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Ist das Kieselschiefer?
Gelb:
Hallo,
da sich mein Gestein in einem anderen Thread als Kieselschiefer entpuppt hat, frage ich mich ob ich dieses andere Stück denn richtig als Kieselschiefer eingeordnet habe.
Leider erwische ich den Farbton nicht ganz wie real mit meiner Kamera, daher der Becher der Marke Schwälbchen als ungefährer Vergleich wie weit der Grünton verfälscht wurde, die Farbe des Gesteins auf dem Bild mit dem Becher entspricht am ehesten der Realität.
Fundort: Genauer Fundort nicht aussagekräftig, vermutlich dorthin verbracht mit Schutt oder Haldenresten unbekannter Herkunft, es ist mir kein Aufschluss oder Felsen dieses Materials an dieser Stelle oder der Nähe bekannt. Vermutlich aus einer der Gruben in Biebertal.
Auf den ersten Blick fällt die intensive dunkelgrüne Färbung auf, bei näherem betrachten teilt sich das grüne Material in drei haupt Grüntöne auf und dazwischen ist allerhand anders farbiges zu erkennen. Das weisse ist meiner Meinung nach Quartz. Es gibt aber auch sehr schwarze Einsprengungen aber wenn man ganz gneau guckt auch viele andere Farben. Was erdig aussieht ist keine Erde. Der Stein wurde intensiv geschrubbt und alles was Dreck von der Fundstelle ist, ist ab.
Dichte von ca 3.
Das Material ist vergleichweise hart und ich musste es mit Hammer und Meisel und sehr viel Kraft teilen, es bildet scharfe Splitterkanten wenn es denn mal bricht. Hier ist es direkt vergleichbar mit dem Material aus dem anderne Thread das als Kieselschiefer identifiziert wurde.
Bruchkanten sind auf den großen Flächen sehr grob körnig, einzelne Bruchstücke / Plättchen können aber auch sehr flach und scharf sein.
Das Material wirkt insgesamt sehr grobkörnig, diese groben Körner können sich aber auch einfach glatt teilen, es wirkt als ob das Material gerne an diesen groben Oberflächen bricht, kann aber durchaus auch glatter brechen, was mich eher denken lässt dass es insgesamt sehr feinkörning ist, aus Gründen aber diese gröberen Sturkturen bevorzugt "gezeigt" werden, schwer zu beschreiben aber ich hoffe man kann es sich vorstellen.
Strichfarbe: Schwer zu sagen, das Material macht eher Riefen in meine Keramik als das Abtrag entsteht. Was man erkennen kann ist hauptsächlich weiss, stellenweise etwas gräulich bis grünlich aber das nur ganz leicht. Es ist als ob sich hier verschiedene Materialien abreiben wenn was passiert.
Es sind keine Blasen vorhanden und der Stein ist nicht magnetisch.
Die Oberfläche wirkt als ob er lange im Fluss gelegen hätte, etwas geglättet an den erhabenen Stellen, dadurch etwas speckige haptik aber man spürt noch deutlich dass es eigentlich eher rau ist. Frisch gebrochenes Material wirkt von der Farbe etwas Matter und es ist mehr feine Körnung zu spüren, wenn gleich die größeren Flächen irgendwie buckelig sind aber dabei auch rauher als vergleichbar buckelige Stellen Außen.
Man erkennt beim ganz genauen Hinsehen verschiedene Oberflächenstrukturen, mal eher homogen und glatt, mal faserig/schieferig wobei man es vergessen kann den Stein an einer dieser Schieferungen zu spalten.
Edit: Ich habe noch mehr Bilder gemacht aber man kann nur 4 hochladen, lasst es mich Wissen ob noch mehr gebraucht werden oder welche Details nicht gut genug erkennbar sind.
oliverOliver:
hallo Hans,
nein, das sieht garnicht nach Kieselschiefer aus - sogar ganz sicher nicht.
ga
oliver
Gelb:
Ich hatte es ja schon befürchtet. Folgende Dinge brachten mich zu der Einschätzung:
- Kieselschiefer soll es hier neben schwarz, braun und grau auch in grün geben. Ich hatte schonmal ein kleines, poliertes Stück vom grünen Kieselschiefer gesehen den es hier gibt, die Farbe sah ganz ähnlich aus. Ich kenne kein anderes grünes Gestein hier.
