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Autor Thema: Zufallsfund Ligurien / Helminthoida  (Gelesen 11884 mal)

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Offline lan517

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Zufallsfund Ligurien / Helminthoida
« am: 18 Dec 05, 13:19 »
Hallo,
Habe diese "Versteinerung" beim Spazierengehen an einem Fluss in Ligurien gefunden.
Da ich mich mit Fossilien (oder was immer es auch ist) überhaupt nicht auskenne, wäre ich sehr dankbar, wenn mir hier jemand weiterhelfen könnte.
Danke
Gruß
lan517
« Letzte Änderung: 11 Mar 17, 21:08 von oliverOliver »

Offline viennafossil

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Re: Zufallsfund
« Antwort #1 am: 18 Dec 05, 15:21 »
Halllo zurück!

Das sind sogenannte Spurenfossilien. Darunter versteht man die versteinerten Reste alle Lebensäußerungen eines Tieres, in diesem Fall des Fressen (Weidens im Sediment), es gibt ja auch die gegenteiligen  ::).

Die Bezeichnung ist Helminthoida, mäanderförmig, sich nie überkreuzend. Als Verursacher werden Ringelwürmer angenommen, auftreten tut dieser Spurentyp gewöhnlich in Tiefwassersedimenten. Und weil es Spuren sind, stellen diese erhabenen Mäander prakisch die Sedimentverfüllung der Weidespur da, sind also eigentlich das Negativ der Spur und daher immer an der Schichtunterseite zu finden. Ist praktisch im Gelände, weil man dann im Anstehenden bei Unklarheiten wie Verfaltungen oder inverser Lagerung Liegendes und Hangendes auseinanderhalten kann.

Als Link z.B.: http://palaeo.uni-hd.de/Thema11.htm

Ich kenne diesen Spurentyp aus österreichischen Ablagerungen der Oberkreide und des Alttertiärs, kann aber nicht sagen ob er auch in älteren oder jüngeren Schichten vorkommt.

Hope this helps!  ;D

Johannes


« Letzte Änderung: 18 Dec 05, 15:33 von viennafossil »

Offline Erik

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Re: Zufallsfund
« Antwort #2 am: 18 Dec 05, 16:51 »
Hallo,

sehr schönes Stück! Dürfen wir das Bild ins Lexikon aufnehmen? Spurenfossilien fehlen da leider noch völlig..

Danke & Gruß, Erik

Offline lan517

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Re: Zufallsfund
« Antwort #3 am: 18 Dec 05, 17:22 »
Hallo,
vielen Dank für die ausführliche Erläuterung.
Der Fund stammt aus der Nähe von Capella, Ligurien.

Für die Aufnahme in das Lexikon werde ich noch ein besseres Foto machen, (mit hoher Auflösung .....
An welche eMail Adresse soll ich das Bild schicken?

Nochmals Danke!
Gruss
lan517

Offline viennafossil

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Re: Zufallsfund
« Antwort #4 am: 18 Dec 05, 18:41 »
Hallo an alle,

bei so viel Begeisterung ein Scan aus einem Buch (Erich Thenius, Niederösterreich im Wandel der Zeiten, Hrsg.: Amt der NÖ Landesregierung), auch auf das Risiko hin eine Copyrightverletzung zu begehen!

Die Ostösterreicher wissen sowieso wo es die Sachen zu finden gibt (ist nix seltenes), trotzdem aber :-X wegen der Kopie bitte. Ich denke, die Herausgeber wollen das Buch auch verkaufen und das ist ja auch ihr gutes Recht  :D !
Und für den Rest der großen weiten Welt: es ist z.B. westlich von Wien  ;D

Grüße

Johannes
« Letzte Änderung: 18 Dec 05, 18:52 von viennafossil »

Offline Loddah

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Re: Zufallsfund
« Antwort #5 am: 19 Dec 05, 01:15 »
Hallo zusammen!

Wirklich ein hervorragend gutes Exemplar! Wie Johannes ja bereits richtig gesagt hat, handelt es sich um Helminthoida labyrinthica HEER, 1865.

Helminthoida labyrinthica ist ein typisches Flysch-Spurenfossil.

Grüße,
Lothar

Offline Erik

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Re: Zufallsfund
« Antwort #6 am: 19 Dec 05, 09:31 »
Hallo lan517,

Zitat
Für die Aufnahme in das Lexikon werde ich noch ein besseres Foto machen, (mit hoher Auflösung .....
An welche eMail Adresse soll ich das Bild schicken?

Vielen Dank! :D
Du kannst das Bild entweder wieder hier hineinstellen oder schicke es an erik_hock@web.de, ich werde es dann ins Lexikon aufnehmen!

Gruß, Erik

Offline viennafossil

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Re: Zufallsfund
« Antwort #7 am: 19 Dec 05, 15:17 »
Hallo zusammen,

lan517 fragt mich offline:
Zitat
Wobei mich allerdings die Entstehung einer solchen Versteinerung wirklich interessieren würde. Wie kann es sein, dass mehrere solcher Spuren innerhalb weniger Millimeter der einzelnen Schichten vorkommen?

