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Autor Thema: Verwitterung am Schönberg verstehen  (Gelesen 3713 mal)

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Offline Falk

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Verwitterung am Schönberg verstehen
« am: 13 Oct 25, 09:14 »
Hallo,

gestern habe ich eine kurze Wanderung am Schönberg bei Freiburg gemacht. An der Ostseite lagen Kalksteine herum, meist Rogensteine hellgrau bis leicht beige. Der Boden dagegen war dunkelbraun bis rotbraun enthält also Eisenoxide -hydroxide.
Nur können doch die Kalksteine nicht der Grund für den Eisenoxidgehalt sein. Es finden sich aber keine anderen Gesteine dort. Was für Gestein wäre denn die Ursache für den eisenhaltigen Boden und warum gibt es da nichts an der Oberfläche?

Grüße
Falk

Offline Otoites

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #1 am: 14 Oct 25, 19:44 »
Hallo Falk,

das sind Bolus-Tone, eine der wenigen Zeugnisse des Tertiär in der Vorbergzone des Oberrheingraben, enstanden in einem ähnlichen Klima wie jetzt in Afrika wo du auch solche rote Verwitterungsböden hast.
In diesen Tonen sind dann auch die Bohnerze zu finden.
Gruß Michael

Offline Falk

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #2 am: 14 Oct 25, 20:06 »
Hallo Michael,

danke für deine Antwort. Den Begriff Bolus-Tone kannte ich noch nicht. Aber ja, die Erde hatte sich lehmig angefühlt und kleine rote Kügelchen waren da drin. Und auf der Südseite (Berghauser Matten) ist die Erde tatsächlich tiefrot wie ich es auf Fotos von afrikanischen Böden kenne. Macht alles Sinn. Bohnerze habe ich aber noch nicht gefunden. Hier im MA steht: "Der Ton ist ein Residualprodukt der Eozänen verwitterung von Kalksteinen und würde durch die Präsenz von Eisenerzen ziegelrot bis ockerbraun verfärbt." https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?lang=de&rock=bolus Was genau ist in dem Fall ein Residualprodukt? Ich habe mal eine Probe auf den Kalkgehalt getestet und kam auf ca. 40% Karbonatanteil. Das Eisen drin ist gab ein Test mit gelbem Blutlaugensalz aber wie viel da drin ist weiß ich nicht.

Grüße
Falk

Offline Otoites

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #3 am: 14 Oct 25, 20:54 »
Hallo Falk,

Hier gibt es eine Beschreibung der Bohnerztone

Gruß Michael

Offline helgesteen

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #4 am: 14 Oct 25, 21:43 »
Am Schönberg treten verbreitet (und im vorigen Jahrhundert zeitweise wirtschaftlich genutzte) Vorkommen von Doggererzen auf, die ebenfalls in der von Michael angehängten Literatur beschrieben werden. An einigen Stellen, z.B. oberhalb der Berghauser Kapelle streichen diese Schichten aus und verursachen eine tiefrote Farbe des Bodens.

Viele Grüße,
Helge

Offline Falk

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #5 am: 15 Oct 25, 14:48 »
So nun hab ich das PDF mal durchgelesen. Da steht beim Bohnerz u.A:
Zitat
Bei der Verwitterung des Malms,
aber auch anderer mächtiger Kalksteinschichten, z.B. des Muschelkalks, geht der
Kalk und mit ihm die meisten anderen Minerale in Lösung. Der Kalk wird fortge-
führt, das Eisen, Aluminium usw. bleibt als Hydroxid o.ä. in situ, wodurch z.T.
mächtige Tonlagen entstehen, in denen sich das Eisen teilweise konkretionär um
Keime abscheidet
Kann man denn heute noch solche Kalksteine am Schönberg finden, die noch nicht verwittert sind und das Eisen noch enthalten?

Offline helgesteen

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #6 am: 15 Oct 25, 20:04 »
Hallo Falk,

grundsätzlich sind Bohnerztone im Schönberggebiet extrem selten. Sie treten vor allem in Richtung Bollschweil auf, vgl. hier:

https://www.zobodat.at/pdf/Mitt-Bad-Landesver-Natkde-Natschutz-Freiburg_NF_7_0259-0261.pdf

Die Kalke, die zur Entstehung von Bohnerztonen (tertiäre Bildungen!) beigetragen haben, sind am Schönberg längst weggelöst, mit Ausnahme einiger weniger Blöcke von Malmkalken, die in einem Tuffschlot eingeschlossen wurden und heute am Schönberger Hof (soweit ich weiss) noch zu sehen sind:

https://www.zobodat.at/pdf/Berichte-naturf-Ges-Freiburg-Br_55_0391-0398.pdf

Sie weisen meines wissens aber keinen besonderen Eisengehalt auf.
Wie gesagt, in der Regel sind die dort allgegenwärtigen Doggererze für die Bodenverfärbungen am Schönberg verantwortlich. Bohnerztone gibt es sehr schön im Margräflerland aufgeschlossen. Der beste Aufschluss befindet sich derzeit bei Holzen, vgl. Anhang

Viele Grüße,
Helge
 

Offline Falk

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #7 am: 15 Oct 25, 20:25 »
Hallo Helge,

ja ich hatte schon vermutet, dass diese Kalke rar sind. Ich versuche halt immer zu den gefunden Erdpigmenten auch die Ursprungsgesteine zu sammeln.

Grüße
Falk

Offline helgesteen

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #8 am: 15 Oct 25, 20:30 »
Hallo Falk,

wie geschrieben - oberhalb der Berghauser Kapelle am Waldrand sollte es kein Problem sein, eisenreiche Doggerproben zu finden.

Viele Grüsse,
Helge

Offline Otoites

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Re: Verwitterung am Schönberg verstehen
« Antwort #9 am: 23 Oct 25, 09:12 »
Hallo Falk und Helge,

als Besonderheit kann man auch zu Bohnerz umgewandelte Fossilien finden, in Kalksteinbruch Bollschweil in den Karstspalten im Hauptrogenstein war dies möglich.
Alle verwitterten Schichten gehören dazu nicht nur der Malm, der Bohnerz liegt auf dem Hauptrogenstein also fehlen auch die oberen Doggerschichten in denen auch eisenhaltigere Kalke sind.
Ein Stück vom Ferrugineusoolith wäre vielleicht ein guter Beleg, der ist an vielen Stellen noch Anstehend.

Gruß Michael

 

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