Hallo Jule
insbesondere bei weitsichtigen Menschen funktioniert die Verknüpfung/Überlagerung der beiden Bilder im Gehirn nicht gut. Meist dominiert das stärkere Auge und das andere läuft mit. Bis zue einem Alter von etwa 3Jahren wird wohl eben die Augensynchronisierung incl räumliches Sehen im Gehirn ausgebildet. Bei Normalsichtigen funktioniert das über Triangulation, d.h. die Position eines Punktes in den Bildern der beiden Augen ist gegeneinander etwas verschoben, weil die Augen den Punkt unter verschiedenen Winkel sehen. Der Augenabstand ist immer gleich und dadurch läßt sich Tiefeninformation berechnen. Im fehlsichtigen Fall sind die Augen nicht synchronisiert und dadurch, dass die Augen oftmals unterschiedlich stark sind, kann auch nicht immer gleichzeitig ein scharfes Bild von dem Punkt erzeugt werden und vorallem erkennt das Gehirn nicht, wie die Bilder genau zusammengehören. Deshalb bildet das Gehirn eine andere Strategie aus, um Tiefe wahrzunehmen. Das funktioniert z.B. über Größe, Flugbahnabschätzungen, Schärfe im Bild etc. Auswirkungen können sein dass
- jemand der nicht räumlich sieht ein guter Schutze ist. Weil die Information aus einem Auge ausreicht....
- jemand der nicht räumlich sieht, einen ihm unbekannten Gegenstand nicht sicher fangen kann, aber mit Übung ein sicherer Ballspieler (für genau die eine, eingeübte Ballgröße und Ballform) ist
- jemand, der räumlich sieht, andere Arbeitsabläufe nutzt (z.B. um Dinge unter dem Stereomikroskop zu manipulieren), als jemand, der nicht räumlich sieht.
Dennoch ist auch in dieser Art Wahrnehmung immernoch ein Tiefeneindruck vorhanden (der eben anders erzeugt wird) und ein Bino hilft trotzdem besser und entspannter zu arbeiten. Das schreibe ich hier aus eigener Erfahrung :-)
Gruß, Martin