Weil die Frage gut ist und die Antwort vielleicht manchen anderen auch interessiert und ich ein unheimlich netter Mensch bin habe ich folgendes abgesondert:

Zitat
Es hängt mit der Entstehung des Sediments (Flysch) zusammen. Stell dir vor du kippst eine Menge gemischten Sand (von ganz grob bis ganz fein) in ein Aquarium. Die großen Steine fallen sofort nach unten, die kleineren langsamer und der Feinanteil zuletzt, zudem verteilt sich diese Fraktion im Wasser und sedimentiert über einen extrem langen Zeitraum im Jahrhundertbereich oder noch länger. Und obwohl so fein und leicht setzt sich wegen der großen Menge pro Jarhr recht viel ab, das dann in der Tiefsee wegen des Nahrungsmangels sofort durchgewühlt wird. Es sind aber nach wie vor viele Schwebstoffe im Wasser und die füllen zuerst die Spur flach ab und dann einen Millimeterbruchteil drauf. Dann kommt das nächste Tier und es beginnt von vorn.  Und dann kommt die nächste Schüttung von oben (grob und schwer zuerst) und drückt, dann feiner und dann ganz fein. Und das geht beim Flysch einige hundert Mal so und diese Sequenzwiederholung ist im Gelände recht eindrucksvoll (Schotter-Sand-Ton-Tonschiefer mit Spuren). Und dann kommt noch der Sedimentdruck und natürlich die Kompression der Gebirgsbildung dazu. Mit dem Grobmaterial werden auch größere Fossilien mitgerissen, im feinen hast du nur die Spuren.
Ok, das war eigentlich alles vom Prinzip-hoffe es ist soweit verständlich
!

Ich muß dazusagen, ich bin kein Fachmann aber ich denke das Prinzip ist klar so.

@ Lothar: danke, dass Du das Wort Flysch gebraucht hast! Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf Flysch als charakteristischen Sedimenttyp (wiederholte Abfolge grob-mittel-fein) als Tiefseesediment an einem aktiven Kontinentalrand.
Es gibt aber auch den Begriff Flysch als tektonische Einheit, die vom Neokom bis ins Mitteleozän nördlich des Sedimentationsraums der Kalkalpen abgelagert wurde. Ich meine nur den Sedimenttyp, der in Österreich, Schweiz, Bayern, rund um Triest sowie offensichtlich auch Ligurien vorkommt. Und wahrscheinlich noch an X Stellen, die ich nicht weiß!!

Ich weiß aber aus eigener Anschauung, dass es in der Flyschzone (tektonisch) auch andere Sedimente als diese beschriebenen gibt.
Und auch, dass es jetzt genug ist und vielleicht zu weit geht, daher  :-X
(Nur damit es nicht einmal heißt, ich hätte gesagt..... ;D )

Grüße

Johannes
« Letzte Änderung: 26 May 13, 17:17 von oliverOliver »

Offline lan517

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Re: Zufallsfund
« Antwort #8 am: 19 Dec 05, 17:59 »
Hallo Johannes,

bin total begeistert!
Vielen Dank für die Erklärung!

Wünsche Dir und allen Anderen hier im Forum schöne Weihnachtsfeiertage und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2006.

Gruss
lan517

Offline Goldschnecke

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Re: Zufallsfund
« Antwort #9 am: 20 Dec 05, 07:24 »
Hallo

Flysch ist schon gut erklärt.
Wenn du meh wissen willst kannst du auch nach

Turbidit, Trübestrom oder Boomer-zyklus ;)

googeln.

Gruß Sascha.

Offline Loddah

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Re: Zufallsfund
« Antwort #10 am: 20 Dec 05, 23:46 »
Hallo zusammen,

naja, ganz so einfach ist es nicht... Der Vergleich mit dem Aquarium ist gut gewählt und stimmt! Nur das mit der Spur stimmt leider nicht... Helminthoida isp. ist zwar ein Pascichnion (also eine Weidespur), das ist schon richtig, nur leider wurden die meisten fossilen Pascichnia nicht auf dem, sondern im Meeresboden angelegt. Das Tier beutet den Meeresboden nach Nahrung aus (Spiralform ist dafür perfekt geeignet, denn das Tier kann eine große Fläche ausbeuten). Das Problem ist die Besiedlungsdauer... Angenommen ein Trübestrom geht in einem untermeerischen Canyon ab, das dauert ein paar Minuten bis etwa eine halbe Stunde, bis das grobe Material, sich seinen Weg gebahnt hat. Die Erosion von diesem Grobmaterial ist dabei so stark, dass kein Vieh in den flachen Bereichen überleben kann. Tiere, die in tieferen Meeresbodenbereichen leben, werden beim Abgang und Sedimentation der untermeerischen Gesteinslawine lebendig begraben. Bis das Leben in diese Wüste wieder vordringt dauert es einige Zeit. Das bedeutet, dass die abgelagerte Feinstsubstanz auch nicht sofort durchwühlt wird. Das mit dem Auflastdruck des Sediments, trifft die Sache besser:

