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Autor Thema: Phosgenit oder Anglesit? Monteponi Sardinien - Analyseadresse gesucht / Calcit  (Gelesen 1893 mal)

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Offline Junibolte

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Hallo, zusammen,

habe aus der Sammlung meines Vaters noch eine Stufe mit der Angabe Phosgenit / Monteponi / Sardinien.
Da ich die Stufe unter anderem demnächst veräußern möchte. würde ich mir gerne sicher sein, das es auch Phosgenit ist.
Könnte auch Anglesit sein. Ich bin jedenfalls nicht in der Lage, eine eindeutige Bestimmung vorzunehmen.
UV ist rosa wie auf den Fotos. Da Kristallformen und UV-Farbe eine eindeutige Bestimmung nicht zulassen, würde ich das Stück gerne analysieren lassen.
Matrix ist dunkel mit unzähligen kleinen Hohlräumen, sehr schwer.
Es wäre schön, wenn mir jemand eine Adresse zur Bestimmung zukommen lassen würde. Möglich wäre es, am Rande ein Stückchen beschädigten Kristalls abzuzwacken und einzusenden. Oder gibt es andere zerstörungsfreie Methoden zur Bestimmung?

Gruß

Hans Peter
« Letzte Änderung: 28 Apr 22, 17:20 von oliverOliver »

Offline Junibolte

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Offline Junibolte

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Hallo, elmut,

danke für die tolle Info.

Ein schönes Wochenende

Hans Peter

Offline Uwe Kolitsch

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    • Uwe Kolitsch, NHM Wien
Musst du nicht analysieren lassen - das ist eindeutig (typische Morphologie) Phosgenit.

Offline Junibolte

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Hallo, Uwe,

vielen Dank für die Info. Da diese Stücke aber recht teuer gehandelt werden, ist mir eine Analyse als Dreingabe wirklich lieber.

freundliche Grüße und ein schönes Wochenende

Hans Peter

Offline felsenmammut

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Glück Auf!

mir erscheinen in den Bildern vier Verdachtsmomente, die mich eher auf Calcit schließen lassen:
- Rosa Fluoreszenz ist bei Calcit weit verbreitet. Die häufigsten Fluoreszenzfarben bei Anglesit und Phosgenit sind Gelbtöne.
- Die besonders im Bild DSC08886.jpg den Betrachter anspringende, deutliche Doppelbrechung
- Die ebenfalls in Bild DSC08886.jpg angedeutete Zwillingsbildung. Für Anglesit und Phosgenit sind mir keine Zwillinge bekannt.
- die stellenweise eher für Calcit typischen Flächenkombinationen aus (als solche gedeutete) Rhomboederflächen

Es würde sich daher wohl lohnen einen Karbonattest mit ein paar Tropfen Salzsäure auf einem Glasträger an ein paar kleinen Bruchstücken durchzuführen. Ein Kubikmillimeter reicht völlig aus, um zu sehen, ob da massenhaft Gasblasen (Calcit und Phosgenit, wobei Phosgenit langsamer reagiert) entstehen oder sich die Feststoffsubstanz gar nicht oder nur sehr langsam und dann ohne Gasentwicklung (Anglesit) auflöst. Wenn man die Tropfen in Ruhe eintrocknen lässt, bilden sich bei Phosgenit weiße/(farblose) Nadeln aus Bleichlorid. Bei Calcit bleibt nur eine krümelige Masse aus Calciumchlorid zurück. Die Ausbildung der Feststoffrückstände ist vor allem mit einem Mikroskop gut zu erkennen. Manchmal sieht man aber auch schon mit bloßem Auge ein paar vom Rand des eingetrockneten Tropfens ins Zentrum gewachsene nadelige Aggregate.
Wenn die großen Kristalle einfache Calcitrhomboeder wären, dürften eigentlich keine rechten Winkel zwischen den angrenzen Flächen beobachtbar sein. Bei Phosgenit (tetragonal) und Anglesit (orthorhombisch) stehen alle Achsen senkrecht aufeinander und man hat in der primitivsten Kristallform einen Quader (wobei bei Phosgenit zwei Kantenlängen gleich sind). Sind höherindizierte Flächen beteiligt und ungleichmäßig ausgebildet, kann es schnell schwierig werden, aus Tracht und Habitus auf eine Kristallform zu schließen.
Wenn am Rand der Stufe beschädigte Kristalle zu finden sind, lohnt es sich nach Spaltflächen zu suchen. Calcit zeigt ausschließlich Spaltflächen und diese ausschließlich in Rhomboederstellung. Bei Anglesit und Phosgenit gibt es häufig muscheligen Bruch. Spaltflächen können aber auch auftreten. Sind verschiedene Spaltrichtungen ausgebildet, so stehen die Spaltflächen bei Anglesit und Phosgenit eher senkrecht aufeinander. Je nach dem, wie gut man die Spaltwinkel zwischen verschiedenen Spaltrichtungen abschätzen kann, bleibt da mehr oder weniger Restunsicherheit.

Ein spezifisch hohes Gewicht der Stufe kann auf die Matrix und nicht zwangsweise auf die aufsitzenden Kristalle zurückzuführen sein.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
« Letzte Änderung: 03 Apr 22, 19:43 von felsenmammut »

Offline Junibolte

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Hallo,

da sind die Meinungen schon kontrovers. Calcit hatte ich schon selbst im Visier.
Am Montag schicke ich ein Stückchen zur Analyse und berichte hinterher, was dabei rausgekommen ist.

Ein schönes Restwochenende

Hans Peter

Offline Junibolte

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So, nach der Analyse hier das Ergebnis:

EDX-Nr. Proben Nr. Fundort Ergebnis Bemerkungen
Messdaten
22004/2-001PHö2204/2-001Italy, Monteponi,
SardinienCalcit
farblos klare xx?
?  Anglesit, Phosgenit?
EDX 1, Bruchfläche:
2,5% Al, 0.9% Y, 96.6% Ca (+ C+O)
EDX 2, Bruchfläche:
5% Al, 94.9% Ca

Sollte Calcit sein.
Mit verd. HCl überprüft, löst sich sprudelnd unter CO2-
Freisetzung!

Vielen Dank an alle für ihre Bemühungen und vor allem Günter Blaß für die Analyse

Gruß aus Solingen

Hans Peter

Offline Uwe Kolitsch

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    • Uwe Kolitsch, NHM Wien
Danke - so kann man sich anhand von Fotos täuschen!

Offline loismin

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Hallo.

Das hätte sich aber ohne Analyse dann auch klären lassen , nur mit einem einfachen Säuretest !

Loismin

Offline ruebezahl

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Glück auf,

(Säuretest) es hätte dann immer noch Cerussit sein können, und weitere Untersuchungen erfordert. Aber ok. abgehakt.

MfG
ruebezahl

Offline loismin

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Hallo Uwe.

Nein, beim Salzsäuretest sind schon Unterschiede bemerkbar zwischen Calcit und Phosgenit oder Anglesit, Cerussit .
Allerdings brauchst da natürlich auch Vergleichsmaterial zum ausprobieren .

Loismin

 

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