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Bitte um Bestimmungshilfe Kristallform - herzlichen Dank!
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Patrick Kötter:
Ich habe eine Bitte.
Helft Ihr mir?
Kann mir jemand von Euch sagen, wie diese geometrische Form heißt?
Ich freue mich über jeden Anhaltspunkt!
Herzlichen Dank!
Patrick
oliverOliver:
hallo Patrick,
bitte Forumsregeln beachten: keine fremdverlinkten Bilder, sondern Fotos für Bestimmungsanfragen direkt hier als Anhang hochladen!
danke + lg
oliver
edit:
ich hab das mal für dich erledigt (ausnahmsweise ;))
felsenmammut:
Glück Auf!
Es ist ja schon oft genug schwierig genug an 3D Objekten Winkel und Orientierung der Flächen abzuschätzen. Bei Bildern von Mineralien, wird es noch schwieriger, da man die Tiefe nur umso mehr schätzen muss. Allerdings kann man darauf vertrauen, dass Winkel und Orientierung der Flächen auf Naturgesetze (einschließlich Mathematik/Geometrie) zurückzuführen sind und somit Habitus und Tracht sich in begrenzten Rahmen bewegen. Auch andere Merkmale wie Streifung, Vicinalflächen, Rauigkeit, verschiedenartiger Glanz helfen bei der Interpretation. Diese Gesetzmäßigkeiten und Charakteristika verhindern wilde Willkür und erlauben eine Vielzahl von Annahmen bei der Auswertung von Bildern. Nun liegt eine Zeichnung vor, zu der nichts weiter bekannt ist. Es stellt sich also zwangsweise die Frage, ob man überhaupt mathematisch/geometrische Gesetzmäßigkeiten oder Aspekte und Begriffe aus der Mineralogie oder Kristallographie anwenden darf.
Für die weiteren Ausführungen setze ich daher mal voraus, dass es sich um die 2D Projektion eines 3D Objektes handelt. Die meisten Kanten der Rückseite sind mit dargestellt. Ich setze auch voraus, dass die Übertragung kristallographischer Aspekte und Bezeichnungen in einen sinnvollen Kontext gebracht werden können. Da theoretisch fast jede Kristallform mit ausreichender Genauigkeit für das Auge eines Betrachters durch die irrwitzigsten Kombinationen verzerrter Flächen eines kubischen Kristallsystems nachgebildet werden kann, will ich es praktisch einfach halten und verzerrte Formen ausschließen und von möglichst niedrig indizierten Flächen ausgehen. Das kommt den allermeisten Beobachtungen in der mineralisierten Natur sehr nahe. Zwillingsbildung schließe ich hier auch mit aus.
Zur Namensgebung geometrischer Formen lässt sich allgemein sagen, dass die meisten Namen für regelmäßige Kristallformen im kubischen Kristallsystem zu finden sind. Darüber hinaus haben viele Zwillingsformen, egal wessen Kristallsystem angehörig, eigene Namen bekommen. Die Kristallformen niedrigerer Symmetrie als die des kubischen Kristallsystems operieren häufig mit geometrischen Grundbegriffen wie Prisma, Pyramide und Pinakoid - ein sich gegenüberliegendes, paralleles Flächenpaar, dass in einer geometrischen Beziehung steht. Das angehängte Bild enthält ein paar Zusatzinformationen, die die nachfolgenden Ausführungen etwas unterstützen sollen.
Die gestreckte Form mit den parallel verlaufenden Kanten in der Mitte stellt ein Prisma dar. Damit entspricht die Zeichnung keinem Kristall aus dem kubischen Kristallsystem. Das Prisma ist durch 8 Flächen begrenzt. Man kann die Zeichnung so interpretieren, dass einige Flächen senkrecht zueinander stehen, so dass man damit eine Flächenindizierung vornehmen kann. Zwischen den zwei Hauptflächen (010), gesprochen Null-Eins-Null, und (100) befindet sich eine Fläche (110). Nahe der unteren Kante des Bildes erkennt man noch eine Fläche, der man die Indidzierung (1-10), gesprochen Eins-Minus Eins-Null, zuordnen kann. Das -1 zeigt an, dass die Fläche in die entgegengesetzte Richtung der Achsenvektordefinition blickt. Die Interpretation senkrecht zueinander stehender Flächen schließt ein Kristall aus dem triklinen Kristallsystem aus. Das Prisma ist an beiden Enden mit je 7 Flächen begrenzt. Von den 7 Flächen ist eine Fläche deutlich größer und soll hier als Kopffläche (001) bezeichnet werden. Die Fläche (100), und auf der Rückseite auch die Fläche (-100) berühren eine Kopffläche in je einem Punkt. In der dargestellten Lage befinden sich oberhalb und unterhalb der Kopffläche je drei Flächen zwischen Kopffläche und Prisma. Zwischen der (001)-Fläche und der (010)-Fläche liegt die (011)-Fläche, in Analogie zum kubischen Kristallsystem auch als Rhombendodekaederfläche bezeichnet. Zwischen der (110)-Fläche und der (001)-Fläche liegt die Fläche (111), in Analogie zum kubischen Kristallsystem auch Oktaederfläche genannt. Nun scheint die Kopffläche nicht senkrecht zu dem Prisma zu stehen, sondern liegt schräg gestellt. An der Stelle ist es definitiv gewagt, eine Winkelverstellung nur zwischen der c-Achse und der a-Achse in das Bild zu deuten, aber auf dieser Deutung soll nun die weitere Interpretation aufbauen. Mit nur einem Achsenwinkel ungleich 90° über einem achteckigen Querschnitt lässt sich die Zeichnung dem monoklinen Kristallsystem zuordnen. Die einzige Symmetrieebene verläuft für diese Darstellung von oben nach unten durch die (001)-Fläche und von links nach rechts durch die (010)-Fläche und parallel zur (100)-Fläche. Entsprechend werden auch die Rhombendodekaederflächen geschnitten.
Wenn man nun die Hypothese eines monoklinen Kristalls überprüfen will, so sollten die Strecken zwischen Eckpunkten, die sich in der einen Spiegelebene gegenüberstehen, parallel zueinander verlaufen. Das ist nicht konsequent der Fall. Auch zahlreiche andere Strecken zwischen Eckpunkten sollten aus Symmetriegründen parallel sein, sind aber winkelverstellt. Daraus lassen sich verschiedene Mutmaßungen ableiten. 1. Der Kristall ist nicht monoklin, sondern triklin. Die Abweichungen sind leider nicht in der Art konsequent, dass zwangsweise eine trikline Struktur erkennbar wird. Eher wäre man geneigt, die Abweichung so auszulegen, dass der Winkel β an den Kopfflächen variiert.
2. Der Kristall ist in einer perspektivischen Verzerrung dargestellt. Dann kann ich aber keine mir bekannte Darstellungsvariante in die Verteilung der Abweichungen hineindeuten.
3. Der Kristall entspricht einem Vorbild aus der Natur und enthält einige Verzerrungen und Vereinfachungen, die zu diesen rückwärts nicht nachvollziehbaren Abweichungen führen.
Vielleicht helfen die Ausführungen bei der Suche nach einer Antwort weiter. Die dargelegte Interpretation ist keineswegs die einzige mögliche Deutung der Zeichnung.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut
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