- Härte, Dichte und Bruchverhalten würden zur Beschreibung vom Kieselschiefer auf Wikipedia passen
- Es reagiert nicht auf Essigessenz (oben vergessen zu erwähnen)
Vielleicht noch erwähnenswert wenn es aus dem Text oben nicht hervorgegangen ist, man erkennt deutlich dass es aus verschiedenen Materialien aufgebaut ist die teilweise durch ihre Beschaffenheit auch die Oberflächenstruktur des Steins definieren. Ich versuche nochmal ein Lupenbild zu machen.
Ich glaube nicht dass er von weit weg kommt, dafür war er zu weit im über 100 Jahre unberührten Schutthaufen. Im Schutthaufen selbst finden sich hauptsächlich Kalksteine in unterschiedlichsten Varianten (die kann ich dank der Säure schon gut bestimmen :D) aber auch Steine die ich als "Schaltstein" identifiziert habe (Fotos folgen), quarzig vulkanisches Gestein und minderwertiges Eisen-Mangan Erz. Um an das Erz zu kommen muss man hier überall zu erst durch den Kalk durch, danach folgt wohl der Schalstein und dann dieses blasenreiche vulkanische Gestein was irgendwann in Erz übergeht. So habe ich es mir anhand der Fundsituation zumindest zusammengereimt :D
Ganz selten findet man zwischen diesen Gesteinen eben auch dieses grüne, harte Zeug wobei ich wie gesagt noch keinen Aufschluss davon gefunden habe.
Wenn ich nach grüner Kieselschiefer suche finde ich leider auch nichts ähnliches, am ehesten sieht es aus wie der Grünschiefer aus den Alpen hier in der Galerie aber so etwas gibt es hier meines Wissens nicht.
Was denkst du denn was es sein könnte?
stoanklopfer:
Für mich sieht das (ohne mich festlegen zu wollen, da ich das Stück ja nicht in der Hand habe) am ehesten nach einem hornblendeführenden Chloritschiefer aus. Aber niemals ein Kieselschiefer.
--- Zitat von: Gelb am 05 Dec 23, 00:56 ---Vielleicht noch erwähnenswert wenn es aus dem Text oben nicht hervorgegangen ist, man erkennt deutlich dass es aus verschiedenen Materialien aufgebaut ist die teilweise durch ihre Beschaffenheit auch die Oberflächenstruktur des Steins definieren.
--- Ende Zitat ---
Noch einmal: Gesteine bestehen aus mindestens einem (wie Kalkstein -> Calcit), meist mehreren Mineralen (wie Du schon richtig bemerkt hast). Deshalb kann die Dichte maximal einen Näherungswert (quasi Mittelwert aus mehreren Mineraldichten, je nach Anteil) darstellen. Die Strichfarbe ist jeweils nur für ein MINERAL aussagekräftig, NIE für ein Gestein, das aus mehreren Mineralen besteht!
Auch die Härte ist so eine Sache: bei Gesteinen wird die Härte einerseits durch den Mineralbestand bestimmt, andererseits aber auch durch das Gefüge (Schieferung ja-nein, quer oder senkrecht zur Schieferung etc. ...). Sagt also auch nur bedingt etwas aus. Gesteine zu bestimmen ist etwas ganz anderes als Minerale zu bestimmen!
Volkmar
p.s.: es gibt dazu einiges an entsprechender Literatur, wie z.B. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-642-55418-6
Gelb:
--- Zitat von: stoanklopfer am 05 Dec 23, 06:09 ---Für mich sieht das (ohne mich festlegen zu wollen, da ich das Stück ja nicht in der Hand habe) am ehesten nach einem hornblendeführenden Chloritschiefer aus. Aber niemals ein Kieselschiefer.
