>> Wo sollen wir anfangen und wo wollen wir aufhören.
Es gibt einen Aspekt, der hier noch nicht genannt wurde.
Man kann wirklich von Glück reden, dass Gips noch Gips heißt, und nicht Selenit oder nach dem neusten Trend Gypsumith.
Gips ist nämlich wie viele andere Mineralien ein Grundstoff, unter dem sich die Leute was vorstellen (staubiges Pulver, Stuckatur, Gipsverband, Rigips-Platten etc.).
Und wenn die Leute ins Museum gehen und da steht "Gips" auf dem Schild, können sie was damit anfangen - "Aha, so sieht Gips aus!".
Stünde da "Selenit", Achselzucken, da bleibt nichts im Gedächtnis hängen.
Das gleiche gilt für Zinnober, denn halbwegs gebildete Leute wissen, dass das eine rote Farbe ist, also gibt es einen "Aha-Effekt".
Auch wenn manche alten Namen wie Figuren aus der Märchenstunde klingen (z.B. Mißpickel und Scherbenkobalt) und nur Verwirrung stiften, vermitteln doch viele andere Namen etwas.
Mennige -> Orangegelbe Rostschutzfarbe
Minium -> was soll das sein? Einäugiges gelbes Männchen?
Zinnober -> Rote Farbe
Cinnabarit -> ?, klingt leicht schnöselig
Steinsalz -> Salz "aus dem Berg"
Halit -> ?
Auch jemand, der nichts von Mineralien versteht, hört doch sofort, was in diesen Mineralien steckt: Zinkblende, Zinnstein, Kupferkies, Bleiglanz.
Wenn ich Leuten was zeige, sage ich "das ist Steinsalz", "das ist Bleiglanz", etc. oder z.B. "das ist Sylvin, das ist wie Steinsalz mit Kalium statt Natrium drin". Das verstehen die meisten Leute tatsächlich. Wenn ich sagen würde "das ist wie Halit mit Kalium statt Natrium" dann kucken die Leute nur wie ein Auto und ich bin bis ans Lebensende als Voll-Nerd gebrandmarkt.
Oder wenn ich sage "das ist Aktinolith-Asbest", bleibt nur "Asbest" hängen (und die Leute sind übrigens auch nicht gleich panisch, sondern interessiert und sehen sich den Asbest genau an).
Mit den stumpf (weil ohne Not) aus der IMA-Liste übertragenen Namen erreicht man die Leute nicht.
Bitte keinen Schnösel-Zaun aus Fachchinesisch um die Mineralien und das Hobby bauen!