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Autor Thema: Komische Quarzlinie und Fossil auf einen Streich? Müggelbergfund  (Gelesen 1867 mal)

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Offline Megalithomane

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Hallo Zusammen,

vor zwei Jahren fand ich diesen seltsamen Stein an einem steilen Hang einer Anhöhe des großen Müggelbergs im Südosten Berlins. Der helle Klecks mit der markanten Linie war auf dem dunklen Waldboden nicht zu übersehen. Über die Spuren auf der Oberfläche wundere ich mich noch heute, zumal ich (noch) kaum Ahnung von der Materie habe.

Hier mal ein paar Maße: Länge: 7,5cm, Breite: 5,5cm, Höhe: 2,5cm, Gewicht: 162g.
Das Hauptmaterial ist homogen und blasenfrei. Krümelt und staubt nicht. Ziemlich hart, lässt sich mit einem Messer nicht ritzen. Der Stein riecht auch leicht nach frisch angerührtem Gips. 

Ein Tropfen Essigessenz auf dem Hauptmaterial ergab nicht das geringste Sprudeln. Wenn Wasser den Stein benetzt, erscheint der dunkler und fast farblos.

Merkwürdig finde ich auch, dass der dunkle Strich aus flächigen Kristallen an einem Ende kurz vor dem Rand des Steins aufhört. Wie kommt sowas zustande?  ???

Der Abdruck daneben sieht für mich aus wie von einer Pflanze. Direkt unterhalb der mutmaßlichen Blüte scheint ein Stück des Stiels versteinert worden zu sein.

Auf der weniger spektakulären Rückseite sind 4 vereinzelte, farblose, durchsichtige längliche Kristalle durch ihre Lichtreflexionen erkennbar. Die sind so ca. 3mm lang. Leider lassen die Biester sich nicht so leicht fotografieren.

Würde mich sehr über eure Hinweise freuen.


PS. Durch die starke Verkleinerung der Fotos sind manche Details leider kaum zu erkennen. Soll ich die Anfrage nochmal im Mitglieder-Bereich starten, dann auch mit weiteren Aufnahmen?
« Letzte Änderung: 26 Sep 23, 22:44 von Megalithomane »

Offline oliverOliver

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hallo,

Zitat
Soll ich die Anfrage nochmal im Mitglieder-Bereich starten, dann auch mit weiteren Aufnahmen?

nein, einmal reicht  :)

Die "Pflanze" ist ganz sicher keine, sondern ein Spurenfossil. Dürfte eine Grabgangausfüllung sein.
Selbiges vermute ich auch für die größere "Röhre", bin mir bei der aber nicht ganz sicher. Interessant, dass die auskristallisiert ist. Hast du bei den Kristallen schon auch die Härte und die Reaktion auf Säure getestet? Oder nur am Sediment? Letzteres scheint ein Sandstein zu sein.
lg
oliver

Offline Megalithomane

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Hallo Oliver, vielen Dank für die Antwort!

Zitat
Die "Pflanze" ist ganz sicher keine, sondern ein Spurenfossil. Dürfte eine Grabgangausfüllung sein.
Krass. Das hätte ich nun wirklich nicht vermutet. Etwas vergleichbares ist hier dokumentiert: https://www.zobodat.at/pdf/VZBG_85_0042-0052.pdf Das angehängte Fotos stammt daraus.

Zitat
Hast du bei den Kristallen schon auch die Härte und die Reaktion auf Säure getestet? Oder nur am Sediment? Letzteres scheint ein Sandstein zu sein.

Ich muss mich erst noch schlau machen, wie man das macht ohne unnötig Material zu zerstören. Habe auch weder Ritz-Griffel (Härteskala) noch sonstwas parat. Totaler Anfänger - und dann sowas :o. Mal gucken, wie es damit weiter geht.

LG David

Offline Megalithomane

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Nachschlag  :)

Offline oliverOliver

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hallo David,

Zitat
Ich muss mich erst noch schlau machen, wie man das macht ohne unnötig Material zu zerstören. Habe auch weder Ritz-Griffel (Härteskala) noch sonstwas parat.

Für die simple Unterscheidung Quarz oder Calcit (was die wahrscheinlichsten Kandidaten sind) tuts auch eine Stahlnadel oder sonstwas aus gehärtetem Stahl (ich bevorzuge die Nagelschere  ;D).

Andere Mineralien sind natürlich nicht völlig auszuschließen - Baryt wäre evtl. eine Möglichkeit, und auch Coelestin kommt ja auch öfters im Zusammenhang mit Fossilien vor (um nur 2 zu nennen, die mir ad hoc einfallen)

ga
oliver

Offline Megalithomane

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Update: Die Kristalllinie sprudelt ebenfalls nicht. Zumindest nicht unter Zuhilfenahme fies riechender Essigessenz. Die Kristalle der breiten Linie lassen sich aber leicht von einer Stahlspitze ritzen > weißer Staub.