--- Zitat von: Gelb am 05 Dec 23, 00:56 ---Vielleicht noch erwähnenswert wenn es aus dem Text oben nicht hervorgegangen ist, man erkennt deutlich dass es aus verschiedenen Materialien aufgebaut ist die teilweise durch ihre Beschaffenheit auch die Oberflächenstruktur des Steins definieren.
--- Ende Zitat ---
Noch einmal: Gesteine bestehen aus mindestens einem (wie Kalkstein -> Calcit), meist mehreren Mineralen (wie Du schon richtig bemerkt hast). Deshalb kann die Dichte maximal einen Näherungswert (quasi Mittelwert aus mehreren Mineraldichten, je nach Anteil) darstellen. Die Strichfarbe ist jeweils nur für ein MINERAL aussagekräftig, NIE für ein Gestein, das aus mehreren Mineralen besteht!
Auch die Härte ist so eine Sache: bei Gesteinen wird die Härte einerseits durch den Mineralbestand bestimmt, andererseits aber auch durch das Gefüge (Schieferung ja-nein, quer oder senkrecht zur Schieferung etc. ...). Sagt also auch nur bedingt etwas aus. Gesteine zu bestimmen ist etwas ganz anderes als Minerale zu bestimmen!
Volkmar
p.s.: es gibt dazu einiges an entsprechender Literatur, wie z.B. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-642-55418-6
--- Ende Zitat ---
Versuche möglichst alle Infos zu geben die ich kann da ich nicht weiss was für die Experten evtl die entscheidende Info ist und habe mich dabei am ober verlinkten Guide orientiert. Was wären denn für Gesteine die wichtigen Infos die man für eine Ferndiagnose braucht? Ich plane nämlich noch einige Steine einzustellen und möchte möglichst hilfreiche Infos mitgeben.
Vielen Dank für deine Einschätzung, dieses Gestein hatte ich bisher noch nicht auf meinem Radar!
Nach kurzer Recherche scheint der von mir erwähnte Grünschiefer aus den Alpen ja auch Chloritschiefer zu sein.
Meine bisherige Methode zur Bestimmung hat umfasst dass ich mir zunächst alle Fundstellen in meiner Gegend hier auf der Fundstellenkarte angeschaut habe und die Gallerien dazu studiere. Die Gesteine und Minerale die ich nicht hier finde aber aufgelistet sind google ich dann auch mal. Mir ist klar dass weder alle Fundstellen noch alle Gesteine und Mineralien hier zu finden sein werden aber irgendwo musste ich ja anfangen. Da es so viele Mineralien und Gesteine gibt wollte ich nicht in eine Situation kommen wo ich Mineralien nachspüre die es hier gar nicht geben kann, meine Logik dabei ist dass es wohl schon jemand gefunden hätte wenn es etwas besonderes wäre, so viel wie hier umgegraben und geschürft wurde. Damit möchte ich auf keinen Fall sagen dass du mit deiner Einschätzung Unrecht hast, nur dass es für mich als Laien schwer ist dieses Gestein überhaupt "aufs Radar" zu bekommen ^^ Die Fundstellen hier haben schon so lange Listen von Möglichkeiten (z.B. https://www.mineralienatlas.de/?l=2093 ) und wenn es nicht in einer der Gruben hier gefunden wurde, schaue ich dann gar nicht erst nach weil wie gesagt, die Flut der infos ist schon so hoch. Daher nochmal Danke!
Vielen Dank auch für den Buchtip. Hast du dieses Buch und würdest sagen dass die Aussage "Das einzige Buch, mit dem man Gesteine und die wichtigsten Minerale ohne Labormethoden wissenschaftlich exakt bestimmen kann" aus der Beschreibung wirklich zutrifft? Wäre ja zu schön um wahr zu sein wenn das auch für mich so klappt :)
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