Mineralien / Minerals / Minerales > erledigte Bestimmungen / completed determinations

Gibt es Pyrit als Dodekaeder? / ja (hier mit Siderit)

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Indigo-Licht:
Guten Abend allerseits,

heute morgen hat brachte mir meine sechsjährige Tochter einen Schatz, den sie beim Spielen in unserem Garten gefunden hat. Sie möchte unbedingt wissen (und ich natürlich auch  :) ), was sie da genau für einen Stein gefunden hat. Ich hätte im ersten Moment auf einen Pyrit getippt, aber die Form erscheint mir etwas ungewöhnlich. Ich bin mir sicher, dass uns hier jemand auf die Sprünge helfen kann!

Wir wohnen in Goch am Niederrehin und ich habe leider keinen Schimmer, wie dieses Stein in unseren Garten kam. Mir war er in den letzten 12 Jahren zumindest noch nicht aufgefallen...

Vielen Dank schonmal für eure Hilfe!

Liebe Grüße,

Andreas

Indigo-Licht:
Nachtrag: Der Fund ist ca 6 x 6 cm groß.

giantcrystal:
Hallo aus Mittelfranken

Das sieht sehr nach Pyrit auf Siderit auf Kohleneisenstein aus....mithin eine Paragenese, wie sie recht typisch für das Ruhrkarbon ist.

Ich vermute mal, das das Stück sich von einer Kohlenhalde in euren Garten verrirt hat

Trotzdem ein schönes Stück

Gruss und Glück Auf

Thomas

felsenmammut:
Glück Auf!

und herzlich willkommen im Mineralienatlas-Fossilienatlas.

Bei der Mineralstufe handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Pyrit (gelb) auf Siderit (braun). Die Stufe ist äußerst kinderfreundlich, da wohl nur beim Werfen der Stufe eine Gefahr von selbiger ausgeht.

Die gelben Pyrite sind in der Tat als Dodekaeder ausgebildet. Dodekaeder ist aber unvollständig richtig, korrekter wäre Pentagondodekaeder (https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Dodekaeder?edit=on). Aber auch das ist letztlich falsch, da Pentagondodekaeder eine fünfzählige Symmetrie aufweisen und fünfzählige Symmetrien eine periodische, sich wiederholende Anordnung, wie sie für den lückenlosen, regelmäßigen Aufbau dreidimensionaler Kristalle benötigt wird, verbietet. Rein mathematisch lässt sich das Pentagondodekaeder sehr wohl beschreiben und Platon hat es zu den 5 Polyedern gezählt, die aus deckungsgleichen, regelmäßigen, ebenen Vielecken begrenzt sind. Wenn man lange genug Pyritkristalle mit Pentagondodekaederform sammelt und die Winkel ausmisst, so wird man immer feststellen, dass sie stets unterschiedlich sind. Eine mathematisches Pentagondodekaeder hätte identische Winkel in jeder Ecke. Da das Pentagondodekaeder aber recht passend die Form des Pyrits mit Fünfecken beschreibt, wird es weithin genutzt. Auch der Begriff Pyritoeder wird dafür verwendet. Neben dem Pentagondodekaeder gibt es weitere Dodekaeder.

Kristallographisch interessant ist auch das Design der Unterlage der Pyritstufe auf den Fotos, obwohl es keineswegs zur Bestimmung der Stufe beiträgt.

Pyrit und auch Siderit sind an dem Fundort in Oberflächennähe instabil, oxidieren und zersetzen sich mit der Zeit. Es ist daher in der Tat von einem anthropogenen Eintrag der Mineralstufe in den Fundort anzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Indigo-Licht:
Wow, vielen herzlichen Dank an Thomas und Markus für die tollen Antworten! Ich werde mal versuchen, meiner Tochter den Sinn in kindgerechten Worten wieder zu geben, was allerdings bei der detaillierten Formulierung von Markus eine Herausforderung werden dürfte :D
PS: die Unterlage auf den Fotos ist unsere Gartentischdecke und reiner Zufall! Aber tatsächlich doch recht passend zum Thema :)

Liebe Grüße

Andreas

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