Ein durch einen Trübestrom abgelagertes Sediment enthält sehr viel Wasser, das für ein großes Porenvolumen sorgt:

Frisch abgelagerter Sand hat zum Beispiel einen offenen Porenraum (das ist der "freie" in unserem Fall mit Wasser gefüllte Raum zwischen den Körnern) von 40-50 %. Daran ändert sich auch nach der Kompaktion nichts: Wieder ein Aquariumbeispiel: Fülle ein Aquarium mit Tennisbällen, indem
Du einen Eimer mit Tennisbällen hineinleerst. Dann übe leichten Druck aus. Die Tennisbälle werden nun dem Druck ausweichen und zwar so dass eine "dichteste Kugelpackung" erzeugen. Das bedeutet, dass wenn drei in einer Ebene liegen und sich berühren, die vierte Kugel genau auf dem Mittelpunkt der entstandenen Pore liegt, usw.

Nach der Kompaktion hast Du dann eine Porenvolumen von etwa 30 %. Weniger geht nicht, wenn Du die Kugeln (Sandkörner,Tischtennisbälle) nicht zerquetschen willst.

Bei Tonstein ist das anders: Tonminerale sind plattig, das bedeutet, dass sie sich wenn sie frisch abgelagert wurden, in einer wilden räumliche Lage zueinander befinden... Das Porenvolumen beträgt hier zwischen 60 und 80 %. Nach der Kompaktion hast Du aber nur noch um 20%, weil sich die Täfelchen sehr eng aneinanderlegen können und fast kein Hohlraum übrigbleibt.

Das bedeutet, dass die beiden Spuren, die Du heute direkt übereinander findest, bei ihrer Entstehung einen sehr viel größeren Abstand zueinander hatten.



Noch was zum Thema Flysch:

Flysch-Sedimente sind nicht nur Ablagerungen von Trübeströmen und Turbiditen! Es ist prinzipiell alles, was in einem Flysch-Becken abgelagert wird:

Ein Flysch-Becken ist ein Restozean, der bei der Kollision zweier kontinantaler Krustenplatten übrigbleibt. Da sich die Ränder dieses Ozeanrest zunehmend versteilen gehen immer häufiger "Gesteinslawinen" ab, die mit der Zeit immer grobkörniger werden und das Flyschbecken mit der Zeit zusedimentieren (gleichzeitig "wandern" ja auch noch die beiden Kontinentplatten aufeinander zu und verkleiner die Restozeanfläche). Zusätzlich dazu gibt as aber auch noch die ganz normale ozeanische Sedimentation (zumindest am Anfang der Flyschbildung). Auch das sind Flyschsedimente.

So jetzt habe ich genug geschwafelt!  :-X ...und ich weiß, dass ich ein Klugscheißer bin...  ::)

Grüße,
Lothar

P.S.: Der Zyklus heißt übrigens Bouma-Zyklus.... oder -"Sequenz", dann gibt's noch die Lowe- und Stow-Sequenzen...

Online oliverOliver

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    • naja ....
Re: Zufallsfund
« Antwort #11 am: 11 Feb 14, 12:00 »
Hallo lan517,

Zitat
Für die Aufnahme in das Lexikon werde ich noch ein besseres Foto machen, (mit hoher Auflösung .....
An welche eMail Adresse soll ich das Bild schicken?

Vielen Dank! :D
Du kannst das Bild entweder wieder hier hineinstellen oder schicke es an erik_hock@web.de, ich werde es dann ins Lexikon aufnehmen!

Gruß, Erik

Dazu ist es anscheinend nie gekommen ?
Oder wurde es aus dem Lexikon wieder gelöscht ?

Online stoanklopfer

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Re: Zufallsfund
« Antwort #12 am: 11 Feb 14, 14:05 »
.... Boomer-zyklus ...


Tut mir leid, aber unter diesem Begriff wirst du nichts finden. Die Zyklen heißen nämlich "Bouma-Zyklen"!

stoanklopfer

Offline lan517

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Re: Zufallsfund Ligurien / Helminthoida
« Antwort #13 am: 14 Feb 14, 19:29 »
Hallo,
hab' dem Erik die Fotos noch mal zugeschickt.
Danke
Gruß
Wolfgang

PS: Mail ist nicht angekommen. Aus welchem Grund auch immer.  "mailbox unavailable"
Falls noch Interesse besteht, bitte eine aktuelle Mail Adresse.

Offline Erik

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Re: Zufallsfund Ligurien / Helminthoida
« Antwort #14 am: 14 Feb 14, 19:40 »
Hallo,

ohje, das ist ewig her. Kann mich nicht erinnern was mit dem Bild passiert ist. Die emailadresse benutze ich schon lange nicht mehr, scheinbar wurde sie aufgrund von Inaktivität gelöscht.

Wolfgang, am einfachsten wäre es, wenn Du das Bild selbst hochladen würdest. Das geht hier: http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/PictureUpload

Um Zuordnungen etc kann ich mich kümmern.

Gruß, Erik

 

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