Hallo Kollegen,
Der vorliegende Thread zeigt, wie naheliegend manche Ideen sind. Während meines Aufenthaltes in der Volksrepublik Mongolei (im letzten Jahrtausend) hatte ich die Gelegenheit, von einem Mineralogen Granatkristalle aus dem Transaltai zu erhalten. Diese Kristalle waren äußerlich schwarz und nur im Durchlicht schön rot. Nach meiner Rückkehr habe ich mehrere der größeren Kristalle in dünne Scheiben geschnitten, um das Einschlussbild der Granate zu betrachten (Zweiphaseneinschlüsse und sehr viele Rutilnadeln). Auch mir fielen die hellen Linien, die je nach Schnittlage (parallel 100, 111, 110) unterschiedliche Zeichnungen bildeten, auf. Sie formen Hexagone, dreizählige und sechszählige Sterne.

Granat mit "sternartigem" Einschlussbild - kein echter Trapiche

Granat mit "sternartigem" Einschlussbild - kein echter Trapiche
Zu den Fragen:
Mit dem Begriff „Trapiché“ wird inflationär umgegangen, ohne wirklich zu verstehen, was der Begriff bedeutet. Trapiché leitet sich von „El Trapiché“, der Zuckerrohrmühle ab. Die Verbindung zu diesem Gerät erkennt man, wenn man sich die Abbildung des Trapiché-Kristalles von Rock Currier und die hier gezeigt Nahaufnahme einer kleiner Zuckerrohrmühle anschaut: Beide besitzen die charakteristischen Walzenkanten (beim Smaragd parallel zur Hauptwachstumsrichtung) und dank dieses Aufbaues wurde der Name verliehen. In Kolumbien kommen die besten Smaragde der Welt vor und eine Zuckerrohrmühle ist ein alltäglicher Anblick.

Granat mit "sternartigem" Einschlussbild - kein echter Trapiche

Granat mit "sternartigem" Einschlussbild - kein echter Trapiche
Schneidet man die speziell aggregierten Trapiché-Smaragde senkrecht zur Hauptwachstumsrichtung, erhält man sternförmige Querschnitte. Diese sind im Schmuckhandel sehr beliebt. Sie entstehen durch Anlagerung von schwarzem (meist Glimmer) oder weißem Material (meist Feldspat) während des Wachstums an den Prismenkanten des Keimkristalles.

Granat mit "sternartigem" Einschlussbild - kein echter Trapiche

Granat mit "sternartigem" Einschlussbild - kein echter Trapiche
Diese sternförmigen Anwachsungen gibt es bei vielen weiteren Mineralen, z.B. beim Rubin, Saphir etc. Das bekannteste Beispiel dürfte aber der Chiastolith (Kreuzstein, Andalusit) mit seinem vierstrahligen Stern sein. Allen diesen Mineralen fehlen allerdings die Walzenkanten, die ursächlich für die Namensgebung waren. Deshalb spreche ich mich generell gegen die Namensgebung "Trapiché" bei Mineralen und Edelsteinen, außer beim Smaragd, aus.
Zurück zum vorliegenden Fall. Die sichtbare Zeichnung bei den Granaten kann also sternförmig (drei- oder sechszählig) sein, sie ist aber heller als der umgebende Kristall. Hier haben wir also keinen Einschluss von einem weiteren Mineral an den Kanten, wodurch der Kristall verdunkelt werden würde, sondern eine aufgehellte, zonare Färbung, die durch schwächere Farbgebung und das Fehlen der ansonsten häufigen Einschlüsse verursacht wird.
Aus nomenklatorischer und aus phänomenologischer Sicht ist der Begriff „Trapiché-Granat“ also Unfug.