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Autor Thema: Aufbewahrung von Realgar  (Gelesen 3679 mal)

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Offline Uwe Kolitsch

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Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #30 am: 20 Jun 21, 19:00 »
> Clark, A.H. (1970) Alpha-arsenic sulfide from Mina Alacrán, Pampa Larga, Chile. American Mineralogist, 55, 1338-1344.

Daraus wurde später Alacránit.

Offline Lynx

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #31 am: 20 Jun 21, 19:02 »
Danke - sehr gut! Das erklärt mir einiges!

Offline Lynx

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #32 am: 21 Jun 21, 17:33 »
Hallo zusammen

Zur Wirkung von Sauerstoff gibt es ein Modell, wonach im initialen Schritt durch Licht (500 nm -  710 nm) und der Präsenz von Sauerstoff eine  dann selbsterhaltende Reaktionskette gestartet wird, die schließlich über Uzonit und mit Arsenolit als Nebenprodukt zu Pararealgar führt (übernommen aus 4).

Die Licht (hν) getriebenen Schritte sind:

(i)    5 As4S4 (Realgar) + 3O2 + hν -> 4 As4S5 (Uzonit) + 2 As2O3 (Arsenolith)
(ii)    As4S5 (Uzonit)->As4S4 (Pararealgar) + S

Hier geht Sauerstoff ein und der Schwefel wird frei, der zur selbsterhaltenden Reaktion führt. Daneben entsteht Arsenolith.
Die selbsterhaltende Weiterreaktion wird beschrieben durch ein zyklisches Reaktionspaar

(iii)  As4S4 (Realgar) +S -> As4S5 (Uzonit)
(iv)  As4S5 (Uzonit) -> As4S4 (Pararealgar) + S

In Summe bedeutet dies, dass durch Licht und die Präsenz von Sauerstoff die Reaktion initiiert wird, und dann aber fortschreitet (4). Hierbei sehe ich durchaus den von Klaus und anderen gezeigten bzw. angesprochenen Einfluss der Kristallqualität. Ein hochgeordneter Kristall wird nur an der Oberfläche mit Sauerstoff in Kontakt kommen, und dort die Reaktion starten. Das führt dann zu einem entfernbaren Überzug mit Pararealgar und Arsenolith. Liegt ein Aggregat vor oder kann Sauerstoff durch die große (interne?) Oberfläche eines polykristallinen Gebildes oder durch andere Mechanismen weit ins innere eine Kristallaggregats eindringen, so wird dann auch dort die Reaktion photokatalytisch gestartet - das Material zerfällt "von innen" zu Pararealgar.

Für die Konservierung bedeutet das:
-Sauerstoffabschluss (damit zumindest die Reaktion nicht immer wieder von neuem gestartet wird, wenn wieder frische Realgar exponiert wird)
und
-Lichtausschluss. Da der sensitive Bereich türkis bis tiefrot umfasst (also insbesondere den Bereich um gelb, in dem unsere Auge besonders gut sehen; vgl auch Spektrum), ist gefiltertes Licht zur Betrachtung keine Option: Unter blauem Licht sieht Realgar - nun ja  - nicht interessant aus....
Also: in eine dunkle Box und nur kurz anschauen.



(4) Jovanovski, G., & Makreski, P. (2020). Intriguing minerals: photoinduced solid-state transition of realgar to pararealgar—direct atomic scale observation and visualization. ChemTexts, 6(1), 1-14.


Grüße, Martin

P.S.
Da fällt mir nochwas ein. Ist der Strich von Realgar wirklich gelborange? Oder passiert beim Abreiben genau die Transformation zu Pararealgar, wobei evtl. die Energie durch die Reibung zugeführt wird und Sauerstoff typischerweise präsent ist? Was passiert, wenn man Realgar in Öl (? Vorsicht - die Frabe kann dann auch anders erscheinen) zerreibt?
« Letzte Änderung: 22 Jun 21, 12:11 von Lynx »

Offline Haubi

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #33 am: 21 Jun 21, 18:12 »
Tach jesacht,

dieses interessante Thema hat mich heute zu einem Fotovergleich animiert:

unten abgebildet eines meiner Realgar-Thumbnails von der Shimen Mine in China, erworben im Frühjahr 1993 auf einer Mineralienbörse habe ich dazumal das Stück umgehend in eine mit schwarzem Karton ausgekleidete Jousibox eingedost. Gelegentlich ans Licht geholt und unterm Bino betrachtet blieb es seitdem meist in diesem dunklen Milieu. Im Jahr 2013 habe ich es erstmalig fotografiert und zum Vergleich heute in 2021 nochmals etwa in der gleichen Ansicht. Mir fallen keine signifikanten Zerfallsschäden auf. Ich habe auch eine historische Realgarstufe aus den 1920er Jahren aus Nagyag/Rumänien, die sich wacker hält und nicht ans verwittern denkt. Möge es so bleiben...
Der chinesische Realgar ist ca. 15x15mm groß, der größte Kristall misst 1cm.

