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Porphyrische Lagerstätten liefern ca. 100% des Molybdäns - wie erklärt sich das?
Lothar Schuh:
Hallo,
ich mache mich nach und nach schlau bezüglich Lagerstätten.
Porphyrische Lagerstätten liefern ca. 100% des technisch eingesetzten Molybdäns - wie erklärt sich das?
Gruß
Lothar
felsenmammut:
Glück Auf!
Vielleicht wäre es hilfreich den Hintergrund der Fragestellung und den Zusammenhang mit dem Bild im Anhang etwas zu erläutern. Da die Grafik weit entfernt von selbsterklärend ist, kann man über den Inhalt sinnieren oder sich anderen Themen widmen. Es ist auch nicht ersichtlich, ob die Frage auf einen lagerstättenökonomischen Aspekt oder auf eine metallogenetischen Aspekt abzielt. Vielleicht reicht eine Trivialantwort oder es ist doch eine fundierte fachlich ausgeführtere Antwort erforderlich.
95% der Primärkupferproduktion kommt aus Porphyrylagerstätten. Warum ist das so? Eine Antwortmöglichkeit: Nachdem die Flotation erfunden wurde und die Aufbereitung feinkörniger Erze mit nur wenigen Prozent Metallgehalt möglich wurde, um verhüttbare Konzentrate herzustellen, verlagerte sich die Lagerstättensuche auf einen bis dahin wenig beachteten und als solchen lange Zeit nicht erkannten Lagerstättentyp. Mit der gezielten Suche an ehemaligen und rezenten Subdunktionszonen wurden viele, in ihrem Metallinhalt riesige Lagerstätten entdeckt und veränderten die Bergbauökonomie hin zu Gewinnung und Aufbereitung von zig oder hundert Millionen Tonnen pro Jahr und Lagerstätte bei langen Laufzeiten von Jahrzehnten. Milliardeninvestitionen stehen tägliche Umsätze von Millionen gegenüber.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
smaragd123:
Also deine Abbildung ist wirklich sehr verwirrend. 10 Lagerstätten-Typen in ein Diagramm gepresst, das bringt einen nicht wirklich weiter.
Und wenn es dir rein um die Entstehung geht, hast du Recht, der größte Teil der heutigen Molybdän Gewinnung kommt aus hoch-hydrothermalen Imprägnationen, ähnlich den Porphyrischen Kupfererz-Lagerstätten (0,06% Mo). Das Molybdän liegt dann meist als Molybdänit vor, der primär hydrothermal aus dem Intrusivkörper entstanden ist. Sekundäre Molybdän-Erze sind eher seltener.
"Die Imprägnationen sind an Subduktions-bezogene subvulkanische Intrusionen gebunden, deren Gesteine häufig porphyrische Gefüge aufweisen, und werden daher als porphyrische Molybdän-Erzlagerstätten bezeichnet.
Überragender Vertreter, der zeitweilig bis zu 80 % an der Weltproduktion beteiligt war, ist die Climax-Mine in Colorado (USA) mit Durchschnittsgehalten von 0,25 % Mo und Vorräten von über 500 Mio. t Mo-Erz. Hier werden die äußeren Zonen eines größeren Körpers von Granodiorit-Porphyr in einen dichtkörnigen, zwitterähnlich aussehenden Greisen umgewandelt.
Molybdänit imprägniert in einem dichten Netzwerk feiner Klüfte den Greisen. Kreuz und quer verlaufende Quarztrümer enthalten neben Molybdänit auch etwas Kassiterit, Wolframit und teilweise viel Pyrit. Die zentraleren Partien des Granodiorit-Porphyrs sind völlig verkieselt. Es handelt sich um eine typische Stockwerkvererzung.
Gleicher Entstehung ist die benachbarte Henderson-Mine mit Erzvorräten von ca. 300 Mio. t und Gehalten von 0,4 % Mo. Von zunehmender Bedeutung sind die porphyrischen Molybdänerz-Lagerstätten des neu entdeckten Xilamulun-Metallgürtels am Nordrand des Nord-China-Kratons, die z. T. Metallreserven von >100 000 t Mo aufweisen." (Matthes, Siegfried. Mineralogie: eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer-Verlag, 2013).
Wenn du dich für Lagerstätten interessierst kann ich dir das Buch echt empfehlen, da findest du wahrscheinlich so gut wie alle Antworten auf deine Fragen.
Grüße Noah
Lothar Schuh:
Danke allerseits für die Info! (und den Buchtip)
Meine Frage ist unpräzise (mein Fehler - ich hätts klarer ausdrücken sollen). Ich stell die Frage nochmal
1) Wenn ich auf das Bild meine 1. Mail schaue, dann sehe ich zB Cu oder Au in verschiedenen Lagerstättentypen.
2) Mo aber nur in einem Typ (porphyrisch)
Frage: welche besondere Eigenschaft von Mo sorgt dafür?
Mir ist aufgefallen: Im Gegensatz zu Cu, Zn, Ni, Sn, Au kann Mo in 5 Oxidationsstufen vor: MoII, MoIII, MoIV, MoV und MoVI UND es bildet "seltsame" Molybdate (die bis 8 Mo-Ionen einhalten) Könnte das eine Rolle bei der hydrothermalen Komplexbildung eine Rolle spielen?
(Ich bin halt Chemiker und kein Geologe/nur Autodidakt)
Gruß
Lothar
giantcrystal:
Hallo Lothar
die Antworten bisher waren schon sehr richtig und hilfreich, denke ich
Zwei Punkte noch von mir :
1. Die Grafik ist wirklich unterirdisch und verwirrt nur. Wer immer sie sich ausgedacht hat, hat von Lagerstätten wenig Ahnung...
2. Die Prämisse ist schlichweg falsch. Es ist keineswegs so, das Mo zu 100 % aus Porpyrischen Lagerstätten stammt. Molybdän wird aus vielerlei Erzen und Lagerstätten gewonnen, auch in der Gegenwart
Nur mal ein paar Beispiele :
- Immer wieder wurde in hierfür geeigneten Lagerstätten Wulfenit als Erz gewonnen, sicherlich auch heute noch
- Ich kenne eine ganze Reihe von Molybdänitlagerstätten, die früher im Abbau standen und das teilweise auch heute noch tun, z.B Wolfram Camp in Australien
- Molybdän wird an mehreren Orten aus Schwarzschiefer - Lagerstätten gewonnen
- Auch Kohleaschen liefern verschiedentlich Molybdän in wirtschaftlichen Mengen
Glück Auf
Thomas
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