchen Namen (Synonym) du eingegeben hast. Wenn du "Antimonit"eingegeben hast, wird auf der Mineralseite Stibnit (Antimonit) da stehen > Mineralname (Synonym).
Suchst du nach oder wählst aus z.B. "Stibnit", wird kein Synonym dargestellt. Suchst du nach "Graues Spiegelglaserz", wird dann Stibnit (Graues Spiegelglaserz) dargestellt.
Analog jedes andere Mineral im Lexikon, wenn es Synonyme gibt.

LG Philip

Offline Lynx

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Re: Stibnit
« Antwort #20 am: 25 Jan 21, 10:41 »
Hallo zurück
... laut IMA dann aber Stibnite, und damit die englische Fassung (nachdem es ja auf Deutsch keine definierte Übersetzung sondern nur Übertragungen gibt).
Stibnit muss nicht die Übersetzung des englischen Begriffs sein, da nicht automatisch die Weglassung des "e" ein existentes deutsche Wort erzeugt. Daher sprach ich oben von  Übertragung oder eben auch Neueinführung eines Begriffs.
Also streng genommen ist Stibnit nicht die Übersetzung des englischen Begriffs ins Deutsche!

Und nochmals: die IMA defniert die englischsprachigen Begriffe!

Gruß Martin

Offline Lynx

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Re: Stibnit
« Antwort #21 am: 25 Jan 21, 11:02 »
Im übrigen könnte es sein, dass aufgrund der einfachen Zugänglichkeit und umfassenden Darstellung der Mineralienatlas eine Art de facto Zuordnung der deutschen Begriffe vornimmt, weil sich Sammler und Autoren möglicherweise daran verstärkt orientieren.   Dann könnte sich so langsam ein Zirkelschluss einstellen... Aber das ist eher eine Mutmaßung.

Offline aca

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Re: Stibnit
« Antwort #22 am: 25 Jan 21, 11:56 »
Immerhin steht da jetzt "Stibnit (Antimonit)".
Umgekehrt wäre mir lieber.

dass Antimonit nach der IMA offiziell als Stibnit bezeichnet wird, ist hier mindestens schon seit 2004 bei uns in Gebrauch (siehe).

Das ist sehr bedauerlich, auch wenn ich verstehen kann, dass man in der englischen und der deutschen Fachliteratur lieber nach den gleichen Begriffen suchen möchte.

Stibnite ist englisch und die IMA regelt englische Namen. Ich bin kein Traditionalist, Sprache wandelt sich und muss gelegentlich auch aktiv angepasst werden.
Aber was passiert dann mit anderen "offiziellen" Begriffen: Tonstein? Mergel? Muss ich in Zukunft "Gneiss" schreiben und "Neiß/nice" aussprechen?

Und selbstverständlich zementiert die Sprachregelung auf einer Webseite wie Mineralienatlas den allgemeinen Gebrauch, bestimmt mehr als z.B. die (durch kein offizielles Gremium sanktionierte) Lapis-Liste.



Offline Lynx

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Re: Stibnit
« Antwort #23 am: 25 Jan 21, 12:00 »
... konkret zum Begriff Stibnit:

C.W. Schmidt (1928 in der Neuauflage 2020 von de Gruyter, via books.google.de) Wörterbuch der Geologie, Mineralogie und Paläontologie führt zum Begriff "Antimonglanz" auch Antimonit, Grauspießglanz und Stibnit als Synonyme an.




Offline heli

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Re: Stibnit
« Antwort #24 am: 25 Jan 21, 13:23 »
Ich verstehe das Problem nicht. Viele Namen haben sich zwischenzeitlich geändert. Früher hat auch niemand Sphalerit oder Cerussit gesagt, heute kein Problem.
Und wenn man in das Mineralienportrait Stibnit hier im Atlas sieht, kann man feststellen, dass der Stibnit auch schon ein ordentliches Alter am Buckel hat.

Offline Lynx

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Re: Stibnit
« Antwort #25 am: 25 Jan 21, 13:42 »
Hallo Heli,

für mich ist die Frage, was wir wollen, wenn wir uns hier mit dem Atlas beschäftigen und ihn verbessern bzw. ausbauen. Villeicht haben wir mit dem Atlas durchaus auch eine gewisse Möglichkeit, Begrifflichkeiten zu festigen, einzuführen etc. (siehe vorangegangene Posts).
Und so sehe ich Uwes ursprünglichen Beitrag eher auch in der Richtung, wie wollen wir hier Dinge darstellen?
Was jemand in seiner privaten Sammlung tut, ist ihm im wesentlichen überlassen, was in der Wissenschaft veröffentlicht wird, weitgehend durch das Wirken der IMA bestimmt. Dazwischen bleibt durchaus ein Freiraum...

