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Karbon-Fossilienraten - und bisher überhaupt keinen Verdacht

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Detlef:
Ich habe noch zwei weitere Bücher zum obigen Thema gefunden.
Beide stammen aus der Mitte des 19.Jahrhunderts. Aus diesem Grund sind die Namen möglicherweise nicht mehr gültig.
Bestimmungen sollten mit Angabe des Autors versehen werden. Gottseidank wurde im Karbon nicht so häufig wie im Jura und der Kreide geändert.
ETTINGHAUSEN,C.v. 1854, Die Steinkohlenflora von Radnitz in Böhmen, Abh. d k.k.Geologischen Reichsanstalt,II.Band, 3.Abh. No.3.
https://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Abh-2-4-GRA-Ettingshausen-Flora-Radnitz.pdf

GEINITZ, H.B. 1855, Die Versteinerungen der Steinkohlenformation in Sachsen
https://www.biodiversitylibrary.org/item/280838#page/1/mode/1up

Detlef:
Ich habe noch einen Interessanten Artikel, der eventuell zum Bestimmen hilfreich ist, in einer alten Paleontographica gefunden.
Hier empfehle ich, wenn die pdf heruntergeladen ist, die Leerseiten und die die nicht zum Artikel gehören mit einem pdf-Tool zu löschen, da sich die 504 Seiten wie Kaugummi ziehen.

ROEHL, E. 1868, Fossile Flora der Steinkohlenformation Westphalens, einschließlich Piesberg bei Osnabrück, Palaeontographica 18. Bd. 1868-69, 32 Tafeln
https://www.biodiversitylibrary.org/item/109721#page/411/mode/1up

Heureka:
Hallo und Glück auf zusammen,

vielen herzlichen Dank Oliver und auch Detlef für die viele Lektüre und eure ganze Mühe mit mir und meinen Funden!
Da werde ich mal überlegen, wie ich das wieder gut machen kann...

Ich habe mir jetzt erstmal Haldenverbot erteilt, weil ich durchdrehe, wenn ich noch mehr lesen und bestimmen sollte. Ich muss erst einmal mit den alten Sachen klar kommen  ;)

Seit Wochen habe ich mich nur durch Lektüre hinsichtlich Sigillarien und Lepidodendren gewühlt, um mit meinen Funden in dieser Richtung mal weiterzukommen. Dabei hatte ich auch immer diesen Fund im Hinterkopf und geschaut, ob da etwas passen könnte. Das einzige, was ich gefunden hatte und zumindest ein bisschen Ähnlichkeit mit der Form der 3 Abdrücke aufwies, war eine Sigillaria micaudi. Aber das passte für mich auch alles nicht wirklich zusammen. Auch dachte ich, dass die Rindenstruktur der Siegel- und Schuppen-Fraktion nicht so passend schien. Zumal man an dem Original ganz gut erkennen kann, dass sich diese riefige ungleichmäßige Rillenstruktur zwischen den 3 Abdrücken, sowie auch zu beiden Seiten hin, komplett durchzieht. Ich fand das alles nur noch seltsam... Auch frage ich mich, warum sich über die gesamte Breite das Muster nicht wiederholte und die Abdrücke, trotz der feinen Riefenstruktur, so tief und scharf abgegrenzt sind. Anstatt irgendwelcher Erkenntnisse, kamen nur neue Frage auf...

Auf so etwas wie Baumfarn wäre ich gar nicht gekommen, bin jetzt aber neugierig geworden. Soeben hatte ich mir etwas dazu runtergeladen und ich nenne mal den Link dazu: https://www.ideals.illinois.edu/bitstream/handle/2142/43240/pennsylvaniantre492pfef.pdf?sequence=2&isAllowed=y
Ich hatte noch keine Zeit das zu lesen und gucke die Tage mal in Ruhe, auch was ich sonst noch herausfinden kann.

Es wäre schön, wenn wir das hier irgendwie gemeinsam bestimmt bekommen würden und ich danke schon einmal allen, die das vielleicht interessiert und dabei helfen könnten!

Liebe Grüße aus dem Kohlenpott sendet
Christiane





Sargentodoxa:
Hallo Christiane
Ich versuche dir auch mal zu helfen und im Anschluss werde ich dir meine Erfahrungen / Herangehensweise aus 30ig jähriger Beschäftigung mit Pflanzenfossilien kurz schildern.
Zu deinem oben gezeigtem Stück: Ich denke Detlef ist auf der richtigen Spur. Syringodendron, Erhaltungszustand einer rhytidolepen Sigillaria
Diese großen Skulpturnarben wird mit dem Dickenwachstum an der Basis der Stämme in Verbindung gebracht.
(siehe auch GOTHAN & WEYLAND: Lehrbuch der Paläobotanik)
Da ich auch so ein Stück habe verstehe ich auch euren Seitenblick zu den Baumfarnen. Diesen Irrweg bin ich auch kurz eingeschlagen, aber es ist die logische Konsequenz, wenn man Bestimmungen nur von Bildern ableitet und nicht die dazugehörige Beschreibung liest. Bei Baumfarnen ist die Streifung breiter und es sollten runde Ansatzstellen der Luftwurzeln vorhanden sein. Auch ist die Narbe nicht so einfach gestaltet.