Nachdem, was ich bisher über diese Grabgänge gelesen habe, scheint die kristallisierte Linie kein weiterer Grabgang zu sein. Zu breit, zu gerade und dann noch dieses abrupte Ende. Hat sonst noch jemand eine Idee?

VG
David

Offline oliverOliver

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Zitat
was ich bisher über diese Grabgänge gelesen habe, scheint die kristallisierte Linie kein weiterer Grabgang zu sein. Zu breit, zu gerade und dann noch dieses abrupte Ende.

Nein, gar nicht zu breit - kommt auf die Größe des Grabenden Organismus an (da gibts bedeutend größere Durchmesser  ;D)
Und auch nicht unbedingt zu gerade - nicht alle verlaufen in Schlangenlinien, es gibt da auch komplexe Gangsysteme mit geraden Teilstrecken.
Das "abrupte Ende" liegt vermutlich daran, dass die Struktur entweder nicht ganz parallel zur Oberfläche des Handstücks verläuft - oder aber um- oder abgebogen ist.
Auf Bild 142016 sieht man ja in der Seitenansicht schön den halbrunden (also ehemals wohl runden) Querschnitt - das spricht schon sehr für einen Grabgang, und deutlich gegen eine mineralisierte tektonische Kluft bzw. mineralisch verheilten Riss.

Zitat
Die Kristalllinie sprudelt ebenfalls nicht. Zumindest nicht unter Zuhilfenahme fies riechender Essigessenz. Die Kristalle der breiten Linie lassen sich aber leicht von einer Stahlspitze ritzen > weißer Staub.

Dann käme (von den genannten Mineralien, ohne andere ausschließen zu können) evtl. Baryt in Frage - Härte ca. 3 - 3,5, und Reaktion erst mit heißer konzentrierter Schwefelsäure (das bitte nicht unbedingt ausprobieren ! ).  Coelestin verhält sich zwar fast ebenso, aber "nach Bauchgefühl" hätte ich hier eher einen Baryt-Verdacht gehabt (was auch völlig falsch sein kann)

ga
oliver
« Letzte Änderung: 01 Oct 23, 19:55 von oliverOliver »

Offline Megalithomane

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Hallo Oliver und alle heimlichen Mitleser,
also mit Baryt könnt ich leben. Schwefelsäuretest muss echt nicht sein. Einen Flammentest traue ich mir noch zu, habe aber keinen adäquaten Brenner. Oder lassen sich solche einfachen Hand-Flambiergeräte für wenig Geld auf unsichtbare Flamme schalten? https://amzn.eu/d/3QDy1F8

Die finale, überfällige Frage lautet für mich aber: Wie kommt ein Seeigel-Heim auf den Müggelberg? Stammt es aus der Zeit als die Gegend unter Wasser lag? Oder handelt es sich um ein Mitbringsel der eiszeitlichen Gletscher?

Gruß
David

Offline oliverOliver

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hallo David,
nun, der Grabgang bzw. die Gänge müssen nicht von Seeigeln stammen - die meisten (größeren) Bauten, die zugeordnet werden können, stammen von Krebsen/Krabben, und bei den kleineren gibt es überhaupt eine Unmenge von Organismen, die infrage kommen. Daher gibt es ja die Ichnotaxa unabhängig von den biologischen Taxa, und eine sichere Koppelung der beiden ist ohnehin nur in seltenen Fällen möglich.
Müggelberg: leider kenne ich die dortigen geologischen Verhältnisse nicht, da kan ich also nix dazu sagen.
lg
oliver

Offline Megalithomane

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Oha. Ich dachte eigentlich, dass die Grabfüßchen am Ende des dünnen Gangs (die "Blüte") eindeutig für so einen Seeigel sprechen würden. Dann wohl doch nicht?! So eine paläoichnologische Bestimmung scheint echt nicht ohne zu sein.

Wäre schön, wenn es noch gelänge, Ort und Zeit des Entstehens zumindest grob einzugrenzen.
Im November ist in Berlin wieder Mineralis-Messe. Vielleicht sollte ich das Stück mal mitnehmen und draufschauen lassen. Schaden kanns jedenfalls nichts.

Vielen Dank für deine Hilfe. Cooles Forum!

Gruß
David

Offline oliverOliver

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Zitat
Im November ist in Berlin wieder Mineralis-Messe. Vielleicht sollte ich das Stück mal mitnehmen und draufschauen lassen. Schaden kanns jedenfalls nichts.

das ist jedenfalls eine gute Idee!

 

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