Aber ich würde das Thema auh persönlich nicht zu einem "Problem" erheben wollen, eher als interessante Frage sehen, wie wir mit Übersetzungen und deutschsprachigen Bezeichnungen umgehen wollen. Aber das ist jetzt nur meine Meinung.

Gruß, Martin

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Stibnit
« Antwort #26 am: 25 Jan 21, 18:12 »
Ich hoffe, Stefan (Schorn) wird auch noch kommentieren.

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Stibnit
« Antwort #27 am: 11 Feb 21, 19:03 »
Hallo Stefan,
hast du das eventuell übersehen oder hast du kein Bedürfnis, auf diese doch wichtige Diskussion zu antworten?

Offline Stefan

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Re: Stibnit
« Antwort #28 am: 11 Feb 21, 22:21 »
Hallo Ihr Llieben,

primär ausschlagegebend für mich ist die Auffindbarkeit der Daten und die Kenntlichkeit, dass es mehrere Namen für ein und das selbe Mineral gibt.

Der einzige derzeit offiziell anerkannte Name ist Stibnit(e). Leider ist es oft so, dass gut eingeführte und gebräuchliche Namen sich ändern. Sei es sie bekommen einen Gruppennamen mit Endungen wie -(Ce) ... oder hießen mal Bleiglanz. Wo sollen wir anfangen und wo wollen wir aufhören. Ist das Kalzit oder Calcit? Bei so strittigen Themen halte ich es gerne mit dem offiziellen Namen als primären Namen auch wenn das geschichtlich nicht immer die schönste Regel ist und ja Antimonit ist viel schöner als Stibnit.

Wir werden das Mineralienportrait Stibnit, bei dem es übrigens keine Reaktionen wegen des Namens gab, nicht in Mineralienportrait Antimonit umbenennen. Das hatten wir so zudem als Buch heraus gebracht. Insofern denke ich wird sich am Namen nicht viel ändern.

Viele Grüße
Stefan


Offline aca

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Re: Stibnit
« Antwort #29 am: 12 Feb 21, 00:57 »
>> Wo sollen wir anfangen und wo wollen wir aufhören.

Es gibt einen Aspekt, der hier noch nicht genannt wurde.

Man kann wirklich von Glück reden, dass Gips noch Gips heißt, und nicht Selenit oder nach dem neusten Trend Gypsumith.

Gips ist nämlich wie viele andere Mineralien ein Grundstoff, unter dem sich die Leute was vorstellen (staubiges Pulver, Stuckatur, Gipsverband, Rigips-Platten etc.).
Und wenn die Leute ins Museum gehen und da steht "Gips" auf dem Schild, können sie was damit anfangen - "Aha, so sieht Gips aus!".
Stünde da "Selenit", Achselzucken, da bleibt nichts im Gedächtnis hängen.

Das gleiche gilt für Zinnober, denn halbwegs gebildete Leute wissen, dass das eine rote Farbe ist, also gibt es einen "Aha-Effekt".

Auch wenn manche alten Namen wie Figuren aus der Märchenstunde klingen (z.B. Mißpickel und Scherbenkobalt) und nur Verwirrung stiften, vermitteln doch viele andere Namen etwas.
Mennige -> Orangegelbe Rostschutzfarbe
Minium -> was soll das sein? Einäugiges gelbes Männchen?

Zinnober -> Rote Farbe
Cinnabarit -> ?, klingt leicht schnöselig

Steinsalz -> Salz "aus dem Berg"
Halit -> ?

Auch jemand, der nichts von Mineralien versteht, hört doch sofort, was in diesen Mineralien steckt: Zinkblende, Zinnstein, Kupferkies, Bleiglanz.

Wenn ich Leuten was zeige, sage ich "das ist Steinsalz", "das ist Bleiglanz", etc. oder z.B. "das ist Sylvin, das ist wie Steinsalz mit Kalium statt Natrium drin". Das verstehen die meisten Leute tatsächlich. Wenn ich sagen würde "das ist wie Halit mit Kalium statt Natrium" dann kucken die Leute nur wie ein Auto und ich bin bis ans Lebensende als Voll-Nerd gebrandmarkt.
Oder wenn ich sage "das ist Aktinolith-Asbest", bleibt nur "Asbest" hängen (und die Leute sind übrigens auch nicht gleich panisch, sondern interessiert und sehen sich den Asbest genau an).

Mit den stumpf (weil ohne Not) aus der IMA-Liste übertragenen Namen erreicht man die Leute nicht.
Bitte keinen Schnösel-Zaun aus Fachchinesisch um die Mineralien und das Hobby bauen!


 

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