Glückauf von Haubi

Offline Lynx

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #34 am: 21 Jun 21, 18:50 »
Da fällt mir nochwas ein. Ist der Strich von Realgar wirklich gelborange? Oder passiert beim Abreiben genau die Transformation zu Pararealgar, wobei evtl. die Energie durch die Reibung zugeführt wird und Sauerstpoff typischerweise präsent ist? Was passiert, wenn man Realgar in Öl (? Vorsicht - die Frabe kann dann auch anders erscheinen) zerreibt?

Gerade hab ich es mit Realgar in Silikonöl versucht. Der Strich ist auch gelborange.

Gruß, Martin

Offline Lynx

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #35 am: 21 Jun 21, 21:23 »
Hallo Uwe,

da hat sich nichts getan in den Jahren seit 2013. Die Kristalle sind auch gut ausgebildet. Ich selber habe rumänischen Realgar, gekauft vor drei Jahren. Da sieht man schon deutliche Spuren, und das obwohl das Stück bei mir immer dunkel in einem Schrank gelagert war und ich es nicht oft ans Licht geholt habe.

Grüße, Martin

Offline cmd.powell

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #36 am: 22 Jun 21, 20:26 »
Moin Martin

Ich denke, das Fazit, welches Du gezogen hast, ist schon sehr gut ausformuliert. Die Beschreibungen hier decken sich auch mit meinen Beobachtungen. Vielen Dank für die vielen Literaturlinks.
Ich denke auch, das die "innere Oberfläche", also z.B. Korngrenzen, Risse, Inklusen etc. eine wichtige Rolle spielen, da sie die Angriffsfläche vergrößen. Neben Realgar und den oben erwähnten Chlorargyrit habe ich auch regelmäßig die Beobachtung gemacht, das Markasitknollen aus dem Mergelgruben hier rund um Hannover besonders instabil sind, wenn sie sehr feinkörnig ausgebildet sind. Je gröber die Markasitkristalle, desto länger und besser halten sich die Stücke. Natürlich darf man hier nur Knollen aus einer Grube miteinander vergleichen, da es generell große Unterschiede in der Stabilität von Fundstelle zu Fundstelle gibt (Misburger und Wunstorf-Kolenfelder ziemlich stabil, Höveraner lässt man besser gleich in der Grube liegen - spart die Schlepperei).

Offline Tycho88

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Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #37 am: 22 Jun 21, 22:26 »
Hallo Markus

>>...Höveraner... << Gehört die Kreidemergelgrube Höver zu Holcim, wo es Sammlertage gibt ??

Bei uns oben gibt es bei Itzehöhe eine Kreidegrube/Holcim wo man zu bestimmten Tagen rein darf
Auf der Fahrt in die kalte Heimat fahre ich immer daran vorbei, ( wo bei ich glaube das ich  da vonder A7 auf ne andere Grube schaue)
Also der dortige Pyrit/Markasit ist dort nicht sammelwürdig ??

Gruß Chris

P.S. Sorry, wenn mein Beitrag gerade von der Thematik abschweift

Offline cmd.powell

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #38 am: 23 Jun 21, 19:28 »
Moin Chris

Puh, ich war jetzt zugegeben schon ewig nicht mehr in Höver. Aber es ist leider wirklich so, das die Markasite von dort durch die Bank weg nicht stabil sind. Ich habe in meiner Anfangszeit dort oft gesammelt und hatte etliche Markasite/Pyrite von dort. Hatte! Alle futsch. Misburg (liegt nur wenige Kilometer nördlich) hat zum einen deutlich größere und stabile Markasite geliefert. Lange Zeit war die Grube offengelassen, inzwischen wird dort wieder abgebaut und der Zugang ist eingeschränkt. Ich meine aber, die Betreiberfirma (Holcim ???) erteilt Genehmigungen. Alternativ gibt es noch besagten Bruch Wunstorf-Kolenfeld, die Markasite dort sind auch schöner als die von Höver und stabil, nur leider steht der schon ewig offen und gleicht inzwischen mehr dem Amazonasgebiet als einem Steinbruch. Die Markasitfundstellen sind zwar noch zugänglich, man muß allerdings wissen wo die Markasite sitzen, damit man fündig wird. Ich war 2016 das letzte Mal dort und hab noch einige Knollen und Aggregate gefunden.

Offline Lynx

Re: Aufbewahrung von Realgar
« Antwort #39 am: 05 Okt 21, 20:01 »
Hallo zusammen,

dieses Thema habe ich aufgearbeitet und im Mineraliensteckbrief zu Realgar eingbaut damit die Diskussion nicht im Nirvana des Forums verschwindet.

Gruß, Martin

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