Hallo zusammen,
naja, ganz so einfach ist es nicht... Der Vergleich mit dem Aquarium ist gut gewählt und stimmt! Nur das mit der Spur stimmt leider nicht...
Helminthoida isp. ist zwar ein Pascichnion (also eine Weidespur), das ist schon richtig, nur leider wurden die meisten fossilen Pascichnia nicht
auf dem, sondern
im Meeresboden angelegt. Das Tier beutet den Meeresboden nach Nahrung aus (Spiralform ist dafür perfekt geeignet, denn das Tier kann eine große Fläche ausbeuten). Das Problem ist die Besiedlungsdauer... Angenommen ein Trübestrom geht in einem untermeerischen Canyon ab, das dauert ein paar Minuten bis etwa eine halbe Stunde, bis das grobe Material, sich seinen Weg gebahnt hat. Die Erosion von diesem Grobmaterial ist dabei so stark, dass kein Vieh in den flachen Bereichen überleben kann. Tiere, die in tieferen Meeresbodenbereichen leben, werden beim Abgang und Sedimentation der untermeerischen Gesteinslawine lebendig begraben. Bis das Leben in diese Wüste wieder vordringt dauert es einige Zeit. Das bedeutet, dass die abgelagerte Feinstsubstanz auch nicht sofort durchwühlt wird. Das mit dem Auflastdruck des Sediments, trifft die Sache besser:
Ein durch einen Trübestrom abgelagertes Sediment enthält sehr viel Wasser, das für ein großes Porenvolumen sorgt:
Frisch abgelagerter Sand hat zum Beispiel einen offenen Porenraum (das ist der "freie" in unserem Fall mit Wasser gefüllte Raum zwischen den Körnern) von 40-50 %. Daran ändert sich auch nach der Kompaktion nichts: Wieder ein Aquariumbeispiel: Fülle ein Aquarium mit Tennisbällen, indem
Du einen Eimer mit Tennisbällen hineinleerst. Dann übe leichten Druck aus. Die Tennisbälle werden nun dem Druck ausweichen und zwar so dass eine "dichteste Kugelpackung" erzeugen. Das bedeutet, dass wenn drei in einer Ebene liegen und sich berühren, die vierte Kugel genau auf dem Mittelpunkt der entstandenen Pore liegt, usw.
Nach der Kompaktion hast Du dann eine Porenvolumen von etwa 30 %. Weniger geht nicht, wenn Du die Kugeln (Sandkörner,Tischtennisbälle) nicht zerquetschen willst.
Bei Tonstein ist das anders: Tonminerale sind plattig, das bedeutet, dass sie sich wenn sie frisch abgelagert wurden, in einer wilden räumliche Lage zueinander befinden... Das Porenvolumen beträgt hier zwischen 60 und 80 %. Nach der Kompaktion hast Du aber nur noch um 20%, weil sich die Täfelchen sehr eng aneinanderlegen können und fast kein Hohlraum übrigbleibt.
Das bedeutet, dass die beiden Spuren, die Du heute direkt übereinander findest, bei ihrer Entstehung einen sehr viel größeren Abstand zueinander hatten.
Noch was zum Thema Flysch:
Flysch-Sedimente sind nicht nur Ablagerungen von Trübeströmen und Turbiditen! Es ist prinzipiell alles, was in einem Flysch-Becken abgelagert wird:
Ein Flysch-Becken ist ein Restozean, der bei der Kollision zweier kontinantaler Krustenplatten übrigbleibt. Da sich die Ränder dieses Ozeanrest zunehmend versteilen gehen immer häufiger "Gesteinslawinen" ab, die mit der Zeit immer grobkörniger werden und das Flyschbecken mit der Zeit zusedimentieren (gleichzeitig "wandern" ja auch noch die beiden Kontinentplatten aufeinander zu und verkleiner die Restozeanfläche). Zusätzlich dazu gibt as aber auch noch die ganz normale ozeanische Sedimentation (zumindest am Anfang der Flyschbildung). Auch das sind Flyschsedimente.
So jetzt habe ich genug geschwafelt!

...und ich weiß, dass ich ein Klugscheißer bin...

Grüße,
Lothar
P.S.: Der Zyklus heißt übrigens Bouma-Zyklus.... oder -"Sequenz", dann gibt's noch die Lowe- und Stow-Sequenzen...