Liebe Kollegen,
in der Region Idar-Oberstein wurde das Mineraliensammeln im Steinbruch Juchem nie als Problem verstanden, sondern als ein die Region bereicherndes touristisches Element. Die Freundlichkeit und Offenheit, mit der Mineraliensammler durch die Betreiber des Steinbruchs Juchem empfangen wurden, galt als außerordentlicher Ausgleich für die an den Steinbruch grenzenden Gemeinden, die die Last dieses Raum und Natur beanspruchenden Unternehmens wenigstens teilweise in sekundären finanziellen Erträgen durch den Tourismus aufwog.
Das Steinbruch-Unternehmen Juchem ist ein wesentlicher Bestandteil industrieller und unternehmerischer Kultur des Raumes Idar-Oberstein und wichtiger Arbeitgeber in unserem strukturschwachen Raum. Ein stillschweigendes Übereinkommen von Lokalpolitik und Betriebsleitung ermöglichten es Generationen von Mineraliensammlern sich an den Mineralien im Steinbruchbereich zu erfreuen und an Dritte weiter zu vermitteln, die in Folge dessen ebenfalls zu zahlungskräftigen Besuchern unserer Region wurden.
In dieser einträchtig gestalteten, Jahrzehnte währenden Zeit der Pflege gemeinsamer Interessen, gab es immer wieder tragische Fälle von Gier, Neid, Verletzungen und auch Todesfällen im Zusammenhang mit der Mineraliensuche im Steinbruch. Das Mineraliensammeln diente nicht nur dem Schutz der Naturschätze, die ohne das aktive Sammeln Begeisterter vor dem Brecher bewahrt wurden und heute der Stolz der Museen in Idar-Oberstein sind, sondern auch der persönlichen finanziellen Bereicherung Einzelner. Dennoch wurden diese Vorkommnisse im Sinne eines höheren, gemeinschaftlich wesentlichen Gedankens sowohl von der Firma Juchem, als auch von staatlichen Organen toleriert.
Eine Änderung der Sachlage ergab sich erst durch Restriktionen, die im Laufe der Zeit erfolgten. Diese waren versicherungsbedingte Auflagen und bergamtliche Forderungen zu schulden, die für alle ordentlichen Steinbruchbetriebe bindend sind. Trotz dieser massiven Hemmnisse zeigte sich die Firma Juchem bereit, das Mineraliensammeln in geregelter Form durchzuführen. Dies entsprach auch dem vor Generationen geschlossenem stillen Übereinkommen von Gemeinden und Steinbruchbetrieb. Trotz Kosten und Aufwand wurde dieser wertvolle Beitrag des Unternehmens erhalten.
Das nun, ich hoffe nur zeitweise, einseitig von der Firma Juchem das Mineraliensammeln generell untersagt wird, hat mit einem anekdotischen Zwischenfall, der als Grund für ein radikales Handeln vorgeschoben wird, nur am Rande zu tun. Das Besondere an diesem Fall ist ja, das der verschwindend geringe Anteil an unseriös handelnden und unverständigen Mineraliensammlern hier einen Fauxpas begangen hat. Zudem blieb dieses Handeln für den Steinbruchbetrieb konsequenzlos. Die Delinquenten wurden von der Polizei eingesammelt und werden ihre Strafe erhalten.
Daß man aber alle Mineraliensammler in einen Topf wirft und über einen Kamm schert, ist unreflektiert und ich empfinde dies als persönlichen Angriff. Wozu dieser offensive und beleidigende Schritt ?
Man kann mit Hilfe der Konstruktion eines Dilemmas, das als solches bislang nicht existierte, zwingende Gründe zu einem Handeln ableiten, das es einem erlaubt, den Pfad des bislang beiderseitig eingehaltenen stillschweigenden Abkommens zu verlassen.
Mit dem Verbot des Mineraliensammelns kann man den von Außen herangetragenen Wünschen, die den Betriebsablauf schwieriger machen, entkommen und sie im Generellen ablehnen. In den Zeiten pandemie-bedingter Auflagen wurde erlernt, ohne solch lästige Pflichten den Betrieb zu leiten und nervige Anfragen mit dem Hinweis auf rechtliche Verpflichtungen abzulehnen. Auf den Geschmack gekommen, wird dieser Zustand mit Hilfe eines belanglosen Ereignisses auf nicht absehbare Zeit verlängert.
Diese Sichtweise ist allerdings einseitig und schadet dem Unternehmen langfristig. Das stillschweigende Übereinkommen ist nun keines mehr. Die Wahrnehmung des Unternehmens wird sich regional verändern, da es nicht bereit ist, solidarisch zu handeln. Aus einem Partner, der bereit, war im Sinne gemeinschaftlicher Interessen einen Beitrag zu leisten, wird ein gewöhnliches Unternehmen, dessen wirtschaftlicher Nutzen an den Kosten für Natur und Umwelt mit dem gleichen Maß, das für alle anderen Unternehmen in unserer Region gilt, gemessen werden wird.