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Lapis Juni 2006 - Amazonit und Farbe

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Stefan:
Hallo,

gerade habe ich die neue Lapis in Händen und muss zum Thema Amazonit und Farbursache folgende, nach meinem Wissen Falschaussage lesen.


--- Zitat ---"Die grünblaue Farbe des Amazonits wird nicht durch Gehalt an Kupfer verursacht, wie man lange glaubte und auch immer wieder liest, sondern durch spuren von Blei (Pb2+ >0,01 bis max. 1,35 Gew.%). das anstelle von Kalium (K+) in das Kristallgitter eintritt." Als Quelle wird Mineral Record 10/H.6 S. 378-380 angegeben.
--- Ende Zitat ---

Nach Untersuchungen siehe > http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Amazonit
hat der Bleigehlt nichts mit der Farbintensität zu tun.

Wie seht ihr das.

Gruß Stefan

Krizu:
Hallo Stefan,

das Problem ist die Wertigkeit und die Kompensation.

Wenn Du den Bleigehalt misst (RFA oder nasschemisch) bestimtm du im Allgemeinen den Gesamtgehalt.

Nun kann Blei aber in verschiedenen Ladungsstufen vorkommen, hier wird von Pb2+ gesprochen. Auch musst du einen zweiten Defekt haben, um das 2+ vom Blei zum 1+ vom Kalium zu kompensieren.

Vielleicht ein Beispiel:
Wir hatten einmal einen synthetischen Perowskit (Sorry - in der Natur kann man nicht so einfach färben ;-) ). Der hatte Niob im Gitter und war kornblumenblau. Die Kompensation war imho teilweise Ti3+ oder VO. Jetzt kam etwas Eisen dazu. Fe3+ + Nb5+ ist im Mittel 4+ wie das normale Titan. Allerdings klappte das nur in Sektoren über 100, alle anderen Flächen waren dunkel.

Fazit:
Die Farbe in Kristalle ist nicht so einfach....


MfG

Frank

Stefan:
Hallo Frank,

soweit richtig, aber wenn im Mineral nach Untersuchungen kein Blei vorkommt, die Farbintensität dagegen sehr hoch ist, wie ist dann die These haltbar?

Gruß Stefan

Collector:
Hallo Stefan

so überschneiden sich die Ereignisse.

Hab heute morgen grade in 2-stündiger Arbeit einen langen Kommentar an Dr. Stefan Weiß geschrieben und ihn mit den neuesten Erkenntnissen zur Farbgebung bei Amazonit vertraut gemacht ( inkl. aller wichtigen wissensch. Untersuchungsergebnisse).

Nicht nur die im Lapis beschriebene Pb- als Ursache, sondern auch, daß seit ca. 3 Jahren Amazonit sowohl grüner Mikroklin als auch genauso grüner orthoklas ist; desweiteren, daß es sich nicht um Mikroklinperthit, sondern um Perthit, bzw. Mesoperthit handelt.

Dr. Weiß' Quelle für die Farbgebung ist von 1979 - seitdem hat sich einiges und viel getan.

Die im Atlas angegebenen Untersuchungen wurden mittels AAS in einem Bereich von 32ppm bis 695ppm gemacht. (bzw, spektroskopische Untersuchungen optischer Sektren mit Calit-Polrisatoren Cary171 Spektrometer; IR-Spektren in einem Perkin Elmer 180, EPR-Spektren bei 2 und 295 K auf einem Varian E-Line Spektrometer bei ca. 9,2 GHz).

Aussage: Die Farbintensität steht in keiner Korrelation mit dem Pb-Gehalt.

gruß
collector

Collector:
Hallo Stefan

wie aus unserer Tabelle ersichtlich, hat der Amazonit von Florissant mit der höchsten Farbintensität (1) einen Pb-Gehalt von 0.
Demgegenüber gibts relativ stark bleihaltige Kalifeldspäte, welche farblos sind.

Die aktuelle Annahme (These) ist, daß die Farbe von Amazonit auf drei Variablen beruht: Ionisierende Strahlung, Wasser und in Einzelfällen Blei. Wasser ist insofern die tragende Rolle, als alle grün gefärbten Kalifeldspäte (d.h. Mikroklin und Orthoklas)  beim Erhitzen ihre Farbe verlieren.

Wollen wir das Thema vertiefen ? Dann wirds sehr wissenschaftlich. Ich habe die wichtigsten Untersuchungen und Ergebnisse vorliegen.

gruß
Peter

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