Nun mein Rat, den ich schon vielen Pflanzensammlern gegeben habe und der wird ziemlich ernüchtern ausfallen:
Man will zu viel, du setzt dich viel zu sehr unter Druck anstatt die Beschäftigung mit diesem interessanten Thema zu Genießen.
Schlicht und einfach: Vergiss die Bestimmungen bis auf Artniveau, bei diesem Erhaltungszustand ist nur eine grobe Einteilung / Einordnung in Kunstgattungen oder nur noch auf Ebene der Familie möglich.
Du suchst krampfhaft im Netz nach Vergleichsbilder, in wissenschaftlichen Abhandlungen werden aber meist nur Top-Erhaltungszustände bearbeitet, wirst also deine Belegstücke kaum finden. Private Homepage sind stark fehlerbehaftet und würden einer wissenschaftlichen Überprüfung kaum standhalten.
Alte Literatur ist zwar schön und gut, habe ich auch noch in Schriftform, da ich ein Buch-Fan bin, sind aber mit Vorsicht zu Genießen.
Viele Arten sind heute revidiert. Ich kenne Blattfloren aus dem Tertiär, da blieb von zehn Arten nur noch eine übrig. Oder Kreide, da wurden die Gattungen und Arten nur noch allg. in Kunstfamilien zusammengefasst, da waren unsere alten Wissenschaftler wohl zu optimistisch.
Ich rate Anfänger zu einfacher Literatur, u.a. müsste folgendes noch einfach anzuschaffen sein:
KRUMBIEGEL & WALTHER: Fossilien
A.E.Richter: Handbuch des Fossiliensammler
Da gibt es gute Zeichnungen für die Einordnung bis Gattungsebene. Dies ist aus meiner Sicht erstmal sinnvoll, eine grobe Einteilung / Einordnung dieser Funde!
Solltest du durch intensives Sammeln weiteres jetzt gutes Material finden, empfehle ich Spezialliteratur für deine Sammelregion (es nutzt dir der Blick über den großen Deich recht wenig!)
K-H.Josten: Die Steinkohlen-Floren Nordwestdeutschland (wenn überhaupt noch erhältlich!)
Da must du dich dann intensiv einlesen und den wissenschaftlichen Text auch verstehen (Grundbegriffe der Botanik erlernen), denn der Blick auf den Tafelteil reicht nicht zu einer guten Bestimmung. So ...
Zum Schluss mal ein Beispiel wie kompliziert Bestimmungen ablaufen können.
In meinen Beiträgen zu Kieselhölzer habe ich es oft erwähnt, auch langjährige Wissenschaftler tun sich mit Bestimmungen sehr schwer.
Oder mal anders, drei Situationen selbst erlebt: Ich habe einen tertiären Blattrest mit wunderbarer Randausbildung im Tagebau gefunden. Zeige  es einen Wissenschaftler, der sich Jahrzehnte damit befasst hat: Antwort: Unbestimmbar! Frage: Rand ist doch optimal ausgebildet: Antwort: Ohne Spitze, ohne Basis kann es Gattung A,B,C ... sein, also unbestimmbar!!!
2.Situation: Es wir 1 Blatt 3 Doktoren / Professoren gezeigt: Ergebnis 3 Arten verschiedener Gattungen, nach 10min Einigung auf eine Gattung.
3. Situation: Es gibt Wissenschaftler, die z.B. im Tertiär der Meinung sind, das man nur mit Kutikeln eine eindeutige Artbestimmung vornehmen kann, nach morphologischen Merkmalen immer Fehlerbehaftet!
So stehe ich nun mit meinen ca. über 500 tertiären Blättern in meinem Keller ziemlich ratlos da. Aber was soll es: Ich bestimme es so gut es geht bis auf Gattungsniveau, geht mein Kram mal ins Museum, können sich andere daran die Zähne ausbeißen.
So Christiane: Geh raus und sammle intensiv weiter. Jeder Tag auf der Halde sind die Fossilien der Witterung ausgesetzt. Sie werden von der Erhaltung nicht besser. Erfreue dich am Sammeln! Ich weis, man will an sein Fundstück etwas dran schreiben, aber ein Fragezeichen, oder indet, oder nur eine grobe Einteilung sind immer besser als eine total falsche Artbestimmung. Werner aus der Lausitz




jlies:
hallo werner,
sehr schon be- und geschrieben — danke fürs teilen!
viele grüße
jörn

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